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01.04.14

Milchwirtschaftlicher Laborant - Der Milchtest

Morgens einen Schluck schlechte Milch in den Kaffee zu kippen, kann einem vielleicht den Start in den Tag vermiesen, ist aber sonst nicht weiter tragisch. Wenn allerdings in der Lebensmittelmittelproduktion – zum Beispiel bei den Milchwerken in Erfurt – Milch in die Vorratstanks gelangt, die nicht einwandfrei ist, hat das weitaus gravierendere Folgen. Denn über 1,3 Millionen Liter Rohmilch warten hier am Tag auf ihre Weiterverarbeitung zu Joghurt und Co.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Studieren, nur weil man das Abi in der Tasche hat? Für Stephanie nicht das Richtige. „Ich wollte lieber gleich eine praktische Berufsausbildung machen. Ich habe mich schon immer sehr für die Arbeit im Labor interessiert und einfach mal geguckt, welche Möglichkeiten man da so hat.“ Zur Auswahl standen unter anderem Chemielaborant, Foto/Medienlaborant und Milchwirtschaftlicher Laborant. Ich fand, mit Lebensmitteln zu arbeiten, klang spannend und habe mich beim Deutschen Milchkontor beworben.“ Stephanie wurde nicht nur zum Vorstellungsgespräch, sondern auch für zwei Tage zum Probearbeiten eingeladen. „Danach wusste ich, das ist genau das, was ich machen will.“
Ihr Arbeitsplatz sind seitdem die Laborräume der Milchwerke. Eine ihrer Aufgaben ist zum Beispiel, die Rohmilchannahme zu kontrollieren. „Das heißt, wenn die Milch vom Bauern angeliefert wird, darf sie nicht gleich in unsere Silos gefüllt werden. Erst muss uns der Fahrer eine Probe bringen. Wir untersuchen dann, ob sie qualitativ in Ordnung und frei von Hemmstoffen ist. Erst dann wird sie freigegeben und kann abgetankt werden. Damit ist aber Stephanies Arbeit noch lange nicht getan. Über Stichproben aus der laufenden Produktion bis zur Endkontrolle – immer wieder überprüft sie die Produkte. Ob zum Beispiel der Fettgehalt im Schokopudding stimmt oder der Milchsäuregehalt im Joghurt. Wenn die Ergebnisse von den Vorgaben abweichen, gibt Stephanie der Produktion Bescheid und diese ändert dann die Einstellungen der Geräte. „Dann nehmen wir wieder eine neue Probe. Das machen wir solange, bis alles stimmt. Und zwar für jedes einzelne Produkt.
Gerade, wenn sich im Sortiment etwas ändert, ist das sehr spannend und abwechslungsreich. Stephanie und ihre Kollegen haben verschiedene Untersuchungs methoden und -geräte, angefangen bei den eigenen Sinnen. Wie riecht etwas; wie sieht es aus; wie schmeckt es; wie ist die Konsistenz? „Für alles weitere haben wir dann zum Beispiel PH-Meter, Hemmstoffteststreifen und den sogenannten Foodscan. Oft untersucht man die Proben auch nicht nur einmal, sondern lässt sie in sogenannten Testbechern bebrüten.“ Ein sehr wichtiger Teil der Arbeit ist dabei das Dokumentieren. Jede einzelne Probe muss etikettiert und in ein Computerprogramm eingegeben werden, so dass alles sofort zugeordnet werden kann und es nicht zu Verwechslungen kommt. „Man muss schon konzentriert arbeiten und immer bei der Sache sein.“ Auch nachts, denn in den Milchwerken wird rund um die Uhr produziert, also muss auch rund um die Uhr kontrolliert werden. „Ich arbeite in drei Schichten“, sagt Stephanie, die nur die Frühschicht nicht so sehr mag. „Aber man gewöhnt sich daran.“ Auch, dass sie regelmäßig an Wochenenden und Feiertagen eingeteilt ist, stört sie nicht. „Dafür gibt es ja dann in der Woche mal frei.“
Für den theoretischen Teil ihrer Ausbildung fährt Stephanie in die Berufsschule nach Oranienburg. „Wir haben viel Mathematik, Biologie, Physik und Chemie, aber auch Labortechnik und Wirtschaft. In den Naturwissenschaften sollte man schon in der Schule gute Noten gehabt haben, sonst wird es schwierig, da mitzukommen.“ Nach der Ausbildung möchte sie gern hier bleiben und im Labor arbeiten. „Der Beruf macht mir Spaß und ich bin dann erstmal fertig mit der Schule.“ (mü)