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01.07.13

Sozialversicherungsfachangestellter - Akten Action

Es gibt Berufe, die scheinen auf den ersten und vielleicht auch noch auf den zweiten Blick erstmal nicht so spannend und abwechslungsreich – Sozialversicherungsfachangestellter zum Beispiel. Wer da hinter den riesigen Aktenbergen einen echten Verwaltungsberuf vermutet, hat vollkommen recht, wer aber denkt, das ist viel zu langweilig, verstaubt und trocken, der sollte sich von Caroline eines Besseren belehren lassen.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Als Azubi bei der Deutschen Rentenversicherung Bund im ersten Lehrjahr hat Caroline nach knapp zehn Monaten schon einen guten Überblick über die Abläufe und die Struktur bekommen. „Jeden Morgen kommt ein riesiger Lkw aus Berlin hier in Gera an, lädt tonnenweise Akten ab und auf und macht sich dann auf den Rückweg in die Hauptstadt“, erklärt die 20Jährige. „Die Akten, die wir hier bearbeiten, kommen aus dem Archiv in Berlin. Wir fordern sie an, wenn wir sie brauchen.“ Als Azubi arbeitet man dabei schon im vollen Tagesgeschäft mit und hat es mit richtigen Akten und echten Fällen zu tun. „Nur die endgültigen Rentenbescheide darf ich noch nicht allein rausschicken, das machen dann die Ausbilder.“

Heute hat Caroline als Erstes einen Antrag auf Altersrente zu bearbeiten. Dazu überprüft sie die entsprechende Akte auf Vollständigkeit. „Wir brauchen einen lückenlosen Lebenslauf, um die Rente richtig berechnen zu können. Manchmal fehlt dann zum Beispiel ein Nachweis der Studienzeit oder des Zivildienstes oder es gibt zu einzelnen Jahren gar keine Angaben. Da muss ich dann bei dem Versicherten nachfragen, mir Unterlagen schicken lassen, diese abheften und alles in ein Computerprogramm übertragen, um dort die Ansprüche ausrechnen zu lassen. Viele denken, dass das langweilig und trocken ist, aber man erfährt ja auch, was für ein Mensch hinter der jeweiligen Akte steckt, wie er gelebt und was er so gemacht hat.“


Und oft lernt Caroline sie zumindest am Telefon auch persönlich kennen. Gerade das sei sehr spannend, aber auch manchmal nicht so einfach. „Da muss man auch mal mit ungeduldigen oder aufgebrachten Menschen umgehen können.“ Man solle schon ein gewisses Einfühlungsvermögen und Kommunikationsgeschick mitbringen. „Wie man richtig reagiert, lernt man dann aber auch in der Ausbildung.“


Diese dauert insgesamt drei Jahre und ist unterteilt in Theorie, Praxis und Berufsschule. In der Theorie werden die Inhalte der verschiedenen Gesetzestexte in den Bereichen Versicherung, Rente und Rehabilitation vermittelt. „Das ist schon eine ganze Menge Theorie und am Anfang sehr abstrakt. Doch gerade das macht mir besonders viel Spaß“, sagt Caroline. „Man muss dran bleiben, aber man muss auch nicht alle Gesetze auswendig können, nur eben wissen, dass es sie gibt und was wo steht.“ Im Praxisteil lernt man dann, sie anzuwenden. Und da ist vor allem Struktur gefragt: „Manche Akten sind mehrere hundert Seiten dick, da darf nichts durcheinander kommen und muss auch für andere nachvollziehbar sein, schließlich werden sie über viele Jahrzehnte geführt und immer wieder von jemand anderem zur Hand genommen.“


Übrigens: Alles, was Caroline dabei aus den Anträgen, Akten und eingereichten Unterlagen erfährt, darf sie natürlich nicht weitererzählen. „Wir haben hier mit vertraulichen Unterlagen zu tun, der Datenschutz muss da streng eingehalten werden.“ Nur bei ihrem eigenen Lebenslauf macht sie eine Ausnahme und verrät: „Ich habe zwar noch zwei Jahre vor mir, möchte aber auf jeden Fall auch danach weiter hier arbeiten.“ (mü)