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13.04.15

Modedesigner - Mode made in Jena

Damals: Shoppingtour in Jena. Teenie Jeannette schlendert durch die Einkaufsmeilen der Jenaer Innenstadt, kommt aber mit leeren Taschen nach Hause. „Alles, was ich gern gehabt hätte, gab es hier nicht. Und das, was es gab, gefiel mir nicht.“ Heute, fast 15 Jahre später: Modedesignerin Jeannette Schlenzig hat ein eigenes Modelabel, mit dem sie ihre ausgefallenen Kreationen weit über die Ostthüringer Grenzen hinaus verkauft. Dabei war es eigentlich nie ihr Plan, mal eine „Karla Lagerfeld“ zu werden.


Ausbildung Thüringen Modedesigner Jeannette Schlenzig Loliya

Fotos: Manuela Müller, Ralph Huonker

Jeannette fand sich erstmal damit ab, für ihren vom Manga­-Stil inspirierten Geschmack keine passenden Sachen zu finden. „Statt ‚oh, dann möchte ich das selbst machen‘ dachte ich ‚Schade, aber dann halt nicht‘ und lief weiter in Jeans und T-­Shirt rum.“ Zeichnen und Schreiben hatten die 13­-Jährige damals mehr interessiert als Modedesign. „Ich habe außerdem viel am Computer gemacht, Websites gebaut und ein kleines Fan-­Magazin veröffentlicht.“

Zur Mode kam sie dann eher zufällig, als es um die Wahl einer passenden Ausbildung ging. „Ich habe mich querbeet bei allem beworben, was mit Kreativität zu tun hatte. Unter anderem auch an der Schule für Mode und Design, die damals noch in Halle war, inzwischen aber nach Magdeburg umgezogen ist.“ Die Schule bot zwei Richtungen an: Mediengestaltung und Mode. Jeannette entschied sich für Mode. „Ich dachte, Design kann ich schon ein bisschen, ich möchte was Neues lernen. Nähen konnte ich bis dahin gar nicht und auch mit Schnittkonstruktionen hatte ich noch gar keine Erfahrungen.“

Während der dreijährigen Ausbildung, die eine handwerkliche Schneiderlehre einschloss, standen dazu neben Unterricht in Entwurf, Kollektion und Produktion auch Dinge wie Fotografie und Pressearbeit auf dem Stundenplan. „Ich habe so auch gelernt, wie man eine Modenschau organisiert, die passenden Models findet, ein Licht­ und Soundkonzept erstellt. Damit hatte ich anfangs nicht gerechnet, aber es war eigentlich genau das, wonach ich die ganze Zeit gesucht hatte. Ich konnte nicht nur in vielen verschiedenen Bereichen kreativ arbeiten, sondern auch Organisieren, auch das ist etwas, was mir sehr liegt und Spaß macht. Ich hatte hier mein Komplettpaket gefunden.“

Im Laufe der Zeit hat sich dann auch schließlich die naheliegende Idee entwickelt, dass sich Jeannette die Mode, die sie gern tragen würde, auch selbst entwerfen und nähen konnte. „Wohin genau es nach meiner Ausbildung gehen sollte, stand da aber noch nicht fest. Der Wunsch nach einem eigenen Laden wuchs erst während der Ausbildung. Letztere endete nach einem sechsmonatigen Praktikum, das Jeannette in einem Atelier in Erfurt absolvierte, und mit einer Abschlusskollektion. „Das war bei mir damals eine Abendkleiderkollektion für die Fashion Week in Berlin.“ Nur eine Woche nach dem Abschluss feierte Jeannette dann allerdings schon die Ladeneröffnung. „Aus heutiger Sicht hätte ich mir vielleicht ein bisschen mehr Zeit lassen sollen, aber damals war es genau das, was ich wollte.“ 

Und auch wenn am Ende alles schnell ging, war es lange im Voraus geplant. Ihr eigenes Label Loyila etwa trug Jeannette über ein Dreivierteljahr im Kopf herum. „Ich wollte mir wirklich sicher damit sein, dass es mir auch über längere Zeit gefällt. Eine tiefere Bedeutung steckt übrigens nicht dahinter. Es klang einfach gut. Dass es ähnlich wie Lolita klingt, dem Modestil, dem sich Jeannette heute widmet, „war damals auch nicht geplant, passt aber natürlich sehr gut“.

Nicht ganz so gut hingegen lief es für die Nachwuchsdesignerin dann mit dem Geschäft. „Ich wollte keine Änderungsschneiderin sein. Mir ging es um Individualität. Ich hatte meine Arbeit für diesen Aufwand, den Einzelanfertigungen bedeuten, preisgünstig angeboten, aber hier vor Ort hat es nicht die Leute gefunden, die ich als Kunden im Blick hatte. Mir war von Anfang an bewusst, dass sowas auch nicht von heute auf morgen super läuft. Drei bis fünf Jahre dauert es in der Regel in meiner Branche, bis man davon leben kann. Aber es hat sich gezeigt, dass ich von der Anfangsidee abweichen muss. Ich habe geguckt, was ich anders machen könnte, neue Konzepte entwickelt und zum Beispiel auch Nähkurse angeboten. „Man muss immer wieder neue Ideen entwickeln und daran feilen und es als längeren Prozess sehen.“ Da Jeannette nicht alles allein machen, also nicht gleichzeitig nähen und Kunden betreuen konnte, musste sie zudem Personal einstellen. „Die laufenden Kosten waren einfach sehr hoch und mit den Einnahmen nicht zu decken.“

Nach einem Dreivierteljahr traf sie die nicht ganz so einfache Entscheidung, ohne den Laden weiterzumachen. „Das kam mir erst einmal wie ein Rückschritt vor. Es hat eine Weile gedauert, bis ich eingesehen habe, dass ich den Laden gar nicht brauche. Ich hatte schon seit einiger Zeit Aufträge über das Internet abgewickelt und arbeite jetzt von Zuhause aus, fahre zu den Kunden hin oder kommuniziere per Mail. Das funktioniert soweit ganz gut, wobei ich für die Zukunft schon auf der Suche nach einem Atelier bin, wo ich mehr Platz zum Nähen habe, meine Sachen präsentieren und Kunden empfangen kann.“ 

Rückblickend findet Jeannette, dass der Weg so nicht geplant, aber dennoch für sie so der richtige war. „Ich mache das, was ich gern mache, beruflich und ich habe gelernt, dass Kreativität nicht nur das offensichtlich kreative Arbeiten ist, sondern eben auch darin besteht, Lösungen für Probleme zu finden. Heute habe ich mehrere kleine Standbeine, die jedes für sich ausbaufähig sind und sich gegenseitig ergänzen, wie zum Beispiel eine Modellagentur und Modekurse. Wichtig ist, nicht aufzugeben, wenn etwas nicht klappt, sich aber auch nicht verzweifelt an eine Idee zu klammern, sondern zu gucken, wie es auf einem anderen Weg weitergehen kann.“ (mü)