Abo-Service nutzen
< Holzbearbeitungsmechaniker - Wood Kid
01.09.14

Technischer Konfektionär - Konfektionsgröße XXLkw

Mode für die ganz Großen, für die wirklich ganz ganz Großen, denn wenn sich André an die Nähmaschine setzt, dann wird nicht in Zentimetern, sondern in Quadratmetern abgemessen. Als Technischer Konfektionär fertigt er unter anderem Zeltplanen oder Planen, die über Lkw-Anhänger gespannt werden. Er kleidet sie quasi ein. Damit ist man übrigens beim Ursprung des Wortes Konfektion, das kommt nämlich aus dem Französischen und bezeichnet die Herstellung von Kleidungsstücken, auch wenn es dabei nicht in erster Linie um Lastkraftwagenkleider geht.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Angefangen hatte André nach der Schule mit einer Ausbildung zum Sattler: „Diesen Beruf gibt es in unterschiedlichen Fachrichtungen. Ich wollte eigentlich Kfz-Sattler werden, fand aber keine passende Lehrstelle.“ Inzwischen hat er ausgelernt und arbeitet beim Thüringer Zeltverleih in Erfurt als Technischer Konfektionär. „Das ist meinem gelernten Beruf schon sehr ähnlich, auch wenn es unterschiedliche Einsatzgebiete gibt.“
Als Technischer Konfektionär konfektioniert André technische Gewebe, was wiederum nichts anderes heißt, als dass er zum Beispiel eine PVC-Plane mithilfe verschiedener Schweiß- oder Verfügungsverfahren nach bestimmten Vorgaben anpasst, wie etwa an einen Lkw-Anhänger oder ein Zeltgerüst.
Wenn André einen Auftrag bekommt, geht es zunächst um die Abstimmung der Details. Was für eine Plane möchte der Kunde, sind Fenster oder besondere Befestigungen gewünscht? Ist das geklärt, beginnt die eigentliche Arbeit mit dem Aufmaß, also dem Maß nehmen, und dem Anfertigen einer technischen Zeichnung als Vorlage. Danach wird das Material ausgewählt und erst grob, dann feiner zugeschnitten, bevor genäht, geschweißt oder verklebt wird. Auch die Beschläge, wie Ösen, Riemen, Haken und Aufrollvorrichtungen bringt ein Technischer Konfektionär an. „In größeren Unternehmen geht es dabei in Richtung Fließbandarbeit, bei uns hier aber eher um Einzelfertigungen, die machen zwar mehr Arbeit, mir aber auch viel mehr Spaß. Dabei kann – naja, und muss – man viel kreativer sein.“ Wenn es zum Beispiel darum geht, einem Laubsauger den passenden Auffangbehälter zu verpassen, so lautete vor kurzem erst ein Auftrag. „Für so etwas gibt es keine Standardanleitung, aber gerade das Tüfteln bringt Abwechslung, und wenn man dann etwas konstruiert hat, was funktioniert und den Kunden überzeugt, macht´s richtig Spaß. Außerdem lerne ich mit jedem Auftrag wieder was dazu.“
Dabei kommt es vor allem auf technisches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick an. So muss André neben Nähmaschinen und Schweißgeräten auch eine Flex bedienen können, um zum Beispiel Profilleisten für Unterkonstruktionen zu bauen. Wichtige Arbeitsgrundlagen sind außerdem die genauen Kenntnisse über die Werkstoffe und
Verarbeitungsverfahren sowie über das Handhaben und Warten von Werkzeugen, Geräten, Maschinen und Anlagen. „Ich muss wissen, wie welches Material verwendet werden kann, welche Eigenschaften es hat, welche Befestigungssysteme es gibt und auch die gesetzlichen Bestimmungen, die zum Beispiel für das Bespannen von Lkws gelten, muss ich kennen. Das lernt man alles in der Berufsschule.“
André hat zwar seinen Traumberuf gefunden, aber natürlich gibt’s auch für ihn mal Aufgaben, die nicht ganz so viel Spaß machen. „Wenn ein Lkw mit einer zerfetzten Plane reinkommt, muss der meist auch schnell wieder raus und wir haben nicht viel Zeit für die Reparatur. Da wir eine verschmutzte Plane nicht bearbeiten können, gehört auch das Reinigen dazu, das macht weniger Spaß. Genauso wie einen Hagelschaden an einem großen Lagerzelt zu flicken, aber es gehört dazu und kommt zum Glück auch nicht jeden Tag vor.“ (mü)