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< Wirtschaftsingenieur Eisenbahnwesen (FH Erfurt)
15.01.18

Textil- und Modenäher - Gut eingefädelt

Dass T-Shirts, Hosen oder auch Taschen von irgendwem genäht werden müssen, ist klar. Aber dass zum Beispiel auch medizinische Hilfsmittel wie Hand-, Knie- und Fußbandagen von Hand an einer kleinen Nähmaschine hergestellt werden, ist sicher weniger offensichtlich, denn diese Teile sehen doch eher nach einer industriellen Produktion aus, als nach Handarbeit. Was auch nicht ganz falsch ist, denn es kommen durchaus auch richtig große und vollautomatische Maschinen zum Einsatz. „Aber es wird eben auch ganz viel ganz traditionell genäht“, erklärt Mandy, Azubi im zweiten Ausbildungsjahr bei Bauerfeind in Zeulenroda.


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Fotos: Bauerfeind AG

Manchmal braucht man ein, zwei Anläufe mehr, um den richtigen Beruf für sich zu finden. So ging es auch Mandy: „Ich hatte mich in verschiedenen Bereichen ausprobiert, aber irgendwie hat nichts so richtig gepasst. Zum Textil- und Modenäher bin ich durch eine Schneiderin in meiner Nachbarschaft gekommen. Ich fand interessant, was sie so macht, und hab geguckt, was es in diesem Bereich für Ausbildungen gibt.“ Über diese Recherche kam Mandy auf Bauerfeind, einem Hersteller für medizinische Hilfsmittel. Nicht unbedingt ein Bereich, an den man als erstes beim Nähen denkt. 

„Man sitzt hier auch nicht in einer kleinen Kammer an einer Nähmaschine und näht Kostüme. Wir sind eine richtige Produktion mit vielen verschiedenen Abteilungen.“ Zwar arbeitet Mandy hauptsächlich schon an einer Nähmaschine, wo sie fertig zugeschnittene Teile zusammennäht, aber beispielsweise auch an Schweiß- und Stanzmaschinen. „Während der Ausbildung durchlaufe ich die verschiedenen Stationen vom Rohmaterial zum fertigen Produkt. Dazu gehören Zuschnitt, Stanzen, Nähen, Schweißen, die Maßabteilungen mit den Einzelanfertigungen sowie Färben und Veredeln und auch Endkontrolle und Verpackung. Außerdem wird noch nach Produkten unterschieden: Man fängt mit dem Nähen der Kniebandagen an, die sind etwas größer und nicht ganz so schwer zu nähen, wie kleinere Bandagen für Hände zum Beispiel.“ Auch als Azubi ist Mandy schon in der Produktion dabei: „Mit jeder neuen Aufgabe bekomme ich aber erstmal eine Einweisung und habe dann Zeit, um zu üben und Probestücke zu nähen. Wenn alles gut klappt, kann ich dann richtig mitmachen. Mit den erfahrenen Kollegen mitzuhalten, ist aber am Anfang nicht leicht. Außerdem steckt in den Teilen, die man bearbeitet, auch oft schon Arbeit von anderen drin, die war umsonst, wenn man sich vernäht und es nicht mehr verwendet werden kann. Aber mit der Zeit wird man schneller und macht auch kaum noch Fehler.“

Mandys Ausbildung dauert zwei Jahre und beinhaltet den blockweisen Unterricht an der Berufsschule. „Die Lernfelder drehen sich um Materialkunde, Verarbeitung, Geräte und Maschinen, Stoffschweißen, technisches Zeichnen und natürlich auch das Nähen von Grund auf. Dafür gibt es immer einen ganzen Tag im Nähsaal. Man sollte wissen, dass auch viel gerechnet wird, zum Beispiel für Knopflöcher und Faltenlegung, dass spielt bei mir in der Praxis zwar keine Rolle, ist aber für die Modenäher sehr wichtig.“ Dass Mandy nicht so kreativ arbeitet wie zum Beispiel die Modeschneider, ist für sie eher ein Vorteil als ein Nachteil. „Ich mag es, wenn ich feste Vorgaben habe und freue mich, wenn das Teil so aussieht, wie es soll.“ Und auch die Schichtarbeit stört sie nicht: „Das gehört eben dazu, wenn man in der Produktion arbeitet und man hat ja zum Ausgleich auch eher Feierabend oder in der Woche mal frei.“

Besonders viel Spaß macht ihr die Arbeit in der Maßanfertigung. „Weil man hier ein Teil komplett herstellt und nicht nur einen einzelnen Arbeitsschritt übernimmt. Aber auch, wenn ich mal nur nähe, wird es nicht langweilig, weil immer etwas zu beachten ist, wie Verschlüsse oder Verstärkungen, die eingearbeitet werden müssen. Außerdem arbeiten hier so viele Leute miteinander, auch das gefällt mir sehr.“ (mü)