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04.12.17

Papiertechnologe - Ganz schön vielschichtig

Zeitung in kleine Stücke reißen, in Wasser auflösen, dieses Wasser-Papier-Gemisch auf ein Sieb geben, das Wasser rauspressen, trocknen lassen und sich über ein selbsthergestelltes Stück Papier freuen – das kennen viele noch vom Basteln aus der Kindheit. Genau nach diesem Prinzip wird in der Kartonfabrik Porstendorf Karton hergestellt, nur in viel viel vieeeel größerer Dimension: Über 40.000 Tonnen Altpapier werden hier jedes Jahr verarbeitet. Und hier wird auch nicht mehr von Hand gerührt und gepresst, sondern mithilfe einer riesigen Maschinenanlage, die von Papiertechnologen wie René bedient wird. Die fertigen Kartons werden dann zum Beispiel zum Stapeln von PET-Flaschen und Konservendosen verwendet.


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Bild: Manuela Müller/WiYou.de

René arbeitete schon ein Jahr lang in der Kartonfabrik, als er beschloss, sich noch einmal neu ins Ausbildungsleben zu stürzen, ursprünglich hatte er einen Metallberuf gelernt. „Den Beruf Papiertechnologe habe ich erst hier bei der Arbeit im Unternehmen kennengelernt. Ich habe gesehen, wie wahnsinnig vielschichtig das ist. Neben der ganzen Papiertechnologie, die schon sehr umfassend ist, gehört auch noch was vom Elektroniker dazu, genauso wie was vom Schlosser, und vom Drucker. Dieses Zusammenspiel ist so interessant, das wollte ich auch machen. Deshalb habe ich nochmal von vorn angefangen.“

Die Ausbildung zum Papiertechnologen dauert drei Jahre. „In dieser Zeit lernt man die verschiedenen Stationen in der Produktion kennen. Bei uns hier geht es allerdings am Ende der Herstellung los, nämlich dort, wo der Rohkarton geschnitten wird, gestanzt und auf Paletten verpackt wird. Hier kriegt man erstmal ein Gefühl dafür, was genau das für ein Werkstoff ist, welchen Unterschied es macht, ob er dreischichtig oder siebenschichtig ist und wie man mit ihm umgehen muss.“

Die Produktion selbst startet mit der Anlieferung des Altpapiers. Bis zu acht LKW-Ladungen kommen täglich in Porstendorf an. Ob Zeitungen, Kataloge, Kartons oder geschredderte Akten – Altpapier ist aber nicht gleich Altpapier – als Papiertechnologe ist man hier schon in der Qualitätskontrolle gefragt. Zuviel Zeit lassen darf sich Rene dabei aber nicht, denn da die Maschinen rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche laufen, darf der Nachschub nicht ins Stocken geraten. Vom Freiluftlager aus wird das Papier mit dem Förderband in die Halle gefahren, wo es an der ersten Station in einen großen Trichter, den Pulper, fällt und in warmen Wasser aufgelöst wird. Fremdkörper wie Folienteile, Heftklammern oder Schmutzteilchen werden ausgewaschen und es entsteht ein Papierfaserbrei. Der darf nicht zu flüssig, aber auch nicht zu zäh sein, deshalb muss René die Einstellungen der Anlagen im Auge behalten. Der Faserbrei wird über ein Rohrsystem in einem Tank geleitet und von hier aus der eigentlichen Produktionsstrecke zugeführt. „In der sogenannten Nasspartie wird er erstmal auf Rundsiebe gespritzt. So entsteht eine Endlosschlange aus Rohkarton. Je nachdem, wie dick der Karton am Ende werden soll, kommen bis zu sieben Siebe zum Einsatz. Die verschiedenen Lagen werden vergautscht, also zusammengepresst, und fahren zum Trocknen über Walzen durch die Trockenpartie. Je nach Kundenwunsch kann der Karton auch eingefärbt, imprägniert oder bedruckt werden.“

Als Papiertechnologe ist René an allen Produktionsschritten beteiligt. „Wir haben hier eine Anlage, die zum Teil schon über 70 Jahre alt ist – andere Bauteile kamen erst in den letzten Jahren hinzu. Das heißt, ich muss mich mit älteren Maschinen ebenso auskennen, sie bedienen und einrichten können, wie ich auch mit modernster Computersteuerung zurechtkommen muss. Ich habe dabei keinen festen Arbeitsplatz, sondern bin mal direkt an der Maschine, an den Steuerpulten oder sitze vor dem Computer, wo sämtliche Arbeitsprozesse überwacht werden. Hier kann man zum Beispiel genau sehen, wieviel Wasser im Tank ist oder wie hoch die Temperatur im Ofen und wenn etwas nicht stimmt, die Einstellungen ändern. Als Azubi lernt man auch noch die Arbeit der Qualitätskontrolle im Labor kennen. Da wird man aber später nicht mehr eingesetzt. Ich muss die Proben zwar noch entnehmen, aber nicht mehr selbst auswerten.“

Die theoretische Ausbildung der Papiertechnologen findet in der Papiermacherschule in Altenburg statt. So umfangreich wie die Praxis ist, ist dann auch der Unterricht hier. „Mathe, Physik und Chemie sind sehr wichtig. Man lernt die Prozesse der Papiererzeugung und -verarbeitung kennen. Dazu gehört zum Beispiel auch der gesamte Wasserkreislauf, Mess- und Regeltechnik, Pneumatik ebenso wie Papierveredelung und verschiedene Drucktechniken. Das ist wirklich ganz schön viel. Ich musste mich schon auch nach der Schule noch hinsetzen und lernen. Aber ich wollte ja auch mehr Abwechslung und finde es nach wie vor unheimlich spannend.“ (mü)