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08.09.17

Pharmakant - Ausbildung im Reinraum

Denise (19) wollte ursprünglich Kindergärtnerin werden, entschied sich nach einem Praktikum in diesem Beruf aber dagegen. Da sie sich schon immer auch sehr für Naturwissenschaften interessierte, war eine Alternative schnell gefunden: Chemielaborantin. Darauf bewarb sie sich bei Ever Pharma in Jena. „Leider waren die Ausbildungsstellen dafür aber schon vergeben. Man schlug mir vor, mich stattdessen als Pharmakantin bei Ever Pharma zu bewerben. Diesen Beruf kannte ich bis dahin gar nicht. Wie sich nach der Recherche heraustellte, passt er aber sogar noch besser zu mir. Denn hier arbeite ich nicht nur im chemischen Bereich, sondern auch handwerklich.“


Ausbildung, Thüringen, Pharmakant, Jena, Ever Pharma

Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Die Ausbildung zur Pharmakantin findet dual, also in einem Unternehmen und in der Berufsschule statt. Sie dauert eigentlich dreieinhalb Jahre, Denise konnte aber um das letzte halbe Jahr verkürzen und wurde dieses Jahr im Juni fertig. „Die Arbeitsbereiche der Pharmakanten hängen vom Unternehmen ab, in dem man arbeitet. Wir stellen hier Infusions- und Injektionslösungen sowie Implantate her. Das sind Sterilprodukte, die unter strengen Reinheitsvorschriften produziert werden, in sogenannten Reinraumklassen.“ Aber auch das Herstellen von Tabletten, Cremeprodukten oder Erosolen sind Aufgaben dieses Berufsbildes. Deshalb startet die Ausbildung mit einem überbetrieblichen Grundlehrgang, der alle Bereiche abdeckt. Für Denise ging es dafür und für den Berufsschulunterricht nach Dresden. „Wichtig ist, dass man sich wirklich für Naturwissenschaften interessiert. Auf dem Lehrplan stehen außer Chemie nämlich auch Mikrobiologie, Arzneistoffe, Fachenglisch und Mathe.“

Im Unternehmen selbst lernte Denise alle Stationen der Produktion kennen, auch die, die nicht zu den Einsatzbereichen der Pharmakanten gehören. „Wie der Wareneingang zum Beispiel. Dort kommen die Ausgangsstoffe, wie etwa Natriumchlorid, an und werden geprüft. Dann geht es in die Spülung, wo Ampullen gereinigt und sterilisiert werden und man das erste Mal mit Maschinen zu tun hat, und dann in die eigentlichen Arbeitsbereiche: die Herstellung der Arzneimittel und Implantate. Danach ist man noch in der Verpackung, damit man den gesamten Produktionsprozess mitgemacht hat.“

Jetzt, nach ihrer Übernahme, kommt Denise wieder in die Herstellung der Hormone und Nichthormone. „Da gibt es den Ansatz, wo die einzelnen Ausgangsstoffe abgewogen und gemischt werden. Außerdem muss man die Maschinen und Geräte vorbereiten. Dabei wird noch viel mit den Händen gearbeitet, das Mischen der Arzneistoffe läuft aber maschinell. In der Abfüllung werden die Stoffe in die Ampullen transferiert. Da geht es eher um das Einstellen der Maschinen und das Überwachen der Prozesse und die Kontrolle der Ampullen. Diese Mischung gefällt mir sehr, weil man eben nicht nur in einem Bereich gefordert ist.“

Dass sie dabei immer steril arbeiten muss, ist ein weiterer Aspekt, der sie fasziniert. „Damit klarzukommen ist aber auch nicht was für jeden. Ich muss mich bei Dienstbeginn ausziehen, waschen, desinfizieren und dann Schutzkleidung anziehen, und zwar doppelt. Also zwei Anzüge, zwei Hauben, zweimal Handschuhe. Und für jede Pause muss man durch die Schleuse raus und sich danach wieder neu anziehen, das dauert gerade am Anfang gut eine halbe Stunde. Außerdem sollte man wissen, dass das hier keine Laborarbeit ist, man ist immer auf den Beinen und muss auch mal einen zehn Kilo schweren Eimer tragen können.“ Denise hat verschiedene Möglichkeiten, sich noch weiter zu qualifizieren. Sie könnte in Vollzeit oder berufsbegleitend die Meisterschule absolvieren oder studieren. Da kommen neben Pharmazie auch pharmazeutische Verfahrenstechnik und pharmazeutische Chemie in Frage. "Das würde ich vielleicht später noch machen. Aber dann wäre ich weniger in der Praxis eingesetzt und da mir gerade das so viel Spaß macht, möchte ich erstmal hier in der Produktion bleiben.“ (mü)