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01.11.16

Sonder- und Integrationspädagoge: Die will doch nur spielen

Spielen, das kann doch jedes Kind. Ja, okay, das stimmt schon irgendwie. Da wird dann einfach das gespielt, was gerade am meisten Spaß macht. Und wenn es keinen Spaß mehr macht, kommt das nächste Spielzeug an die Reihe. Ganz einfach. Spielen kann aber mehr sein, gezielte Förderung zum Beispiel. Und das kann dann nicht mehr jedes Kind, also zumindest nicht ohne Anleitung – und genau an dieser Stelle kommt Katrin ins Spiel – Wortspiel beabsichtigt. Sie ist Sonder- und Integrationspädagogin im Bereich Frühförderung und täglich mit einem halben Kinderzimmer im Kofferraum unterwegs zu ihren kleinen Klienten, heute zum Beispiel in Apolda zum Max.


Ausbildung, Studium, Erziehungswissenschaft, Frühförderstelle, Sonderpädagoge

Bild: Manuela Müller/WiYou.de

Wenn Katrin mit Bastelkorb und Luftballons anrückt, sieht das eher nach Vergnügen aus. „Und ich habe tatsächlich auch Spaß bei der Arbeit, aber das eigentliche Spielen ist nur ein Arbeitsbereich. Es gehört auch immer eine Vorbereitung dazu. Ich muss überlegen, welche Aktivitäten zu den Interessen des Kindes passen und wie ich diese zur Förderung umsetzen kann. Und dann gibt es auch immer eine Nachbereitung, also eine Art Auswertung, und die begleitende Dokumentation.“ Als Sonder- und Integrationspädagogin begleitet Katrin Kinder bis zum Schuleintritt, bei denen ein erhöhter Förderbedarf diagnostiziert wurde. Das sind zum Beispiel Kinder, die als Frühchen auf die Welt kamen und in der Entwicklung noch nicht so weit sind wie ihre Altersgenossen. Oder Kinder, die Probleme mit der Aufmerksamkeit und Konzentration haben. „Anders als zum Beispiel bei klassichen Therapeuten geht es bei mir nicht darum, ein Störungsbild zu behandeln, sondern um eine ressourcenorientierte Förderung. Das heißt, man setzt bei dem an, was das Kind schon kann, um spielerisch Defizite auszugleichen. 

Mit dem zweijährigen Max zum Beispiel wird heute gemalt, weil er das gern macht und es gleichzeitig die Feinmotorik und Konzentration schult. Außerdem wird nebenbei viel gesprochen, was wiederum gut für die Sprachentwicklung ist.“ Katrin guckt dabei übrigens nicht nur zu, sondern macht selbst mit. „Das ist etwas, was mir an meiner Arbeit besonders gut gefällt. Ich wollte schon immer mit Kindern arbeiten und eigentlich Lehrerin werden. Ich hab dann aber gemerkt, dass der außerschulische Bereich für mich viel spannender ist und mich während des

Studiums umentschieden.“ 

Katrin studierte Erziehungswissenschaft im Bachelorstudium und anschließend Sonder- und Integrationspädagogik im Master. „Dort ging es um kindliche Entwicklung, Entwicklungspsychologie, Entwicklungsstörungen, pädagogische Konzepte und didaktische Methoden. Im Master habe ich mich dann für den Schwerpunkt Kinder mit Lernbeeinträchtigungen entschieden. Das Studium war sehr theoretisch, deshalb habe ich zusätzlich ehrenamtlich in einer Integrativen Kindertagesstätte gearbeitet.“

Jetzt arbeitet Katrin in einer Frühförderstelle, ambulant und mobil. Das heißt, die Kinder werden zu ihr in die Förderstelle gebracht oder sie fährt zu ihnen, entweder in die Kita oder direkt nach Hause. „Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Beratung. Die Eltern sollen mit einbezogen und die Förderinhalte ins häusliche Umfeld übertragen werden. Ich zeige den Eltern, wie sie ihre Kinder unterstützen können. In erster Linie ist das Erziehungsberatung, aber auch ein bisschen Seelsorge. Ich arbeite auch mit Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen, das ist ein Punkt, an dem ich manchmal an meine Grenzen stoße, emotional und mit meinen Möglichkeiten.“

Zu Letzteren gehört auch die Kommunikation mit Ärzten und Ämtern. „Ich helfe beim Ausfüllen von Anträgen oder organisiere Termine und begleite die Familie dabei. Sehr wichtig in meinem Beruf sind dafür neben dem Fachwissen Einfühlungsvermögen und Feingefühl. Ich muss gut mit Kindern, aber auch mit Erwachsenen umgehen können, mich immer wieder neu auf meine Klienten und ihr Umfeld einstellen können und gut organisiert sein – ich habe keinen Bürojob, an dem jeder Tag gleich ist – und ich habe viel Spaß bei der Arbeit, auch wenn nicht nur gespielt wird.“ (mü)