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04.07.18

Pflanzentechnologe- Pflanzen und Technologie?

Wie passt das denn zusammen? Pflanzen wachsen doch auch ohne Wissenschaft. Ja, natürlich! Aber: Pflanzentechnologen sorgen dafür, dass sie das so gut wie möglich tun. Sie erforschen die Bedürfnisse der Pflanzen und die optimalen Wachstumsbedingungen. Und sie – jetzt wird’s richtig spannend –arbeiten mit der DNA der Pflanzen. Nicht nur, um sie zu analysieren, sondern auch, um sie zu verändern und die Pflanzen so zum Beispiel gegen Krankheitserreger resistent zu machen oder dafür zu sorgen, dass die grünen Kerlchen auch bei tieferen Minusgraden nicht eingehen.


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Foto: Manuela Müller

Aufgaben: Pflanzentechnologen entwickeln und züchten Energie­, Nahrungs­- oder Zierpflanzen. Dazu führen sie Versuche durch, werten diese aus und pflegen die Kulturen. Sie arbeiten in Gewächshäusern ebenso wie in Laboren oder auf dem Feld.

Dauer: 3 Jahre

Voraussetzungen: Interesse an Biologie, technisches Verständnis, Fingerspitzengefühl und eine gute Portion Neugier sind gute Voraussetzungen. Außerdem ist ein sorgfältiges und genaues arbeiten wichtig. Pollenallergien hingegen können ein Ausschlusskriterium sein.

Chancen: Für den noch jungen Beruf sind verschiedene Aufstiegsqualifizierungen im Aufbau, wie die Meisterschule und ein Studium.

 

Der Beruf Pflanzentechnologe wurde selbst erst 2013 ausgesät und ist damit noch eine echte Jungpflanze. Allerdings nicht ohne Wurzeln, die gehen zurück auf den landwirtschaftlich ­technischen Assistenten, der eine Laborfachkraft im Bereich Landwirtschaft, Umwelt, Biotechnologie, Tier-­ und Pflanzenzucht oder Lebensmittelanalyse ist. Beim Pflanzentechnologen geht’s auch tatsächlich um die Pflanzen. Um welche genau, das hängt von dem Unternehmen ab, in dem der Beruf angeboten und ausgebildet wird.Sofia hatte nach dem Fach­Abi noch keine Vorstellung von dem, was beruflich zu ihr passen könnte. „Ich habe deshalb erstmal ein freiwilliges ökologisches Jahr gemacht. Diese Zeit hat meine Begeist ­erung für Pflanzen geweckt. Auf der Suche nach einen Beruf in dem Bereich bin ich dann auf Pflanzentechnologe gekommen. Das klang sehr spannend.“

Sofia hat ihre Ausbildung beim Leibniz­Institut für Gemüse­ und Zierpflanzenbau in Erfurt gemacht. Als Pflanzentechnologin ist sie hier eine Art Assistenz der Züchter. „Ich arbeite im Analyselabor, im In­Vitro­Labor und im Gewächshaus. Es gibt aber viele verschiedene Einsatzgebiete. Wir haben hier im Forschungsinstitut eine spezielle Ausrichtung auf pflanzenwissenschaftliche Grundlagenforschung mit Blick auf Anwendungsmöglichkeiten bei Gemüse-­ und Zierpflanzen und bei der Nutzung pflanzlicher Biodiversität – mit einem starken Praxisbezug. Wenn zum Beispiel ein Züchter wissen möchte, warum seine Pflanzen nicht samen, kommt er zu uns. Wir untersuchen die Pflanzen und stellen dann fest, woran es liegt und was man dagegen tun kann. Gerade haben wir ein Projekt abgeschlossen, bei dem es darum ging, Basilikum gegen einen Krankheitserreger resistent zu machen. Wir wussten, dass es einen wilden Basilikum gibt, der eine Resistenz oder eine Toleranz besitzt. Die Aufgabe war also, diese in den Basilikum vom Züchter einzukreuzen.“

Zu Sofias Arbeit gehören klassische Gärtnereiaufgaben wie Pikieren, Topfen, Aussäen, Pflanzenpflege und Erden mischen genauso wie die Laborarbeit, wie zum Beispiel das Isolieren der Pflanzen­DNA, das Analysieren und auch das Verändern der Erbanlagen. Sie arbeitet mit viel Fingerspitzengefühl beim Bestäuben der Blüten, aber auch mit technischer Unterstützung – beispielsweise mit dem Flowcytometer zur Zellanalyse und bei der Stickstoffanalyse von Pflanzen und Bodenproben. Ein wichtiger Teil ist dabei immer die Do kumentation. „Ich darf nicht einfach drauflosarbeiten, sondern muss immer vorher einen Plan erstellen. Jeder Versuch wird dann detailliert aufgeschrieben und ausgewertet. Wann habe ich was gemacht? Was kam dabei raus? Selbst die Menge des Gießwassers wird ganz genau notiert. Was das ganze so wahnsinnig spannend macht, ist, dass man trotzdem nie sicher sagen kann, wie die Pflanzen sich entwickeln. Man weiß vorher nicht, welche Eltern was vererben. Und auch Genanomalien wirken sich immer wieder anders aus. Die Pflanzen wachsen zum Beispiel größer, sind robuster oder auch schief mit verschiedenen Blüten. Das fasziniert mich immer wieder.“

Sofias Ausbildung dauerte drei Jahre. In dieser Zeit lernte sie die verschiedenen Arbeitsbereiche im IGZ kennen. „Anfangs habe ich mehr zugeschaut. Dann bekam ich kleinere Aufgaben und bin nach und nach in die Projekte reingewachsen. Im Labor sind die Aufgaben schon spezieller als zum Beispiel im Gewächshaus, denn da wird auch unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen gearbeitet. Zum einen, um die Pflanzen zu schützen, statt Erde gibt es hier dann eine Nährlösung, damit keine Krankheitserreger eingeschleppt werden. Zum anderen muss man sich aber auch selbst schützen, um keine Pilzsporen einzuatmen beispielsweise. Auch werden die Pflanzenabfälle nicht einfach in den Müll geworfen, sondern fachmännisch entsorgt.“

Der theoretische Teil der Ausbildung fand in der Berufsschule in Einbeck in Niedersachsen statt. Anders, als man vielleicht vermuten würde, steht gar nicht so die Chemie im Vordergrund. „Die gehört zwar auch dazu, den Großteil macht die Pflanzenkunde aus.“ Für diesen Beruf solle man auf jeden Fall Interesse für Biologie und Pflanzen mitbringen. Außerdem sollte man körperlich fit sein. Man steht viel, im Gewächshaus ist es sehr warm und wenn man draußen arbeitet, steht man auch mal im Regen. Auch sollte man keine Angst haben, sich mal die Hände schmutzig zu machen, andererseits im Labor aber sehr auf Sauberkeit achten. Und man braucht viel Geduld. Die Projekte hier laufen über Monate und Jahre, man sieht nicht gleich Ergebnisse und wenn dann auch oft nur im Kleinen. Für mich ist es aber nach wie vor spannend. Man sieht, was in der Pflanze passiert, wie sie reagiert und sich entwickelt. Da kommen manchmal fast Muttergefühle auf.“ Ein bisschen schade findet Sofia, dass dieser Beruf immer noch sehr landwirtschaftlich geprägt ist. „Das ist für einen Zierpflanzenmenschen wie mich etwas schwierig. Aber da wird sich in Zukunft sicher noch was tun.“ Auch für ihre eigene Zukunft hat Sofia schon Pläne. „Ich möchte unbedingt in diesem Bereich bleiben, könnte mir vorstellen, die Meisterschule zu absolvieren – die wird gerade eingeführt – oder berufsbegleitend noch zu studieren.“ (mü)