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15.01.18

Produktionsmechaniker Textiltechnik - Nur nicht den Faden verlieren

Wenn in Afrika die traditionellen Boubous getragen werden, ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass die Stoffe, aus denen sie geschneidert werden, aus Gera kommen, oder genauer: aus der Getzner Textil Weberei GmbH. Patricia und Jonas stecken hier mitten in der Ausbildung zum Produktionsmechaniker Textiltechnik und lernen dabei unter anderem, wie die großen Webmaschinen, die aus einfachen dünnen Baumwollfäden die wunderschön gemusterten Textilstücke herstellen, eingerichtet, bedient und instandgehalten werden.


Ausbildung, Thüringen, Gera, Getzner, Textil, Weberei, Produktionsmechaniker

Bilder: Manuela Müller/WiYou.de

Patricia wurde der Beruf Produktionsmechaniker Textiltechnik in der Berufsberatung vorgeschlagen: „Er klang sehr spannend und ich bin zum Tag der Berufe hier in die Weberei gekommen. Ich war gleich fasziniert von dem, was hinter der Produktion von Stoffen steckt, die man sonst einfach so als Kleidung trägt, ohne weiter darüber nachzudenken. Nachdem ich dann noch einen Tag zum Probearbeiten hier war, stand fest, dass auch die praktischen Tätigkeiten zu mir passen.“

Jonas führte seine Internetrecherche über den Beruf Maschinen- und Anlagenführer in den Textilbereich. „Ich wusste vorher nicht, dass es diese Ausrichtung gibt, fand es aber wirklich interessant und habe mich zunächst auch nur für die zweijährige Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer Textiltechnik beworben. Das lief aber so gut, dass ich nun doch noch das dritte Jahr zum Produktionsmechaniker angeschlossen habe.“

Auch Patricia ist schon im dritten Lehrjahr. „In den ersten zwei Jahren geht es hauptsächlich darum, die Maschinen in der Weberei am Laufen zu halten. Dazu gehört, sie zu bedienen, genauso, wie sie nachzufüllen, die fertigen Stoffe abzunehmen, zu kontrollieren, ob alles fehlerfrei arbeitet, und gegebenenfalls kleinere Einstellungen selbst zu korrigieren. In den Websälen ist man dabei für eine oder mehrere Maschinen verantwortlich. Darüber hinaus wird man auch im Vorwerk eingesetzt, wo die Baumwollfäden maschinell auf die sogenannten Kettbäume gewickelt werden, sowie in der Rohwarenkontrolle und beim versandfertigen Legen der Stoffbahnen.“

Als Produktionsmechaniker erweitern sich im dritten Jahr die Aufgaben im technischen Bereich. „Man steht auch nicht mehr nur an einzelnen Maschinen, sondern überwacht die gesamte Halle und geht immer dorthin, wo man gerade gebraucht wird. Zum Beispiel um den Abschuss zu machen, wenn ein Textilstück fertig ist, und um die Maschine abzurüsten, wenn eine Kette abgelaufen ist, und wieder anzufahren für die nächste Produktion. Außerdem warten wir die Maschinen und übernehmen auch kleinere Reparaturen oder tauschen Maschinenbauteile aus.“

Zwar sind Patricia und Jonas schon direkt in der Produktion beschäftigt, aber jede neue Aufgabe wird erst einmal in der Ausbildungswerkstatt geübt. „Gerade am Anfang braucht man die Zeit und Ruhe. Mit den sehr dünnen Fäden zu arbeiten erfordert viel Geduld, das war am Anfang eine echte Herausforderung“, erzählt Patricia. Inzwischen sei das aber kein Problem mehr. Auch Jonas kommt bei Tätigkeiten wie dem Verknüpfen der bis zu 14.000 Fäden nun gut zurecht. „Zum Glück muss ich das allerdings nicht alles einzeln von Hand machen, sondern kann auch dafür Maschinen nutzen. Das Weben ist zwar ein altes Handwerk, die Maschinen und Anlagen, mit denen wir arbeiten, sind aber sehr modern. Es wird zum Beispiel nicht mehr mit den ‚Schiffchen‘ gewebt, die man von alten Webstühlen kennt. Die Fäden werden heute mit Druckluft geschossen, die Muster vorher programmiert. Das macht das Ganze noch interessanter.“

Neben der praktischen Ausbildung im Unternehmen besuchen Patricia und Jonas blockweise den Berufsschulunterricht. „Dort hatten wir am Anfang die Grundlagen zum Material und zu den Maschinen, also Textilkunde, Fasertechnik, Verarbeitungs- und Veredelungstechnik ebenso wie Elektro- und Maschinentechnik. In den ersten zwei Jahren sind das auch noch verschiedene andere Fachbereiche, so unter anderem auch noch das maschinelle Stricken. Im dritten Jahr geht es dann nur noch um das Weben, dafür kommt dann noch mehr Technik dazu, unter anderem auch technisches Zeichnen. Das ist alles zusammen schon viel, aber auch immer wieder sehr spannend und abwechslungsreich.

Zur Ausbildung gehört auch ein Grundlehrgang Metallbearbeitung. Das zeigt, wie vielfältig dieser Beruf ist, man hat mit dünnen Fäden genauso zu tun, wie mit dem Schraubenschlüssel“, erzählt Patricia. Was man vorher aber unbedingt wissen sollte: Die Arbeitsbedingungen sind nicht für jeden was. Das kann auch Jonas bestätigen: „Im Websaal ist es laut, der Boden vibriert immer ein wenig und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Man sollte vorher schon mal bei einem Praktikum ausprobieren, ob man damit zurecht kommt. Ich habe mich da sehr schnell dran gewöhnt und möchte auch nach meiner Ausbildung weiter in diesem Beruf arbeiten.“

Auch Patricia hat die Entscheidung für diese Ausbildung nicht bereut: „Im Gegenteil. Ich weiß jetzt schon, dass ich mich in diesem Bereich noch weiterbilden möchte. Da wäre zum Beispiel die Technikerschule möglich. Ich finde es einfach ungeheuer spannend, wie das alles hier funktioniert. Selbst die Fehler sind interessant, weil man unbedingt rauskriegen möchte, warum da nun plötzlich Schlaufen abstehen oder das Muster nicht stimmt.“ (mü)