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01.04.13

Pferdewirt - In die Ställe, pferdig, los

Pferdewirt auf dem Haflingergestüt in Meura: Morgens kitzelt dich die Sonne wach, du frühstückst gemütlich und gehst dann erstmal in den Stall, um nach deinem Lieblingsfohlen zu sehen. Dann wird gefüttert, gestreichelt und gekuschelt bis zum Mittag. Später zum Kaffee schnappst du dir eine Picknickdecke und machst dich auf zur Koppel, wo du den Pferden einfach nur zusiehst, bevor du ganz romantisch in den Sonnenuntergang reitest. Was für ein toller Beruf. Traumhaft. Und dann klingelt der Wecker.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Für die 19jährige Torie, die während ihrer Ausbildung zur Pferdewirtin in Meura direkt auf dem Hof des Gestüts wohnt, beginnt die Arbeit schon, bevor die Sonne überhaupt zu erahnen ist: „Wir fangen im Winter immer viertel acht an, im Sommer dann schon dreiviertel sieben – und vor allem auch nicht mit ausgedehntem Frühstück. „Wenn, wie jetzt, die Stuten abfohlen, also ihren Nachwuchs auf die Welt bringen, müssen wir dort erstmal nach dem Rechten sehen.“ Dann werden die Futterkrippen geleert und gereinigt, die Stuten bekommen ihr Kraftfutter und es geht weiter durch alle Ställe: Ausmisten, Füttern, Heu und Stroh verteilen, Wasser auffüllen und schließlich gibt es auch für die Pferdewirte eine stärkende Frühstückspause. Danach wird weiter ausgemistet oder die Arbeit auf den Koppeln vorbereitet. „Wir haben hier über 260 Pferde, die brauchen natürlich viel Platz. Und da reicht es nicht, die Tiere einfach auf eine Wiese zu stellen. Ein Teil unserer Koppeln liegt mehrere Kilometer entfernt.“ Auch da müssen die Tränken immer gefüllt und vor allem die Zäune intakt sein. Das sei auch eine richtig schwere Arbeit, etwa wenn Torie Zaunpfähle über die naturbelassenen, unebenen Koppeln tragen muss.


„Pferdewirt ist vielleicht ein typischer Mädchenberuf, aber viele haben da eine falsche Vorstellung. Hier wird nicht nur ausgeritten. Man arbeitet nicht nur mit den Pferden, sondern sehr viel für die Pferde, und das sind eben nicht immer die Lieblingstätigkeiten. Man steht auch mal im Dreck, spannt kilometerlange Drahtzäune, putzt unzählige Sättel oder bringt bergeweise Stroh von einem Stall in den anderen. Das sollte man wissen, bevor man sich auf diesen Beruf einlässt.“ Andererseits hat er natürlich auch genau die Sachen zu bieten, die echten Pferdefans die Herzen höher schlagen lassen. Für Torie ist das zum Beispiel die Arbeit mit den Fohlen. „Man sorgt vor allem dafür, dass sie alles haben, was sie brauchen und dann wird natürlich schon auch mal gekuschelt und gespielt. So gewöhnen wir sie auch gleich an den Umgang mit Menschen und klären die Rangordnung. Das ist wichtig für eine artgerechte Haltung im Herdenverband. Die ausgewachsenen Tiere sind bis zu 500 Kilogramm schwer und sollten wissen, dass wir keine Artgenossen sind, die sie rumschubsen dürfen.“


Torie ist jetzt schon seit fast drei Jahren hier in Meura und hat nicht nur viele Pferdegeburten miterlebt, sondern die Fohlen auch aufwachsen sehen. „Das ist mit das Schönste für mich. Man begleitet sie vom unbeholfenen Fohlen, das gleich nach der Geburt seine ersten Schritte macht, bis zum fertig ausgebildeten Pferd, auf dem andere Reiten lernen oder das bei Turnieren mitläuft. Wenn man Pferde liebt, gibt es nichts Besseres.“


Wie bei jeder dualen Ausbildung, gibt es auch für die Pferdewirtazubis einen Theorieteil. Dazu geht es in die Berufsschule nach Rudolstadt. „Dort lernen wir dann alles über das Pferd, seine Bedürfnisse, Haltung, Ernährung, Krankheiten und die Ausbildung. Außerdem fahren wir für zwei Wochen zur überbetrieblichen Ausbildung nach Moritzburg und bekommen dann noch einmal Intensivkurse und zum Beispiel Reitunterricht. Denn das sollte man als Pferdewirt natürlich können – außerdem macht es sehr viel Spaß.“ Für Torie stehen in Kürze die Abschlussprüfungen an. „Ich möchte nach meiner Ausbildung gern weiter hier arbeiten und auf jeden Fall dem Beruf treu bleiben.“ (mü)