Abo-Service nutzen
< Erlebe NEU - die Stadt der Berufe!
12.09.20

Meister statt Bachelor

„Studiere doch, damit es sich auch lohnt!“ oder „So ein Uni-Abschluss bringt dir doch mehr als eine Ausbildung“– Sätze wie diese kennen viele gut. Und in der Tat: Jahrzehntelang galt das Klischee, dass nur ein Studium die Chance auf einen sicheren und vor allem gut bezahlten Arbeitsplatz mit sich bringt. Handwerk und Industrie wirkten oft nur wenig attraktiv. Wer studiert hatte, dem schien die Welt der Berufe viel offener.


Foto: Daniel Ernst - stock.adobe.com

Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Der Fachkräftemangel macht sich immer mehr breit, die immer größeren Abschlusszahlen der Universitätsabsolvierenden bringen der Wirtschaft einen eher geringen Nutzen. Eine Herausforderung, vor der nicht nur Deutschland, sondern auch ganz Europa derzeit steht. Und auch die Abschlüsse – vom Studium und von der Ausbildung – sind daher schon lange in der Diskussion. Schließlich geht es auch um Vergleichbarkeiten. Darum, dass Menschen trotz unterschiedlicher Abschlüsse gleichwertig in ihren Tätigkeiten sind, dass Qualifikationen und Kompetenzen miteinander vergleichbar sein sollen und dass ähnliche Arbeiten auch ähnlich bezahlt werden sollen.

Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) ist der zentrale Ansatz, um Abschlüsse in Berufs-, Allgemein- und Hochschulbildung miteinander vergleichbar zu machen.
So wird das deutsche Bildungssystem transparent, universitäre und berufliche Abschlüsse werden in ihrer Wertigkeit einander angepasst. In acht sogenannten Niveaustufen, mit der Vorbereitung für die Berufsausbildung beginnend und mit der Promotion – also dem Erlangen des Doktortitels – endend, können Abschlüsse miteinander verglichen werden.

Das führt dazu, dass etwa in der Niveaustufe 6 der Bachelorabschluss der Universitäten mit einem Meister oder einer Fachwirt-Qualifikation gleichgestellt wird. Wer die Prüfung zum Betriebswirt oder zur Betriebswirtin ablegt, der ist mit dem Master-Abschluss der Uni gleich auf.

Interessant ist das Modell auch für alle, die mit ihrer deutschen Berufsausbildung ins europäische Ausland gehen – oder von diesem aus zum Arbeiten nach Deutschland kommen. Denn auch der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) kennt die acht Niveaus der Berufstätigkeit und kann ohne Probleme auf das deutsche System übertragen werden. So kann die eigene berufliche Kompetenz ohne große Missverständnisse gezeigt und beworben werden. Außerdem bildet der DQR ein verlässliches Instrument, um den eigenen Karriereweg von der Berufsvorbereitung über den Berufsspezialisten bis zum Betriebswirt zu planen. Und das häufig ganz ohne Studium. Denn wer sich mit dem Qualifikationsrahmen beschäftigt, der weiß, dass sich gute Arbeit auch ohne Uni lohnen kann. (ppb)