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11.10.20

Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik: Jetzt wird’s bunt - #whatyouwant

Kunststoff ist gleich Kunststoff? So einfach ist das nicht. Es gibt große Unterschiede zum Beispiel in Farbe und Eigenschaften. Um genau diese kümmert sich Hugo (20). Er ist gerade im dritten Jahr seiner Ausbildung zum Verfahrenstechniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik in der Fachrichtung Compound und Masterbatchherstellung bei Firma Grafe Polymer Solutions GmbH in Blankenhain. Hier werden aus von Natur aus weisem oder farblosen Polymer sogenannte Masterbatches – das sind Farb- oder/und Additivkonzentrate – zum Beispiel für Kunden in der Automobilindustrie, die daraus Innen- und Außenteile für Fahrzeuge herstellen, gefertigt.


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Foto: Grafe Polymer Solutions GmbH

Als Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik ist Hugo hauptsachlich in der Produktion beschäftigt. „Ich arbeite am Extruder, das ist eine Maschine, in der eigenschaftsloses, reines Kunststoffgranulat zu Masterbatches verarbeitet wird.“ Das heißt, es bekommt hochkonzentrierte Farbe und/oder bestimmte Zusätze, die zum Beispiel für UV-Beständigkeit, Antistatik oder Flammschutz sorgen. Im Extruder werden Granulate und Pulverzusatze vermischt und erhitzt, sodass eine Schmelze entsteht. Die erkaltete Schmelze kommt dann in den Granulator. In diesem wird sie geschnitten, sodass wieder ein – diesmal veredeltes hochkonzentriertes – Granulat entsteht, das dann zum Kunden geht, der es zu seinen Produkten weiterverarbeitet

„Wir haben keine Standardprodukte, sondern fertigen speziell auf Kundenwunsch jährlich bis zu 10.000 neue Rezepturen an. Daher muss auch immer erstmal die richtige Mischung gefunden werden. Zu jedem Auftrag werden Musterplättchen entwickelt, die wir in der Produktion als Vorgabe nehmen. Zu jedem Muster gibt es bestimmte Misch- und Maschinenparameter. In der Produktion muss man dann aber nicht nur alles einfüllen und einstellen, sondern auch immer mal noch ein bisschen rumtüfteln, bis das Ergebnis wirklich passt. Das macht aber zusätzlich Spaß.“ Allerdings braucht Hugo dafür neben der Erfahrung auch das entsprechende Fachwissen.

„Es gibt viel zu beachten beim Werkstoff und bei den Maschinen. Die Theorie in diesem Beruf ist nicht ohne.“ Hugos größte Herausforderung seien Pneumatik und Hydraulik gewesen. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich mit den ganzen Schläuchen klar kam. Aber dann gibt es auch Sachen, die machen richtig Spaß, wie der überbetriebliche Lehrgang zur Kunststoffbearbeitung und das Kunststoffschweißen. Es ist viel, aber mit Interesse alles machbar. Und vieles lernt man einfach mit der Zeit, zum Beispiel auch zu hören, ob die Maschine richtig arbeitet noch bevor man die Ergebnisse sieht.“

Während der Ausbildung durchläuft Hugo neben der Produktion weitere Arbeitsbereiche, wie das Farb-Design-Center, das Technikum und die Qualitätssicherung. „Am meisten Spaß macht es mir an den Maschinen. Hier kann ich richtig was tun und sehe die Ergebnisse. Dafür bin ich nicht so gern im Mischraum, wo Farbpulver gemischt werden.“ Grundsätzlich dürfe man in diesem Beruf aber keine Angst haben, sich auch mal ein bisschen die Hände schmutzig zu machen. Und auch körperlich fit zu sein, schade nicht. „Dafür muss man aber auch nicht den ganzen Tag irgendwo stillsitzen.“

Dass Hugo dabei mit einem zurzeit eher umstrittenen Werkstoff zu tun hat, ist ihm bewusst. „Wenn ich von der Verschmutzung der Meere höre, mache ich mir natürlich schon Gedanken darüber, dass Kunststoffmull problematisch ist. Allerdings liegt das am Umgang damit, nicht am Werkstoff selbst. Der ist langlebiger und oft ressourcenschonender als die Alternativen. Er muss nur verantwortungsbewusst eingesetzt und fachgerecht entsorgt werden. Und dazu kann ich beruflich und privat meinen Beitrag leisten." (mü)