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< Kunststofftechnik (TU Ilmenau)
04.12.17

Medientechnologe Druck - Nicht einfach drucken drücken

Wer am heimischen PC etwas ausdrucken möchte, muss eigentlich nur dafür sorgen, dass genügend Papier im Drucker liegt und der Farbnachschub gesichert ist. Dann reicht es, ein Button zu drücken und fertig. Bei Peter sieht das – zumindest beruflich – etwas anders aus, denn Peter ist Medientechnologe für den Bereich Druck bei Mala Verschluss-Systeme in Bad Liebenstein. Die Druckmaschinen, an denen er hier arbeitet, sind bis zu dreißig Meter lang und bedrucken 6000 Tafeln pro Stunde. Und die sind dann auch nicht aus Papier, sondern aus Alu. Außerdem kommen die Farben nicht fertig aus einer Patrone, sondern werden immer extra angemischt.


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Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Warum in die Ferne schweifen, wenn man auch fast vor der Haustür eine passende Ausbildungsstelle finden kann? Für Peter jedenfalls stand der regionale Bezug bei der Ausbildungsplatzsuche im Vordergrund. „Ich hatte nach der Schule angefangen, Fahrzeugtechnik zu studieren, aber schon bald gemerkt, dass das nicht das ist, was ich mir vorgestellt hatte. Ich wollte doch lieber eine duale Ausbildung machen. Zwar auch im technischen Bereich, ich war aber auf keinen bestimmten Beruf festgelegt und habe einfach geguckt, was es bei mir in der Nähe gibt. Das war unter anderem der Medientechnologe bei Mala Verschluss-Systeme. Den Beruf selbst kannte ich noch nicht und hab erstmal eine Woche lang bei einem Praktikum ausprobiert, ob das zu mir passt. Und das war wirklich spannend, genau die richtige Mischung aus Technik und Handwerk und ich wusste: Das ist es! Das mach ich jetzt!“

Als Medientechnologe im Bereich Druck arbeitet man in der Regel mit Papier. „Bei uns hier ist das ein wenig anders, denn wir bedrucken Aluminium, zum Beispiel für die Aluminiu-Drehverschlüsse von Wein- und Glaswasserflaschen. Eine weitere Besonderheit dabei ist, dass wir nicht nur die Standardfarben drucken: Wir mischen auf Wunsch Sonderfarben an.“ Gedruckt wird mit großen Maschinen, die nicht mit einem gewöhnlichen Drucker zu vergleichen sind. Hier reicht es auch nicht, einfach nur ein Knöpfchen zu drücken. Gearbeitet wird mit großen Druckplatten. „Diese bekomme ich aus der Druckvorstufe, wo sie nach Kundenwünschen angefertigt werden. Ich muss die Platten dann so in die Maschinen einsetzen und ausrichten, dass sie präzise aufeinanderpassen. Dann kommt die Farbe dazu, die ich nach den Vorgaben des Kunden mische. Da immer genau den richtigen Ton zu treffen, ist manchmal ganz schön knifflig. Außerdem muss ich die Farbmenge so bestimmen, dass der Druck nicht zu blass wird, die Farbe aber auch nicht verschmiert. Auf Alu trocknet die Farbe zudem anders als auf Papier. Dazu muss der Trocknungsofen entsprechend programmiert werden. Bevor in Serie gedruckt wird, fertige ich einen Probedruck an. Erst wenn bei dem alles stimmt, geht es mit der Serie los. Ich bin ein Perfektionist und habe selbst sehr hohe Anforderungen an das Ergebnis. Gerade der Anspruch an Präzision macht mir aber auch richtig viel Spaß. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich es am Ende dann hinbekommen habe.“ Ausruhen kann sich Peter dann aber trotzdem nicht. „Wir drucken hier mit einer Geschwindigkeit von 6000 Tafeln pro Stunde und ich muss fortlaufend kontrollieren, ob die Einstellungen immer noch stimmen und sie, wenn nötig, korrigieren. Ich habe erst an einer älteren Maschine gelernt, da kam es noch etwas mehr auf das handwerkliche Geschick an, zum Beispiel beim Einpassen der Platten, an den neuen Maschinen ist das etwas leichter, weil sie mehr automatisch machen.“

Nicht ganz so leicht hatte Peter es in der Berufsschule. „Die Inhalte dort waren auf den normalen Vierfarbdruck auf Papier ausgelegt. Ich war der einzige, der mit Sonderfarben auf Alu druckt. Ich musste immer gucken, wie ich die Inhalte auf mich ummünze, das hat das Ganze aber auch noch spannender gemacht. Große Unterschiede gibt es zum Beispiel beim Trocknen der Farben, bei der Weiterverarbeitung und beim Schneiden. Außerdem gehört das Buchbinden in der Lehre dazu, das spielt für mich in der Praxis keine Rolle.“ Gut durchgekommen ist er dennoch. „Das Wichtigste ist einfach, sich selbst für das, was man tut, zu interessieren. Ich kann auch privat an keinem Supermarktregal vorbeigehen, ohne mir die Verschlüsse anzusehen. Und gerade, wenn es um neue Techniken oder Weiterentwicklungen geht, freue ich mich richtig darauf, wieder selbst etwas ausprobieren zu können.“

Peter hat seine Ausbildung schon nach zweieinhalb statt drei Jahren abschließen können. Er wurde als Medientechnologe bei Mala übernommen und hat gleich die Weiterbildung zum Meister angeschlossen. „Da kommt dann verstärkt wirtschaftliche und rechtliche Sachen dazu. Ich könnte mir vorstellen, später in die Qualitätssicherung zu gehen, da habe ich immer noch mit den Maschinen zu tun, kann aber auch an der Verbesserung der Arbeitsprozesse mitarbeiten.“ (mü)