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15.06.15

Winzer - Winzers Weingut

Die Sonne scheint über den Thüringer Weinbergen. Eine leichte Brise weht. Thomas und seine Kollegen spazieren entspannt zwischen den Rebstöcken entlang, zupfen hier ein Blatt, kosten da eine Traube – immer ein Glas Wein in der Hand – so sieht das Leben als Winzer doch aus, oder? Kennt man ja aus dem Fernsehen. Dass das zwar nicht mehr als ein Klischee, Winzer aber dennoch ein echter Traumberuf ist, erzählt uns der 26­jährige Thomas vom Thüringer Weingut Bad Sulza.


Ausbildung Winzer Thüringen

Foto: Erwin Wodicka/fotolia

Dass Winzer ein Ausbildungsberuf ist, wusste Thomas früher selbst nicht. Er hatte nach der Schule schon eine Ausbildung absolviert, als er eher zufällig bei Saisonarbeiten im Weingut Bad Sulza seine Leidenschaft für den Weinanbau entdeckte. „Ich war immer schon gern draußen. In meinem damaligen Beruf war das aufgrund von Umstrukturierungen aber nicht mehr möglich. Deswegen fiel mir die Entscheidung für den Neustart auch nicht allzu schwer, als mir vom Weingut direkt eine Lehrstelle angeboten wurde.“ Thomas’ Ausbildung zum Winzer begann dann 2006 und dauerte drei Jahre. In dieser Zeit lernte er die verschiedenen Arbeitsbereiche im Weinbau kennen. „Dazu gehören die Kellerei und natürlich der Weinberg. Je nach Größe des Unternehmens kommen auch noch Lager, Marketing und Verkauf dazu.“ 

Auf dem Weinberg geht es um den Anbau der Trauben beziehungsweise die sogenannte Stockpflege. Thomas bereitet je nach Bedarf den Boden vor, setzt Jungpflanzen, beschneidet die Stöcke, entblättert die Triebe und sorgt für eine angemessene Schädlingsbekämpfung. „Das Meiste machen wir von Hand, das ist richtig harte Arbeit, schließlich haben wir hier gut 45 Hektar, die wir bearbeiten. Viele unterschätzen das und denken, wir schlendern durch den Weinberg und arbeiten nur so ein bisschen vor uns hin. Aber wir ernten zum Beispiel auch noch 40 Prozent unserer Trauben von Hand. Das heißt schleppen, schleppen, schleppen und ist wirklich anstrengend. Wer da körperlich nicht fit ist, hält kaum durch.“ 

Was aber nicht heißt, dass Winzer ein Beruf nur für Muskelpakete ist. „Meine Freundin ist auch Winzerin, man muss eben nur ein bisschen zäh sein und auch mal zupacken können. Außerdem haben wir ja auch Maschinen zur Unterstützung, und sind zum Beispiel mit dem Traktor unterwegs.“ 

In der Kellerei geht es dann um die Produktion des Weines. „Im Moment bin ich zum Beispiel dabei, den Wein steril zu filtern, damit keine Bakterien mehr drin sind und er abgefüllt werden kann. Wir haben dazu Maschinen, müssen aber immer die Leitungen legen und die Pumpen bedienen. Zu den Aufgaben hier gehört auch das Auspressen der Trauben, das Ansetzen der Hefe und das Überwachen der Gärungsprozesse.“ Dafür braucht ein Winzer neben fleißigen Händen auch theoretisches Wissen. Das gab es für Thomas während der Ausbildung in der Berufsschule in Bad Kreuznach. „Wichtig waren dort vor allem Mathe, Chemie und Biologie. Das zählt dann tatsächlich auch bei der Arbeit, denn in der Kellerei muss es schon zügig gehen. Da wird noch im Kopf gerechnet und nicht extra ein Computer gesucht.“ Ein gutes Fachwissen ist darüber hinaus wichtig, wenn man Kontakt mit Kunden hat, im Verkaufsgespräch zum Beispiel oder bei Weinproben, auch das gehört zu Thomas’ Aufgaben. „Hier heißt es immer, Winzer ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Wein muss man mögen, nicht nur, wenn es um die sensorische Beurteilung der Produkte geht. Ich liebe meinen Beruf und habe hier kaum etwas, das keinen Spaß macht. Es ist abwechslungsreich, man ist in der Natur, aber auch immer mit Menschen zusammen – das passt einfach.“ Thomas könnte den Meister oder Techniker anschließen, hat aber noch keine festen Pläne. Einen Traum hat er allerdings schon: „Ein eigener kleiner Weinberg irgendwann...“ (mü)