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15.06.15

Tierwirtin Fachrichtung Rinderhaltung - Kühe im Karussell

Wenn vierhundert Kühe noch vor Anbruch des Tages Karussell fahren – dann klingt das vielleicht komisch, hat aber trotzdem nichts mit Jahrmarktgaudi zu tun. Zumindest nicht im Agrarunternehmen "Wöllmisse" Schlöben e.G. Denn hier geht’s für die 400 muhenden Stallbewohner täglich zwei­ bis dreimal zum Melken in das sogenannte Melkkarussell. „Darin haben 20 Kühe gleichzeitig Platz und können einfacher an die Melkmaschine angehangen werden,“ erklärt Tierwirtin Lisa.


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Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Während die einen auch nach dem Schulabschluss noch nicht genau wissen, was sie beruflich machen möchten, stand für die heute 24-­jährige Lisa von vornherein nur ein Beruf auf der Wunschliste: Tierwirtin. „Ich bin auf einer Art kleinem Bauernhof aufgewachsen, hatte dort immer mit den Tieren zu tun und Spaß dabei. Ich wollte dann gucken, wie das in einem größeren Betrieb ist und ob ich mir das wirklich auch als Beruf vorstellen könnte. Hier bei Wöllmisse hab ich dann Praktika gemacht und auch in den Ferien gejobbt. Da hat einfach alles gepasst, deshalb habe ich mich auch nur hier beworben.“

Die Ausbildung zur Tierwirtin dauert drei Jahre und ist in verschiedenen Fachrichtungen möglich. Lisa entschied sich für die Rinderhaltung. Man kann aber zum Beispiel auch in die Schweinehaltung oder Schäferei gehen. Dabei ist Tier übrigens nicht gleich Tier: „Ich musste für einen Lehrgang eine Woche im Schweinestall arbeiten. Das wäre auf Dauer nichts für mich, ich komme mit den Kühen besser klar und es riecht auch nicht so extrem wie bei den Schweinen.“ Apropos riecht: Nach Parfüm duftet es zwar auch im Kuhstall nicht, aber an den Geruch gewöhne man sich sehr schnell, findet Lisa. „Und es ist auch nicht so dreckig, wie man immer denkt. Klar, darf man keine Angst haben, sich die Hände mal schmutzig zu machen, aber wir haben auch immer noch Handschuhe.“

Während der Ausbildung lernte Lisa die verschiedenen Arbeitsbereiche der Tierwirte kennen, sie war nicht nur in den verschiedenen Ställen, sondern zum Beispiel auch draußen zum Weidebauen. „Spätestens da muss man schon auch ein bisschen handwerkliches Geschick mitbringen. Und man muss körperlich fit sein. Es gibt zwar schon eine Menge Technik, die die Arbeit leichter macht – in den großen Ställen haben wir zum Beispiel Roboter, die die Böden automatisch reinigen – aber Kälberställe ausmisten und Milchpulversäcke tragen ist noch Handarbeit.“ Nicht zu vergessen, die Arbeitszeiten. Wenn Lisa Frühschicht hat, beginnt ihr Arbeitstag zwischen halb und um vier. Und zwar auch an Wochenenden und Feiertagen. „Mich stört das nicht, aber man muss wissen, worauf man sich einlässt. Ich fänd es viel schlimmer, jeden Tag acht Stunden nur im Büro zu sitzen, ich brauche die Bewegung, die frische Luft, die Tiere und die Natur. Und langweilig wird es hier auch nicht, gestern zum Beispiel hab ich bei der Geburt eines Kälbchens geholfen, das ist jedes Mal was Besonderes.“

Als Tierwirt reicht es dabei aber nicht, nur gern mit Tieren zu arbeiten. Wie in jedem anderen Beruf geht’s auch hier nicht ohne Theorie. Lisa besuchte während der Ausbildung dazu die Berufsschule in Schwerstedt. „Da geht es hauptsächlich um alles, was mit Rindern zu tun hat, wie Anatomie, Haltung, Fütterung und Krankheiten. Außerdem aber auch um Tierunterkünfte, Geräte, Anlagen und Maschinen, wie eben zum Beispiel das Melkkarussell. Lisa hat ihre Ausbildung vor sechs Jahren erfolgreich abgeschlossen und wurde als Tierwirtin übernommen. „Ich könnte noch ein Fachschulstudium anschließen, aber ich möchte nicht mehr jeden Tag in der Schule sitzen. Vielleicht mache ich irgendwann noch die Fortbildung zum Herdenmanager, das wäre nur einmal in der Woche und würde mehr in Richtung Wirtschaft gehen.“ (mü)