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30.06.14

Sport- und Fitnesskaufleute - Azubi im Karate Gi

Hobby und Beruf miteinander verbinden, gibt´s etwas Besseres für die Karriereplanung? „Eigentlich nicht“, zumindest findet das Lucas. Der 17Jährige ist seit mehr als acht Jahren leidenschaftlicher Kampfsportler und seit August letzten Jahres nun auch angehender Sport- und Fitnesskaufmann. Seinen Karateanzug – den Karate Gi – zieht er dabei nicht mehr nur in der Freizeit an – sondern als Azubi auch regelmäßig bei der Arbeit.


Fotos: Manuela Müller/WiYou.de, privat

„Ich habe schon immer gern Sport gemacht und brauche einfach die Bewegung, ein reiner Schreibtischjob war so von vornherein ausgeschlossen“, darüber sprach Lucas auch mit seinem Karatetrainer im Chikara Club. „Er hat mir daraufhin die Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann angeboten, das passte natürlich super, weil ich so nicht nur den Ausbildungsbetrieb schon kannte, sondern mein eigenes Training gut an meine Arbeit koppeln konnte.“ So sind Lucas´ Einsatzorte neben dem Fitnessraum und dem Servicebereich auch die hauseigenen Trainingshallen. Gäste zu empfangen, sie zu betreuen und beim Fitnesstraining an den Geräten anzuleiten gehört dabei genauso zu seinen Aufgaben, wie das regelmäßige Karatetraining der Kindergruppen. Ganz kommt Lucas allerdings um die Schreibtischarbeit nicht herum. „Ich muss mich auch um die Buchhaltung kümmern, Trainerstunden abrechnen, Mitgliedsbeiträge buchen oder Trainingspläne erstellen. Aber das ist eigentlich ein ganz guter Ausgleich und macht schon mehr Spaß, als ich gedacht hätte“, erzählt er.
Da zum Chikara Club auch noch eine Gaststätte gehört, wird Lucas zudem im gastronomischen Bereich eingesetzt. „Das ist für einen Sport- und Fitnesskauf mann nicht die Regel, aber ich finde es gut, denn zum einen macht das meine Arbeit noch abwechslungsreicher, und zum anderen ist es eine sehr gute Gelegenheit, mit den Mitgliedern ins Gespräch zu kommen.“ Ab und zu seien nämlich gerade die Älteren nicht so begeistert, wenn ihnen so ein „Jungspund“ gute Ratschläge geben will. „Da kann man sich dann einfach nochmal in Ruhe mit an den Tisch setzen, einen Kaffee trinken und sich unterhalten – und dabei mit Fachwissen überzeugen.“ Obwohl Lucas noch im ersten Lehrjahr ist, klappt das schon ganz gut. „Ich versuche einfach, mir viel von meinem Ausbilder abzuschauen und weiß durch meinen eigenen Sport ja auch schon ein bisschen was.“
Alles andere lernt Lucas in der Berufschule, zu der er jeden Monat für je eine Woche nach Weimar fährt. „Am Anfang geht es da sehr viel um Buchhaltung, Rechnungswesen und Marketing, dann kommen nach und nach die anatomischen, physiologischen und ernährungsbezogenen Inhalte hinzu. Das alles fällt mir aber relativ leicht und ich komme bis jetzt sehr gut mit.“
Nach seiner Ausbildung könnte Lucas zwar zum Beispiel auch in den Spa- und Wellnessbereichen großer Hotels eingesetzt werden, „aber die meisten Sport- und Fitnesskaufleute arbeiten in einem Fitnessstudio. Davon gibt es in Erfurt übrigens 25. Das klingt zwar erstmal viel, aber es gibt eben auch unheimlich viele Sport- und Fitnesskaufleute“, erklärt er mit Blick auf seine berufliche Zukunft. Um sich später von der Masse abheben zu können und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben, versucht Lucas jetzt schon, möglichst viele Zusatzqualifikationen zu erlangen. Er macht unter anderem gerade seinen C-Trainerschein für den Karatesport. „Mein Vorteil dabei ist, dass ich ja beide Seiten kenne. Ich bin während der Arbeitszeit Trainer und danach selbst wieder Schüler, das ist schon sehr praktisch. Zumal mein Ausbilder gleichzeitig mein Trainer ist und so Rücksicht genommen wird, wenn ich zum Beispiel zu einem Wettkampf fahre.“ (mü)