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20.04.18

Stuckateur - Stuckschmuckstücke

Stuck, so nennt man plastische Verzierung von Fassaden, Decken und Wänden, meist aus Mörtel oder Gips. Stuck gibt es schon seit der Antike – und auch wenn nicht alle Schmuckstücke bis heute überdauert haben, an und in vielen alten Häusern, Kirchen, Schlössern und Denkmälern sind zumindest noch Teile davon zu sehen. Oder sie wurden schon restauriert und haben dank der Stuckateure zu ihrer alten Form zurückgefunden. Allerdings ist Restauration alter Stucke nur ein Teilgebiet in diesem Beruf, wie Azubi Franziska (27) weiß.


Ausbildung, Thüringen, Stuckateur, Stuck

Foto:Manuela Müller

Die Liebe zum Handwerk ergibt sich manchmal erst mit der Zeit, so war es auch bei Franziska. "Ich hatte schon eine Ausbildung im Einzelhandel gemacht. Das war auf Dauer aber nicht meins. An Handwerk hatte ich früher nicht gedacht, aber mit der Zeit wuchs das Interesse daran und ich habe mich für verschiedene Bauhandwerke beworben, auch für den Maurer. Da wurde ich auch zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Die Stelle war dann aber doch nicht das Richtige für mich. Man bot mir als Alternative die Ausbildung als Stuckateurin an. Diesen Beruf kannte ich noch gar nicht, aber er klang interessant und nach zwei Wochen Praktikum stand fest: Das passt!"

Franziska ist jetzt schon im zweiten der drei Ausbildungsjahre. Sie wechselt regelmäßig zwischen Unternehmen, Berufsschule und Lehrgängen im überbetrieblichen Bildungszentrum des Bildungswerks Bau Hessen-­Thüringen in Weimar. "Hier haben wir gerade einen Lehrgang zum Trockenbau, wo wir das Stellen von Trennwänden lernen und üben. Auch das gehört zum Beruf des Stuckateurs dazu, genauso wie das Verputzen von Wänden und Estrich legen. Hauptsächlich geht es aber schon um das Schmücken von Häusern. Wir geben ihnen ein Gesicht". Fassaden, Decken und Wände zu verzieren macht einen Großteil der Arbeit aus. Franziska arbeitet dafür drinnen mit Gips und draußen meist mit Zementmischungen. Die Arbeitstechnik hängt davon ab, ob etwas restauriert oder neu hergestellt werden soll. Manchmal kann sie direkt am Stuck einzelne Stellen aus bessern, oft müssen aber komplette Stuckteile ersetzt oder ganz neue geschaffen werden. "Wenn es um Stuckleisten geht, fertige ich anhand des vorgegebenen Profils eine Blechschablone an, mit der ich neue Formen ziehe. Die werden dann an der jeweiligen Stelle angebracht und so verputzt, dass die Übergänge der Einzelteile nicht mehr zu sehen sind. Da ist viel Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Außerdem muss ein Stuckateur schwindelfrei sein. Zwar arbeitet man auch in der Werk statt an der Werkbank, aber einen  nicht die ganze Zeit festhalten kann."

Stuck besteht nicht nur aus Leisten und den sogenannten Schmuckkonsolen, sondern auch aus kunstvollen Figuren. "Die zu restaurieren ist noch etwas aufwendiger. Man füllt schadhafte Stellen provisorisch auf, nimmt einen Abdruck, mit dem man eine Silikonform herstellt, gießt sie aus und arbeitet dann von Hand nach." Franziska arbeitet meist nach festen Vorgaben. "Es ist eher selten, dass wir mal etwas selbst entwerfen. Wichtiger als Kreativität ist deshalb genaues Arbeiten, handwerkliches Geschick und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen."

In der Theorieausbildung in der Berufsschule geht es vor allem um Materialkunde, Berechnungen, Skizzen und Trockenbau. "Wenn man einigermaßen fit in Mathe ist und Interesse mitbringt, ist das gut zu machen." Das Meiste, was ein Stuckateur können muss, lerne er in der Praxis, findet Franziska. Wichtig seien die Lehrgänge und das stetige Üben. "Auch, wenn das nicht bei allen Aufgaben immer so richtig viel Spaß macht. "Wände verputzen zum Beispiel liegt mir nicht so. Das ist sehr eintönig, aber trotzdem anspruchsvoll, weil man sehr genau arbeiten muss. Alles andere mache ich aber wirklich gern. Ich liebe die Abwechslung und immer auf den Beinen zu sein. Außerdem ist es schön, die Ergebnisse meiner Arbeit sehen zu können. Ich habe zum Beispiel für ein Haus 80 Baluster, so eine Art kleine Säulen, selbst gegossen. Die jetzt da immer wieder zu sehen, macht mich schon ein bisschen stolz." Franziska ist während ihrer Ausbildung immer mit einer Kollegin unterwegs. "Als Frauen sind wir auf den Baustellen aber schon eher die Ausnahme. Ich verstehe gar nicht, warum sich nicht mehr Frauen für Bauberufe entscheiden. Es ist zwar körperlich anstrengend - auch ein Stuckateur muss ein paar Kilo von Hand heben können - und man macht sich natürlich die Hände schmutzig, aber es macht auch wirklich viel Spaß."

Nach ihrem Berufsabschluss möchte Franziska erst einmal Berufserfahrung als Stuckateurin sammeln. "Wenn man den Meister macht, kann man sich später auch selbstständig machen - oder man wird selbst Ausbilder, beides könnte ich mir für meine Zukunft vorstellen. Auf jeden Fall war es die richtige Entscheidung, noch einmal von vorn anzufangen." (mü)