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< Spiel- und Medienpädagogik (EAH Jena)
01.11.16

Theaterpädagoge - So ein Theater

Ja, was ist so ein Theater eigentlich? Welche historischen Hintergründe hat es? Was kann es? Wie funktioniert es? Wer arbeitet dort? Was wird aufgeführt und warum wird es gerade so ausgeführt, wie es aufgeführt wird und nicht anders? Und für wen eigentlich? Fragen über Fragen übers Theater. Zum Glück gibt es Menschen, die auf jede einzelne eine Antwort haben, so wie Otto zum Beispiel. Otto arbeitet am Deutschen Nationaltheater in Weimar als Theaterpädagoge. Er ist privat ein großer Theaterfan und möchte beruflich andere fürs Theater begeistern, ihnen Theater beibringen und ihnen erklären, wie man es guckt – das kann nämlich nicht jeder.


Soziale Berufe, Pädagogik, Thüringen, Pädagoge, Theater

Bild: Thomas Müller

Theater – das kann ein Gebäude bezeichnen, eine künstlerische Darstellung oder ein Gruppe von Menschen, die Theater machen. Pädagogik beschäftigt sich mit der Bildung und Erziehung des Menschen. Wie Theater und Pädagogik zusammenpassen? Sehr gut, und zwar auf zwei verschiedenen Wegen, wie Otto erklärt: „Einmal kann ich als Theaterpädagoge am Theater arbeiten und Menschen zeigen, was Theater ist und wie es funktioniert. Und dann kann ich als Pädagoge arbeiten, der Mittel des Theaters nutzt, zum Beispiel als Kommunikationstrainer, im therapeutischen Bereich und bei Workshops in der sozialen Arbeit.“ 

Otto ist Theaterpädagoge am Theater. Seine Arbeit gliedert sich in drei Bereiche. „Zum einen geht es um die Gestaltung des Programmes, in dem auch immer was für Kinder verschiedener Altersgruppen dabei sein soll. Ich gucke, welche Stücke man spielen könnte und bespreche mit den Regisseuren, wie sie sich kindgerecht umsetzen und an den Entwicklungsstand anpassen lassen. Da gibt es Einiges zu beachten, zum Beispiel Länge und Komplexität der Stücke.“ Ein zweiter Bereich ist die Kulturvermittlung. „Ich bin quasi der Dolmetscher zwischen dem Theater und den Kindern und Jugendlichen. Dazu gehören Führungen hinter die Kulissen genauso wie Vor- und Nachbesprechungen von Aufführungen, Workshops rund ums das Thema Theater, die ich selbst entwickle und leite und Besuche an Schulen, um dort Aufführungen auf die Bühne zu bringen.“ Und dann als dritte Säule schließlich das Theatermachen. „Hier bei uns im Haus mit Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen, zum Beispiel beim Mehrgenerationenclub, wo Menschen aller Altersklassen zusammen ein Stück auf die Bühne bringen. Ich suche Stücke aus oder entwickle sie mit, ich bin der Regisseur, gebe Sprechtraining und zeige, wie man sich auf der Bühne bewegt.“ Um das anderen beibringen zu können, reicht es aber nicht, einfach selbst gern ins Theater zu gehen – ein bisschen Talent schadet nicht. Trotzdem braucht man auch das Fachwissen dazu – auf das Theater bezogen ebenso wie auf die pädagogischen Inhalte.

Die Ausbildung zum Theaterpädagogen ist auf verschiedenen Wegen möglich. Otto zum Beispiel hat an der Hochschule Osnabrück am Institut für Theaterpädagogik Lingen Ems den Bachelorstudiengang Theaterpädagogik belegt. „Man kann aber zum Beispiel auch etwas anderes im Bachelor studieren und dann den Master Theaterpädagogik anschließen oder erst als Lehrer eine Weiterbildung machen.“ Otto hätte mit seinem Abschluss als Bachelor schon arbeiten können. „Ich habe aber noch meinen Master in Dramaturgie für Theater, Film und neue Medien in Ludwigsburg gemacht, einfach weil mich das auch persönlich sehr interessiert.“

Interesse für Theater und alles, was damit zu tun hat, ist natürlich eine Grundlage für diesen Beruf. Ansonsten sollte man vor allem offen und kommunikativ sein. Und man darf nicht mit einem Nine-to-Five-Bürojob rechnen. „Ich habe keine festen Arbeitszeiten, bin mal morgens in der Schule, tagsüber bei einer Führung im Haus, abends bei einer Vorstellung und jetzt am Wochenende zum Beispiel beim Theaterfest mit dabei – und es macht mir wahnsinnig viel Spaß.“ (mü)