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01.07.13

Straßenbauer - Dieser Weg wird gepflastert sein

Dieser Weg wird steinig und schwer. Und wichtig! Ohne Wege und Straßen würde in Deutschland der Verkehr nicht nur sprichwörtlich lahm liegen. Doch wer jetzt denkt: „Na stimmt schon, aber die meisten Straßen sind doch schon gebaut, da ist doch nicht mehr viel zu tun“, der ist wohl lange nicht mehr über ein Schlagloch gefahren.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Um welchen Weg es nun aber eigentlich geht? Um einen der vielen, an dem die Straßenbauer tagtäglich arbeiten. Das deutsche Straßennetz verfügt über rund 644.500 Kilometer, da kommen nicht nur immer noch neue dazu, es müssen auch die bestehenden gepflegt, überholt und erneuert werden. Viel zu tun also, das weiß auch Sebastian als angehender Straßenbauer im zweiten Lehrjahr. Über ein Freiwilliges Ökologisches Jahr kam der 20-Jährige zu seinem heutigen Traumberuf. „Ich hab bei Gemeindepflegearbeiten einen Weg gepflastert. Das hat mir soviel Spaß gemacht, dass ich mir im Anschluss erst ein Praktikum im Straßenbau bei der Bauer Bauunternehmen GmbH in Walschleben und dann dort auch eine Lehrstelle gesucht habe.“ Der Beruf an sich sei abwechslungsreicher, als viele denken, „weil man meist nur das Ergebnis sieht.“ Aber bevor etwa der Asphalt eingebaut werden kann, braucht es eine Menge Vorbereitung. Man muss den Bauabschnitt vermessen, die Bodenbeschaffenheit bestimmen, die Arbeitstechniken auswählen, den Mutterboden entfernen und ausschachten, eventuelle Unterbauten herstellen, Entwässerungssysteme einbauen, den Boden planieren und erst dann den eigentlichen Straßenkörper bearbeiten, zum Beispiel: Randbefestigung setzen, Tragschichten einbauen oder pflastern. „Wir arbeiten manchmal nur mit der eigenen Körperkraft, aber auch mit richtig großen Maschinen, und das macht echt Spaß.“


Dabei darf Sebastian nicht vergessen, dass eine Baustelle kein Spielplatz ist. „Man muss immer hundertprozentig bei der Sache und zuverlässig sein, man trägt eine große Verantwortung, auch für seine Kollegen. Der Arbeitsschutz ist bei uns sehr wichtig. Ob man nun Baugruben absichert, den fließenden Verkehr im Auge hat oder auf seine eigenen Finger aufpasst, die klemmt man sich nämlich schnell mal“, Sebastian spricht da aus eigener Erfahrung. „Und man sollte körperlich fit sein. Wir sind den ganzen Tag auf den Beinen, immer draußen, auch im Hochsommer und heben zu zweit bis zu 40 Kilo schwere Bordsteine.“ Allerdings habe sich auch in diesem Beruf in den letzten Jahren viel getan, „die Geräte und Maschinen werden immer moderner und erleichtern inzwischen viele Arbeitsschritte.


Alles, was Sebastian dazu an theoretischem Wissen haben muss, lernt er in der Berufsschule. Wichtig ist dort neben Baustoffkunde und den Arbeitstechniken vor allem Mathe. Berechnungen spielen in der Arbeit des Straßenbauers eine sehr große Rolle. Praktisch anwenden kann Sebastian das Erlernte dann zum einen in seinem Ausbildungsbetrieb und zum anderen im überbetrieblichen Bildungswerk Bau Hessen-Thüringen. Hier bereitet er sich übrigens gerade auf die WorldSkills 2013 vor, wo es zusammen mit dem deutschen Handwerk eine Präsentation des Berufsbildes Straßenbauer geben wird.


Als Straßenbauer – auch schon während der Lehrzeit – arbeitet man meist in sogenannten Kolonnen und die sind überall da, wo es Straßen gibt, im In- und auch im Ausland. „Man kommt dabei sehr viel rum, ist aber auch nicht jeden Tag um vier daheim“, Sebastian macht das nichts aus, „ich bin eben gern unterwegs.“ Und das wird er auch nach seiner Ausbildung weiter im Auftrag der Straße sein. Wie der Blick auf eben diese zeigt: Die Arbeit wird ihm und seinen Kollegen dabei nicht so schnell ausgehen. (mü)