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10.02.14

Operationstechnischer Assistent - OP ruft Doktor, Doktor ruft OTA

Wenn Kristin „am Tisch“ steht, dann hat sie zwar auch Besteck in der Hand, aber ans Essen denkt sie dabei nicht. Im Gegenteil, was sie dort serviert bekommt, ist eher schwere Kost, vor allem für die, die einen empfindlichen Magen haben. Kristin ist Operationstechnische Assistentin und steht als rechte Hand des Operateurs in der ersten Reihe, wenn dieser sich mit Skalpell und Co in tiefere Schichten wagt.


Foto: Waldkrankenhaus Eisenberg

„Irgendwas im Bereich Gesundheit“ – die Vorstellung, die Kristin von ihrer beruflichen Zukunft hatte, waren noch nicht sehr präzise, als sie auf Ausbildungsplatzsuche einen Berufsinfomarkt besuchte. „Operationstechnische Assistentin kannte ich bis dahin noch gar nicht, aber es schien das Richtige zu sein. Ich habe mich ausführlicher informiert und schließlich auch dafür beworben“, sagt sie rückblickend.
Als OTA wird man speziell für die Arbeit im OP ausgebildet. Allerdings steht man als Azubi nicht sofort im OP. In den ersten Monaten ist man nur in der Schule. Dort geht es vor allem um die Operationslehre, Anatomie, Gesundheitslehre, Hygiene und Erste Hilfe. „Man muss zwar einiges lernen, aber mir ist es nicht schwer gefallen“, findet Kristin. „Ich selbst hatte nur mit den vielen lateinischen Begriffen der Anatomie anfangs ein paar Probleme, aber da fuchst man sich mit der Zeit rein.“ Der erste Praxiseinsatz steht dann nach einem halben Jahr an. Da geht es zunächst darum, sich einen Überblick zu verschaffen und die Abläufe kennenzulernen. Das erste Mal richtig mit am Tisch bei einer laufenden OP stand Kristin im zweiten Lehrjahr. „Es war eine Schilddrüsen-OP, das scheint zwar nicht so spektakulär, aber wenn ein Mensch da so vor einem liegt und aufgeschnitten wird, ist das schon ein komisches Gefühl.“ Sie habe sich aber schnell daran gewöhnt und die Ausbildungszeit erfolgreich gemeistert.
Im Anschluss daran bekam Kristin eine Stelle im Waldkrankenhaus Eisenberg. „Eine der Hauptaufgaben hier ist jetzt, die Operationen zu betreuen und zu dokumentieren. Morgens, noch bevor ein Arzt den OP-Saal betritt, lege ich unter anderem die Instrumente bereit. Unser Schwerpunkt hier liegt auf Orthopädie und Unfallchirurgie, deswegen kommen zum Beispiel auch Hammer, Meißel und Säge zum Einsatz. Das klingt merkwürdig, aber gehört eben genauso dazu wie Implantate und Prothesen.“ Auch die bereitet Kristin vor. „Während der Operation warte ich dann auf die Anweisungen des Operateurs und reiche ihm das, was er benötigt.“ Mit dem Patienten selbst kommt sie dabei kaum in Berührung. „Wenn er zu uns in den Saal gefahren wird, liegt er meist schon in Narkose, und bevor er wieder richtig wach wird, ist er schon im Aufwachraum.“ In der Regel sind es für Kristin und ihre Kollegen vier OPs pro Schicht. „Wie lang jede einzelne dauert, hängt natürlich vom jeweiligen Fall ab. Das Einsetzen einer Hüftprothese zum Beispiel dauert ungefähr eineinhalb Stunden, bei Komplikationen auch länger. Das ist auch körperlich anstrengend, schließlich kann ich mich nicht mittendrin einfach mal hinsetzen. Und man muss auch immer bei der Sache sein und konzentriert arbeiten, auch mal in der Nacht. Aber das ist zum Glück nicht so oft. Wir arbeiten hier eigentlich nur in Früh- und Spätschichten.“ Statt einer regulären Nachtschicht hat Kristin regelmäßig Rufbereitschaft. Das heißt, sie darf zwar nach Hause gehen, muss aber im Notfall innerhalb von 30 Minuten wieder arbeitsbereit im Krankenhaus sein. „Das stört mich aber alles nicht. Natürlich kann es auch mal stressig werden, speziell wenn man viel hin und her laufen muss, oder ein Notfall zu versorgen ist. Da ist es dann wichtig, gut zusammenzuarbeiten.
Ich bin hier gut in das Team hineingewachsen und fühle mich so wohl, dass ich das auf jeden Fall noch eine Weile machen möchte. Ob ich später noch eine Weiterbildung mache oder studiere, weiß ich noch nicht, Möglichkeiten gibt es einige.“ (mü)