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04.07.18

Tierwirt- It´s kuhl man

Alle einsteigen, festhalten und los geht´s! Klingt doch eher nach Rummel als nach Stall. Doch tatsächlich dreht sich bei Geratal Agrar in Gebesee ein Karussell – allerdings eins für Kühe! Das hat aber nichts mit dem Freizeitvergnügen der Herde zu tun, sondern mit der Milchproduktion: „Hier geht’s nämlich ums Melken“, weiß Azubi Tom. Der 16­-Jährige kümmert sich mit seinen Kollegen um die Haltung von über 1.000 Rindern und sorgt dafür, dass im Melkkarussell täglich bis zu 17.000 Liter Milch von den Kühen in den Tank fließen.


Tierwirt, Rinderhaltung, Thüringen, Ausbildung, Berufswahl

Foto: Manuela Müller

Aufgaben: Tierwirte der Fachrichtung Rinderhaltung versorgen Zucht­- und Schlachtrinder sowie Milchvieh in Agrarbetrieben.

Dauer: 3 Jahre 

Voraussetzungen: Spaß an der Arbeit mit Tieren und Verantwortungsbewusstsein sind ebenso wichtig wie körperliche Fitness und die Bereitschaft, in Schichten – auch an Wochenenden und Feiertagen – zu arbeiten.

Chancen: In diesem Beruf ist die Weiterbildung zum Techniker oder Meister möglich. Auch kann man sich zum Herdenmanager qualifizieren oder ein Studium, zum Beispiel im Bereich Agrarwirtschaft, anschließen.

 

Die Arbeit in der Land­- und Tierwirtschaft hat in Toms Familie Tradition. „Ich komme vom Land und fast meine ganze Verwandtschaft ist in dieser Branche tätig. Ich bin damit aufgewachsen und habe durch Praktika und Ferienjobs die Arbeit im Stall auch schon selbst kennengelernt. Ich wollte auf jeden Fall auch einen Beruf in dieser Richtung lernen und unbedingt mit Tieren arbeiten.“

Den „Tierwirt“ gibt es in verschiedenen Fachrichtungen. Tom entschied sich für Rinderhaltung. Seine dreijährige Ausbildung startete im August letzten Jahres. „Wir sind hier am Standort Gebesee eine reine Milchproduktion und haben 1050 Rinder, um die ich mich kümmere. Natürlich nicht ganz allein. Als Tierwirte arbeiten wir im Team. Wir haben verschiedenen Ställe auf dem Gelände: für die neugeborenen Kälber, die etwas älteren Kälber, die Jungtiere und schließlich die ausgewachsenen Milch­- und Zuchttiere. Je nach Stall unterscheiden sich die Aufgaben auch etwas. Das geht von Geburtshilfe über die Versorgung der kleinen Kälber bis hin zum Füttern, Futter einholen, Ställe säubern und Melken.“

Es wird sich aber nicht mehr einzeln an jede Kuh gesetzt und von Hand gemolken. Die Milchkühe kommen in das sogenannte Melkkarussell, wo sie an die Melkmaschine angehangen und automatisch gemolken werden. „Jede Kuh meldet sich per Chip beim Vorbeigehen im Computersystem an und wir können genau nachvollziehen, welches Tier wann wieviel Milch gegeben hat. Überhaupt wird in der Landwirtschaft heute viel mehr mit Technik gearbeitet, als die meisten denken. Oft geht es schon mehr um Überwachung und Steuerung oder auch das Warten der Technik.“

Ganz ohne körperliche Anstrengung kommt ein Tierwirt aber trotzdem nicht durch den Arbeitstag. Tom ist immer auf den Beinen und muss auch mal einen Futtersack heben, ein ausgebüchstes Jungtier von Hand einfangen oder einen Zaun aufstellen. „Man sollte schon fit sein, aber es ist eben nicht mehr so anstrengend wie früher. Allerdings sind die Arbeitszeiten nach wie vor nicht ohne. Im Stall wird in der Früh­, Spät­ und Nachtschicht gearbeitet – auch an Wochenenden und Feiertagen, das wird oft unterschätzt.“ Tom hat als Azubi unter 18 Jahren noch eine Schonfrist und arbeitet immer von sechs bis 15 Uhr. „Aber ich denke, auch später wird das kein Problem. Es gibt ja dafür auch immer freie Tage als Ausgleich. Ich weiß ja, dass ich es für die Tiere mache und da stört es mich nicht, genauso wenig wie der Stallgeruch oder dass es hier nicht so sauber ist. Dafür bin ich immer in Bewegung und muss nicht den ganzen Tag irgendwo sitzen.“Besonders viel Spaß macht Tom die Arbeit mit den Kälbern. „Bei einer Geburt dabei zu sein, zu sehen, wie die Kleinen wachsen und sich entwickeln, ist etwas Besonderes.“ So richtig unliebsame Aufgaben gibt es für ihn nicht.

Der theoretische Teil der Berufsausbildung findet auch für Tierwirte in der Berufsschule statt. Nach sechs Wochen Praxis besucht Tom meist für zwei Wochen am Stück den Unterricht in Schwerstedt bei Weimar. Dort lernt er alles, was er über Rinder- und Rinderhaltung wissen muss. „Neben Anatomie, Stoffwechsel und Krankheiten der Tiere geht es auch um die Unterbringung, die Technik und die Geräte, die bei der Arbeit zum Einsatz kommen. Es ist schon eine Menge Stoff, aber es fällt mir nicht so schwer, weil ich mich dafür interessiere und das Meiste brauche ich wirklich in der Praxis, selbst Mathe beim Zusammenstellen des Futters, denn da muss gerechnet werden.“

Ein weiterer Teil der Ausbildung sind überbetriebliche Lehrgänge. In der Regel sind es drei pro Lehrjahr, die sich jeweils einem bestimmten Thema widmen, wie verschiedenen Geräten, Maschinen oder Arbeitstechniken. „Hier schaden handwerkliches Geschick und ein bisschen technisches Verständnis nicht.“ Grundsätzlich sollte ein Tierwirt viel Interesse an der Arbeit mit Tieren haben und verantwortungsbewusst sein. Er hat es schließlich mit Lebewesen zu tun. Und zwar in Toms Fall mit bis zu 600 Kilo schweren. Das heißt, Respekt, aber keine Angst zu haben und ein sicherer Umgang mit den Tieren ist ebenso wichtig, wie immer bei der Sache zu sein. Und zwar nicht nur im Stall, sondern auch im Umgang mit den Maschinen.

Tom hat nach seiner Ausbildung verschiedene Möglichkeiten der Weiterbildung, wie den Techniker oder den Meister zum Beispiel. Darüber macht er sich aber noch keine Gedanken. „Erstmal möchte ich meine Ausbildung machen, dann werde ich sehen, was die Zukunft bringt.“ (mü)