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26.09.18

Tagtäglich im Talar - Pfarrer (m/w)

Berufe in Uniform. So wie Feuerwehrmann oder Polizist … oder Pilot … oder … oder Pfarrer! Pfarrer? Ja, Pfarrer. Auch der trägt eine Uniform, den sogenannten Talar. Was genau ein Pfarrer macht, wie man einer wird und warum, erzählt uns Vikar Christoph (29). Und weil wir wirklich sehr neugierig sind, haben wir die Gelegenheit genutzt und auch gleich mal ein kleines Geheimnis gelüftet: Wir haben unter den Talar geschaut – im übertragenen Sinn natürlich – und gefragt: Was trägst du denn drunter, wenn du auf der Kanzel stehst?


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Foto: privat

Die erste Uniform trug Christoph schon kurz nach dem Abi – er wollte zwar ursprünglich einen technischen Beruf lernen, ging dann aber erstmal zwei Jahre zur Marine. „Danach hatten sich meine Pläne etwas geändert und ich wollte Lehrer werden, eigentlich für Geschichte und Geographie. Für Letzteres bekam ich aber keinen Platz, weshalb ich mich schließlich für Religion als zweites Fach entschied. Während des Lehramtsstudiums habe ich dann gemerkt, dass mir die Religion besonders viel Spaß macht – so reifte die Idee, ganz auf Theologie zu gehen und Pfarrer zu werden.“

Der Glaube ist für Pfarrer natürlich eine Grundvoraussetzung. Christoph war durch seine Familie auch schon immer mit der Kirche verbunden. „Trotzdem hätte ich mir nach der Schule nicht vorstellen können, Pfarrer zu werden. Inzwischen ist es aber nicht nur die Arbeit mit den Menschen, sondern auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben, das kritische Hinterfragen und auch mal zu zweifeln, was ich besonders schätze, weil es mich auch in meiner persönlichen Entwicklung voranbringt.“

Das Theologiestudium dauert in der Regel fünf Jahre. „Und diese Zeit braucht man auch, da unheimlich viel dazu gehört. Man lernt, die heiligen Schriften zu lesen, zu analysieren, zu interpretieren, sie in einen Kontext einzuordnen sowie sie auf die heutige Zeit zu übertragen. Dafür muss man nicht nur Hebräisch, Altgriechisch und Latein beherrschen, sondern sich auch mit Literatur, Geschichte und Philosophie beschäftigen. Es ist wirklich viel, aber gerade das macht den Reiz aus.“ Das Studium schließt mit dem Examen ab. Danach geht es in den Praxisteil der Pfarrausbildung: das Vikariat. Das dauert 2,5 Jahre, in denen man gemeinsam mit einem Pfarrer eine Gemeinde leitet. „Am Anfang geht man erstmal nur mit und lernt, aber mit der Zeit übernimmt man selbst Aufgaben. Ich bin jetzt seit gut einem Jahr Vikar. Ich habe schon Religions-­ und Konfirmandenunterricht gegeben, Gottesdienste vorbereitet und gehalten und bin jetzt dabei, ein Projekt auf die Beine zu stellen, was die Kirche wieder näher an den Menschen bringen soll. Das sind spannende Herausforderungen.“ Weitere Aufgaben eines Pfarrers sind die Seelsorge, Jugendarbeit und schließlich auch verwaltende und organisatorische Tätigkeiten in der Gemeinde. „Ich liebe die Arbeit mit Menschen. Man begleitet sie in allen Lebensphasen von der Taufe bis zur Beerdigung – teilt die schönen Momente und hilft in schwierigen Zeiten. Das macht für mich den Beruf aus.“

Und wie ist das nun mit der Uniform? „Eine richtige Uniform wie bei der Polizei gibt es nicht, aber in Gottesdiensten oder zu Feierlichkeiten tragen wir den Talar.“ Der ist das Erkennungszeichen für evangelische Pfarrer und es ist gesetzlich geregelt, wer diese „Amtstracht“ tragen darf. Für Christoph ist der Talar mehr als nur ein Kleidungsstück. „Wenn ich ihn anhabe, bewege ich mich anders. Sie gibt mir Sicherheit und ich bekomme mehr Respekt. Sobald ich sie trage, bin ich der Pfarrer – auch wenn ich noch sehr jung oder in einer fremden Gemeinde bin.“ Was Christoph darunter trägt, kann er selbst entscheiden. „Es sollte angemessen sein. Viele wählen ein weißes, langärmliges Hemd, weil man das unter den Ärmeln des Talars sieht. Das ist aber alles nicht so streng geregelt. Ich kenne Pfarrer, die bei Hitze eine kurze Hose anziehen.“ (mü)