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02.09.13

Stoffprüfer - Ausbildung unter Laborbedingungen

Hast du schon mal was vom piezoelektrischen Effekt gehört? Nein? Dann geht es dir genauso wie der WiYou-Redaktion, als wir uns mit den Azubis Benjamin Seeliger und Doreen Seifert von der Firma PI Ceramic im ostthüringischen Lederhose trafen. Ihr Ausbildungsunternehmen stellt keramische Bauteile her, die genau diesen Effekt besitzen, und damit weltweit gefragt sind.


Foto: René Weigel/WiYou.de

Bei der Piezotechnik, so erklären es die beiden, gehe es um Kristalle, die sich bei der Zuführung von Strom mechanisch verändern, sich also zum Beispiel ausdehnen oder verbiegen, oder die andersherum bei einer mechanischen Einwirkung einen elektrischen Impuls erzeugen. Die einfachste Anwendung findet sich in elektrischen Feuerzeugen. Drückt man auf den Knopf, wird ein kleines Keramikteil gespannt und dann plötzlich losgelassen. Beim Aufprall erzeugt es den elektrischen Blitz, der das Gas entzündet. Ziemlich spannend,finden wir.


Genauso spannend ist auch der Beruf, den Doreen und Benjamin lernen: Stoffprüfer heißt er, und damit sind sie im Labor von PI Ceramic für die Qualität der Produkte zuständig. Das Labor besteht aus zwei großen, hellen, sauberen Räumen ganz in der Nähe der Produktionsanlagen der Firma. Hier herrscht eine hohe Betriebsamkeit. Ständig laufen Mitarbeiter in weißen Kitteln und grünen Gummihandschuhen umher und tragen Glasröhren und Schüsseln mit Flüssigkeiten und Pulvern von einem Gerät zum anderen. An den Tischen sitzen oder stehen andere Mitarbeiter, die hochkonzentriert pipettieren, aufzeichnen, Daten auf Displays checken und diese mit dem Computer abgleichen. Das ist das Arbeitsumfeld der beiden Azubis. „Wir arbeiten hier fertigungsüberwachend“, erklärt Doreen. „Dazu bekommen wir die Keramikmischungen aus der laufenden Produktion und müssen diese zum Beispiel auf die Korngrößenverteilung überprüfen.“ Damit ist gemeint, dass die Mischungen, aus denen später kleine Keramikzylinder gepresst werden, eine genaue Korngröße beinhalten müssen. Sind die Körnchen zu klein oder zu groß, dann stimmen am Ende die Eigenschaften der Keramik nicht. Aber das ist längst nicht alles, was es im Labor zu tun gibt. Benjamin zum Beispiel hat gerade eine eigene Keramikmischung angesetzt. Daran überprüft er, wie die Keramik mit anderen Stoffen reagiert. Ziel ist es, die Eigenschaften der Keramik noch zu verbessern, das heisst, elektrische und mechanische Parameter wie Resonanzfrequenz und Dehnung entsprechend der späteren Anwendung zu optimieren. Benjamin bestimmt dazu im Labor unter anderem die Dichte der hergestellten Probekörper im ungebrannten und gebrannten Zustand sowie die Verringerung des Volumens nach dem Brennprozess; die Schwindung, wie er es nennt. Die Ergebnisse dokumentiert er und spricht sie
mit seinem Ausbilder und den Verantwortlichen der Produktionsabteilung ab. So ist er bereits in der Ausbildung ein wertvoller Mitarbeiter für sein Unternehmen.


Das klingt natürlich erst einmal alles recht kompliziert, „ist es aber gar nicht“, weiß auch Doreen. „Wenn man ein paar gute chemische und physikalische Kenntnisse mitbringt, dann versteht man die Prozesse sehr schnell.“ Und gerade in der Ausbildung würde sich auch genügend Zeit genommen, alles genau zu erklären. Außerdem gehen ja beide auch in die Berufsschule. Die ist übrigens für alle Stoffprüfer im bayerischen Selb. Hier wird viel Wert auf eine fundierte Ausbildung in Keramikkunde gelegt. Der Stoff, so verraten die beiden, sei schon lernintensiv, aber ebenso interessant. Sie sind sich jedenfalls sicher, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Denn auch die Zukunftsaussichten sind gut. „Wer hier richtiges Engagement zeigt und seine Ausbildung gut meistert, der hat alle Chancen, bei uns einen festen Arbeitsplatz zu bekommen“, versichert ihr Ausbildungsverantwortlicher, Horst Schwotzer. (rw)