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02.12.13

Verfahrensmechaniker für Glastechnik - Mit Glas bei der Arbeit

Fenster, Trinkgläser, Brillen, Weihnachtsbaumkugeln – Glas, ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, aber im heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Und wer hat´s erfunden? Na der Mensch! Leider falsch. Glas gab es nämlich schon, bevor der Mensch gelernt hat, es herzustellen. Es ist auf natürlich Weise entstanden, wenn Quarzsand durch große Hitze, wie etwa einen Blitzeinschlag, geschmolzen wurde. Das ist einer der ersten Sache, die man lernt, wenn man eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Glastechnik macht, so wie der 17jährige Bernd aus Jena.


Foto: Bernd Franke

Ist doch glasklar, was ein Verfahrensmechaniker für Glastechnik macht, oder etwa nicht? Irgendwas mit Glas eben und mit Technik. „Na, das ist doch im Grunde schon ganz richtig“, erklärt Bernd. Er ist Auszubildender bei j-fiber im zweiten Lehrjahr und wird oft gefragt, was genau er denn da eigentlich macht.
„Ich arbeite mit Maschinen und warte sie. Denn als Verfahrensmechaniker für Glastechnik stellt man Produkte aus und mit Glas her, in der Regel mithilfe von Maschinen und Maschinenanlagen, und genau die muss man dann auch instand halten. Damit geht man über das klassische Glasblasen, an das viele denken, hinaus. Technik spielt hier nämlich eine sehr große Rolle. Auch in der Berufsschule. Dort gibt es zum einen natürlich viel Theorie zum Glas selbst und zur Glasherstellung, aber auch Lernfelder wie Steuerungstechnik und Automatisierungstechnik sowie zu den verschiedenen Herstellungsverfahren.


Besonders wichtig sind dabei Physik, Chemie, Technik und Mathe. „Der Lernstoff ist nicht ohne, aber wenn man am Ball bleibt, kommt man gut mit“, so Bernd. Es sei einfach wichtig, sich schon vorher über die Ausbildungsinhalte zu informieren, damit man dann nicht überrascht werde, von dem, was alles dazu gehört. So arbeiten die Verfahrensmechaniker für Glastechnik zum Beispiel auch mit Kunststoffen und Metallen, und müssen deshalb auch über diese Materialien Bescheid wissen. „Metallverarbeitung spielt zum Beispiel bei der Wartung der Maschinen eine Rolle. Deshalb geht es in der praktischen Ausbildung neben der Verarbeitung von Glas auch um die handwerklichen Grundfertigkeiten wie Sägen, Drehen, Fräsen und Bohren.“ Das kann nicht immer jeder Betrieb selbst ausbilden, deshalb verbringen viele Azubis einen Großteil der Lehrzeit in einer überbetrieblichen Ausbildung. Bernd besucht dazu das CJD in Ilmenau. „Hier wird uns alles von der Pike auf beigebracht. Natürlich auch, was die Glasverarbeitung betrifft. Es gibt dazu jede Menge Lehrgänge, wie zum Beispiel Glaskugeln blasen oder Glasspitzen ziehen. Denn trotz aller Maschinen wird hier auch traditionell von Hand gefertigt“, erklärt Bernd, während er ein unscheinbares Glasrohr in eine der Drehmaschinen einspannt. Dann richtet er den Brenner darauf aus. „Die Flamme ist zwischen 1600 und 1700 Grad heiß. Da muss man schon ein bisschen aufpassen.“ Ganz vorsichtig fängt Bernd an, über einen Schlauch Luft in das Glas zu blasen, so dass am unteren Teil langsam eine kleine Kugel entsteht. „Je nachdem, wie es am Ende aussehen soll, dreht und pustet man dann weiter. Es braucht ein bisschen Übung, bis man den Dreh raus hat. Hier im CJD gibt es jeden Freitag zwei Stunden Kreativarbeiten wie zum Beispiel das Arbeiten mit Buntglas zur Herstellung von verschiedenen Figuren, Stäben, Anhängern und ähnlichen schönen Dingen. Damit schulen wir insbesondere unsere Feinmotorik. Und ein bisschen mehr Spaß als in der ‚normalen’ Produktion macht das auch“, gibt Bernd zu.

Im Unternehmen geht es nämlich, statt um Dekoratives, um hochtechnologische Glaskomponenten, wie Glasfasern und Preformen. Bernd arbeitet dort zum Beispiel in einem Reinraum und beschichtet Glasrohre mit verschiedenen Metallen, wie Germanium oder Silicium, aus denen dann Glasfasern gezogen werden. „Das mache ich auch gern, aber eigentlich bin ich lieber in der Instandhaltung. Das ist noch ein bisschen abwechslungsreicher, weil man jeden Tag etwas anderes zu tun hat und immer an anderen Maschinen arbeitet.“ (mü)