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12.12.18

Fachkraft für Lagerlogistik Mission: Kommissionieren!

Wenn die Thüringer Schüler ihre neuen Mathebücher auspacken, kann es gut sein, dass auch Julia die schon mal in den Händen hatte. Denn die 21‐Jährige macht eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik beim Medienlogistiker KNV Logistik in Erfurt. Und genau von hier aus werden unter anderem Schulbücher verschickt. Julia hat WiYou.de mal mit zwischen die Regale genommen und erklärt, wie sie und ihre rund 1.000 Kollegen dafür sorgen, dass jeder Kunde auch immer genau das bekommt, was er bestellt – egal ob palettenweise neue Schmöker für die Buchhändler oder einzelne Bücher für private Empfänger.


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Fotos: Manuela Müller

Es gibt so viele verschiedene Ausbildungsberufe, da kann es schon mal passieren, dass man sich erstmal für einen entscheidet, der auf Dauer doch nicht so das Wahre ist. So ging es auch Julia. „Ich hatte eine Lehre zur Industriekauffrau angefangen, aber das lag mir nicht richtig. Über eine Freundin meiner Mutter kam ich dann auf den Beruf Fachkraft für Lagerlogistik und habe mich nochmal neu beworben. Schon nach den ersten paar Tagen in der Lagerwirtschaft war klar, das ist genau das Richtige für mich.“ Die logistischen Prozesse, die moderne Technik und – für Julia als Leseratte ein privates Vergnügen – tonnenweise Bücher. Hier stimmte das Gesamtpaket.

„Meine Ausbildung begann mit einem Durchlauf durch die verschiedenen Bereiche, sodass ich erstmal einen groben Überblick bekam.“ Und zu überblicken gibt es eine ganze Menge. In dem Logistikzentrum mit 315.000 Quadratmetern Grundstücksfläche werden rund 700.000 Artikel gelagert. „Wir haben hier alles, was man in einer Buchhandlung kaufen kann. Das sind zum einen natürlich Bücher, aber auch andere Medien wie Landkarten, DVDs und Hörbücher, ebenso sogenannte Nonbooks wie zum Beispiel Spielwaren, Geschenkartikel, Yogamatten, Tees und Räucherstäbchen.“ Als Fachkraft für Lagerlogistik begleitet Julia die Artikel vom Wareneingang über die Einlagerung, die Kommissionierung bis hin zur Verpackung und zum Versand. Während der Ausbildung ist sie in jeder Abteilung für circa drei Monate eingesetzt.

Aber nun mal der Ware nach: Bis zu 30 Lkw liefern hier täglich ihre Ladung ab, alle nach einem gut organisierten Zeitplan, damit es keine Platzprobleme gibt. Das Ausladen der Ware gehört dann schon zu Julias Aufgaben. Da es meist Palettenlieferungen sind, arbeitet sie dafür mit dem Gabelstapler. Ist alles abgeladen, kontrolliert sie, ob die Lieferung auch zur Bestellung passt. Danach werden die Artikel digital erfasst. Das heißt, sie werden ins Warenwirtschaftssystem eingebucht. „Das System weiß genau, von welchem Artikel wir wie viele Exemplare haben. Und es verrät auch, wo diese gelagert werden sollen. Mit der vollautomatischen Förderstrecke werden die Artikel dann auf die Lager verteilt. Wir haben ein Hochregallager, zwei automatische Kleinteilelager, ein Fachbodenregallager und ein Lager für Sonderformate, also Dinge, die nicht in die ‚normalen‘ Regalfächer passen, wie die Yogamatten zum Beispiel.“ Jedes Lager verfügt über mehrere tausend Fächer und hat seine eigene Technik, das Grundprinzip ist aber immer gleich. Es gilt die chaotische Lagerordnung. Das klingt widersprüchlich, bedeutet aber nichts anderes, als dass die Artikel keine festen Plätze haben, sondern immer dahin kommen, wo gerade Platz ist. So werden leerstehende Flächen vermieden, allerdings weiß dann auch nur das System, wo genau welcher Artikel liegt. Kommissionieren, also Artikel nach den Bestellaufträgen der Kunden entnehmen, kann Julia daher nicht ohne digitale Unterstützung. „Bei den Sonderformaten, die Abteilung, die ich als erstes kennengelernt habe, haben wir Handgeräte, mit denen wir die Waren scannen und die Informationen zu den Lagerplätzen abrufen.“

Die Waren auf Paletten kommen ins Nachschublager, und das ist wirklich hoch, nämlich ganze 10 Meter. „Wir haben Schmalgangstapler, da fährt man mit der Führerkabine nach oben. Das ist aber nicht so meins. Ich habe leichte Höhenangst und gehe nicht höher als 3,50 m. Da wir hier so viele Arbeitsplätze haben, ist das aber kein Problem. Allerdings gehört für alle eine Abseilübung vom Schmalgangstapler zur Ausbildung dazu. Das war bisher die größte Herausforderung für mich.“ Weitere Lagerbereiche, in denen Julia in den nächsten Monaten noch arbeiten wird, sind die automatischen Kleinteilelager. Unterschieden werden sie nach der Art der Kommissionierung. Bei der Ware‐zum‐Mann‐Kommissionierung weiß das System, welcher Artikel gerade gebraucht wird und schickt die entsprechende Lagerwanne vom Regal aus zum Terminal, wo die Artikel entnommen und in die Kundenwanne umpackt werden. Im Bereich „Pick by light“ zeigen Lämpchen an den Regalfächern, wo Artikel entnommen werden müssen.„Ich weiß schon, wie es dort aussieht und bin immer wieder beeindruckt von der Technik, die hinter den einzelnen Arbeitsschritten steckt.“

Sind die Bestellungen fertig zusammengestellt, geht’s weiter in die Packerei. Hier werden Einzelbestellungen von Hand gepackt, größere Bestellungen automatisch. Jede Ware bekommt noch einen Lieferschein und das Versandetikett. Dann geht’s weiter ins Frachtzentrum, wo die Sendungen automatisch nach Versanddienstleister und Zielregion sortiert werden. „Ich muss sie dann nur noch vom Band nehmen und auf den jeweiligen Stapel packen.“ Außerdem gehören die Retourenbearbeitung, die logistischen Dienst leistungen, der Leitstand und das Bestandsteam zu den Ausbildungsbereichen. „Beim Leitstand werden die gesamten logistischen Prozesse und Anlagen überwacht, das Bestandsteam übernimmt die Inventur und überprüft, ob die digitalen Informationen auch zum tatsächlichen Bestand passen.“

Neben der praktischen Ausbildung besucht Julia regelmäßig die Berufsschule in Erfurt. Zu den Lernfeldern gehören Warenannahme und ‐kontrolle, Güterbeschaffung, Lagerhaltung, Transport, Kommissionierung, Verpackung, Versand, Tourenplanung und Warenkunde. „Die Theorie fällt mir nicht schwer. Bis auf ein bisschen Dreisatz rechnen muss man auch kein Mathegenie sein. Man sollte sich eben für die Lagerwirtschaft, die Lagertechnik und für die Artikel, mit denen man zu tun hat, interessieren.“

Julia wird ihre Ausbildung im nächsten Frühjahr beenden. „Ich bin sehr froh, noch einmal neu angefangen zu haben. Ich weiß, dass ich übernommen werde und auch, welche Abteilung es wird, steht schon fest. Dabei wird es nicht mehr um die Arbeit direkt am Regal, sondern um die Bearbeitung von Störungen gehen. Wenn zum Beispiel eine Bestellung vom System nicht verarbeitet werden kann oder eine Lieferung sich verzögert. Dazu wird auch Kontakt mit Kunden gehören. Das wird für mich neu, aber ich bin schon sehr gespannt und freue mich darauf. Als Fachkraft für Lagerlogistik kann ich später auch eine Weiterbildung zum Meister machen und Führungsaufgaben übernehmen und selbst in der Ausbildung tätig werden.“ (mü)