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12.12.16

Mikrotechnologe - Mikro ganz groß

Ein menschliches Haar ist im Schnitt 0,05 bis 0,07 Millimeter dick – das ist schon nicht besonders viel. Die Bauteile, mit denen Mikrotechnologen arbeiten, sind aber noch um bis zu hundertmal kleiner – kaum vorstellbar. Und so winzig sie sind, so empfindlich sind sie auch. Ein einziges Staubkorn kann schon richtig großen Schaden anrichten – deshalb herrscht im Reinraum auch eine strenge Kleiderordnung: Ganzkörperanzug, Handschuhe und Mundschutz sind Pflicht für Azubi Christoph und seine Kollegen bei X­Fab, einem Hersteller für Halbleiter in Erfurt.


Ausbildung, Thüringen, Erfurt, X-Fab, Mikrotechnologe

Bild: Manuela Müller/WiYou.de

Oft weiß man nach der Schule zwar schon, in welchen Bereich man beruflich einmal gehen möchte, nur der Weg dahin ist manchmal nicht so klar. Christoph wollte nach der Schule an der Uni durchstarten. „Ich hatte mich für Informatik entschieden, aber dann gemerkt, dass das nicht das Richtige für mich ist. Es war zu theoretisch. Ich wollte aber im technischen Bereich bleiben, nur lieber mit einer dualen Ausbildung.“ Durch Zufall stieß Christoph auf das Hightech-­Unternehmen X-­Fab und den Beruf Mikrotechnologe. „Das war genau das, was ich wollte, also hab ich mich beworben.“ Mit Erfolg. Christoph bekam einen Ausbildungsplatz und ist nun schon im dritten Lehrjahr.

Als angehender Mikrotechnologe lernt er, Halbleiterbauelemente wie Mikrochips und Sensoren herzustellen. Die kommen dann zum Beispiel im Handy zum Einsatz, als kleinstes Mikrofon der Welt, oder sorgen als Sensor dafür, dass ein Telefongespräch nicht aus Versehen beendet wird, wenn man das Handy ans Ohr hält. Andere Einsatzgebiete sind die Medizintechnik, die optische Industrie und die Fahrzeugbranche. „Etwas herzustellen, was überall zum Einsatz kommt und dabei mit modernster Technik zu arbeiten, finde ich sehr spannend.“ Die Ausbildung zum Mikrotechnologen gibt es mit den Schwerpunkten Halbleitertechnik und Mikrosystemtechnik. Zu Beginn der Ausbildung durchläuft man verschiedene Arbeitsbereiche, die die Reinraumfertigung sicherstellen. Dazu gehört die Versorgung mit Werkstoffen und Chemikalien sowie deren Entsorgung, aber auch die Wartung und Instandhaltung des Reinraums. „In der Fertigung lernt man, wie der Produktionsprozess der Mikrochips auf Silizium scheiben, sogenannten Wafern, funktioniert und worauf es dabei ankommt: das Sicherstellen der Reinraumbedingungen und somit das Tragen der Schutzkleidung. Schon der kleinste Schmutzpartikel oder ein einzelnes Haar können die Funktionalität der Mikrochips beeinträchtigen. Da trägt man viel Verantwortung.“

Christoph hat den Schwerpunkt Mikrosystemtechnik gewählt und sich seit dem dritten Lehrjahr im Bereich Lithographie spezialisiert. „Hier bediene ich die Maschinen und Anlagen, mit denen durch Beschichten, Belichten und Entwickeln Strukturen für die Schaltkreise auf die Wafer aufgebracht werden. Aber nicht nur das Bedienen der Anlagen gehört dazu, sondern auch verschiedene Kontrollschritte zur Qualitätssicherung. Momentan bin ich zum Beispiel in der makroskopischen Kontrolle. Da werden die einzelnen Wafer mit einem Roboterarm unter ein Schräglicht gehalten und überprüft.“ In der Berufsschule geht es vor allem um Elektrotechnik, Verfahrenstechnik und Chemie. „Das ist alles sehr naturwissenschaftlich und man sollte gute Grundkenntnisse in diesen Bereichen mitbringen.“ Christoph hat die Zwischenprüfung gut gemeistert und möchte auch nach seinem Abschluss im nächsten Sommer gern weiter als Mikrotechnologe arbeiten. (mü)