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15.09.20

Passt genau

Die Wahl des passenden Ausbildungsplatzes stellt viele Schülerinnen und Schüler vor große Herausforderungen. Welcher Beruf passt zu mir? In welchem Unternehmen kann ich ihn am besten erlernen? Worauf muss ich mich einstellen? Das herauszufinden ist oftmals gar nicht so einfach.


Foto: Robert Kneschke - stock.adobe.com

Aber auch Unternehmen stehen oft vor schweren Entscheidungen, wer zu ihnen passt. In Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels sind junge und motivierte Mitarbeitende wertvoller denn je. Auf sie wird es in der Zukunft ankommen.

Das bundesweite Projekt der „Passgenauen Besetzung“ will Jugendliche und auch Unternehmen daher gezielt zusammenbringen. 160 Berater sind dafür in ganz Deutschland unterwegs. Sie sitzen bei den Industrie- und Handelskammern. Julia Klimkeit ist von Erfurt aus für das Projekt zuständig. Wöchentlich berät sie Jugendliche bei der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz und stellt den Unternehmen passende Bewerber vor. „Die erste Frage, die wir uns stellen: Welche Fähigkeiten, Wünsche und Ziele stehen hinter einer Person?“, erzählt Julia Klimkeit. Wenn diese Frage – und das ist oft ein längerer Prozess – dann beantwortet werden kann, dann steht einem direkten Bewerbungsprozess oft nichts mehr im Wege.

Doch bis dahin führt Julia Klimkeit mit den künftigen Azubis einige Gespräche, lässt diese selbst nach möglichen Ausbildungen recherchieren und analysiert gemeinsam mit ihnen die individuellen Stärken und Schwächen. Am besten sei es, erzählt Julia Klimkeit, wenn Jugendliche von sich aus auf sie zukämen. Quasi aus eigenem Interesse. Dafür ist sie mit ihrem Team schon jetzt in Schulen unterwegs, steht auf Messen und Workshops als Ansprechpartnerin bereit und kommt hier in Kontakt. Dieser Kontakt sollte ein Jahr vor dem angestrebten Abschluss aufgebaut werden, damit genügend Zeit für die vorbereitenden Prozesse bleibt: „Besonders gut ist es dann, wenn die Jugendlichen zum ersten persönlichen Gespräch auch schon ihre Bewerbungsunterlagen mitbringen. Dann können wir da gemeinsam reinschauen und uns über die Möglichkeiten austauschen.“

Mit dem für Jugendliche und Unternehmen kostenlosen Angebot versucht die Industrie- und Handelskammer, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und jungen Menschen zugleich eine zuverlässige Perspektive aufzuzeigen. Dass es nicht immer ganz genau der Wunschberuf sein kann, das ist klar. Dennoch gehe es darum, dass die Richtung stimme, meint Klimkeit. Denn während manche Ausbildungsberufe gar nicht genügend Nachwuchs finden können, sind andere – sie scheinen vielleicht etwas exotischer – viel stärker nachgefragt, als die Ausbildungsplätze es hergeben. Tierpfleger oder Pferdewirte gibt es in Thüringen nur sehr wenige. Umso wichtiger ist es, dass Julia Klimkeit und ihr Team ganz genau wissen, welcher Beruf ein ganz ähnlicher ist und sich alternativ anbieten würde: „So schaffen wir es, Azubis und Ausbildungsstellen passgenau zusammenzubringen.“ (ppb)