Abo-Service nutzen
< Bestens informiert …
13.11.17

Mediengestalter Digital und Print - Design ist Geschmackssache

Nicht jeder hört gern Beethoven, auch Picasso hat nicht nur Fans und ob angebissenes Obst als Markenlogo taugt oder nicht – auch darüber kann man geteilter Meinung sein. Umso spannender ist aber der Beruf von Miriam. Denn als angehende Mediengestalterin Erfurter Agentur Kallinich Media gestaltet sie Medien wie Plakate, Flyer, Logos, Websites und steht dabei immer vor der Herausforderung, mit ihrer Kreativität den Geschmack des Kunden zu treffen und den Ansprüchen eines echten Handwerks gerecht zu werden.


Ausbildung, Thüringen, Erfurt, Mediengestalter, Digital und Print

Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Normalerweise geht’s nach dem Abi entweder zum Studium oder in eine duale Berufsausbildung. Miriam aber stürzte sich von der Schulbank aus gleich ins Abenteuer Selbstständigkeit. „Ich habe schon immer gern fotografiert und nach dem Abschluss zwei Jahre als freie Fotografin gearbeitet. So richtig glücklich war ich damit aber nicht. Ich würde das auch nicht noch einmal so machen, aber ich habe in dieser Zeit auch unheimlich viel gelernt, von dem ich immer noch profitiere. Als ich dann auf der Suche nach einer Ausbildung in einem kreativen Beruf war, bin ich auf den Mediengestalter aufmerksam geworden. Den kannte ich bis dahin gar nicht. Ich hatte natürlich auch überlegt, eine richtige Ausbildung zur Fotografin zu machen, aber mir lag die Studioarbeit nicht und ich wollte mir das Fotografieren doch lieber als ein Hobby bewahren. Der Mediengestalter war da für mich die bessere Wahl. Zumal ich das Glück habe, dass ich in einer Agentur arbeite, in der wir auch ab und zu noch selbst fotografieren.“

Wie genau die Arbeit eines Mediengestalters aussieht, hängt vom jeweiligen Unternehmen ab, in dem er beschäftigt ist. Miriams Ausbildungsbetrieb ist eine Fullservice Medienagentur. „Wir kümmern uns um das Erscheinungsbild unserer Kunden, entwerfen zum Beispiel Firmenlogos, bauen das Corporate Design auf, gestalten Websites, Plakate, Flyer und kümmern uns auch darum, dass die Werbung zielgruppenorientiert gestreut wird, über die verschiedenen sozialen Kanäle, aber auch über Plakate.“ 

Miriam ist im zweiten der insgesamt drei Ausbildungsjahre. Sie hat inzwischen einen guten Überblick über die verschiedenen Arbeitsbereiche der Agentur und darf auch schon eigenständig Kunden betreuen. Dazu hat sie Aufgaben, die regelmäßig anfallen, wie zum Beispiel Newsletter zu schreiben und zu setzen oder die Social-Media-Kanäle zu betreuen. „Ich arbeite die meiste Zeit am Rechner. Meine wichtigsten Arbeitsmittel sind Computerprogramme wie Photoshop und Illustrator. Skizzen und Entwürfe machen wir zwar auch noch mit der Hand, aber wenn es um die Feinarbeit geht, kommt dann immer der Computer zum Einsatz. Zu Beginn der Ausbildung habe ich deshalb zwei Wochen nur am Computer gesessen und mich in die Programme eingearbeitet. Man muss wirklich wahnsinnig viel Technik beherrschen und sich auch während der Ausbildung schon weiterbilden, weil es immer wieder Neuerungen gibt – in der Technik, aber auch im Design selbst.“

Es gibt Trends, die Miriam als Mediengestalterin kennen und umsetzen können muss, sowie es auch Regeln gibt, an die sie sich als professionelle Gestalterin halten sollte. Welche Farben passen zusammen? Wie wirken sie? Welche Schriftarten passen zu welchem Anlass? Wo sollte ein Bild platziert werden? Wo der Text? Kreativ zu sein, ist zwar sehr wichtig, aber Mediengestaltung ist auch ein Handwerk, das man von der Pike auf lernen muss. Sowohl in der Praxis, als auch in der Theorie in der Berufsschule. „Man hat dort die gestalterischen und technischen Grundlagen, also zum Beispiel Farb- und Formenlehre, die digitale Bearbeitung und die verschiedenen Druckverfahren. Und schließlich gehört auch viel Mathe dazu, davor hatte ich ein bisschen Bedenken, aber auch das ging – und in der Praxis rechnet man die Pixelgrößen normalerweise auch nicht mehr im Kopf aus.“ Zum Mediengestalter der Fachrichtung Digital und Print gehört zwar auch der Bereich Webseiten, aber weniger ausgeprägt. Hier werden nur die Grundlagen vermittelt. „Außerdem haben wir ein Lernfeld, dass sich mit der Ästhetik auseinandersetzt. Da wird das Fingerspitzengefühl geschult und jedes noch so kleine, grafische Element auseinandergenommen und analysiert. Wenn man selbst ein Plakat am Rechner entwirft, sieht man es ja nur in klein, wirken muss

es aber dann auch, wenn es mehrere Quadratmeter groß ist, auch das muss man bedenken.“

Kreativität solle man für diesen Beruf schon mitbringen, aber auch hier könne man viel durch üben lernen. Für Miriam, die schon immer gern im künstlerischen Bereich gearbeitet hat, war das kein Problem. Eine Sache, die sie aber erst lernen musste: Wie man mit Rückschlägen umgeht. „Wenn man viel Herzblut und Mühe in ein Projekt steckt, am Ende einen Entwurf hat, den man selbst richtig toll findet, und der Kunde dann sagt: ‚Hm, nein, das gefällt mir nicht‘, ist das schon erstmal frustrierend. Da muss man lernen, es nicht persönlich zu nehmen und auch mal Dinge so zu machen, wie sie einem selbst so nicht richtig gut gefallen. Dafür ist es dann auch wieder toll, wenn man durch die Stadt läuft und plötzlich ein Plakat sieht, das man selbst entworfen hat oder sich im Internet eine Seite anguckt, die man mitgestaltet hat. Besonders viel Spaß macht es mir, bei null anzufangen. Wenn man sich wirklich kreativ austoben kann. Eine Grafik nach festen Vorgaben zu setzen ist dann eher was für die Tage, an denen es mit der Kreativität mal nicht so läuft. Das Schöne ist, dass es so viele verschiedene Aufgaben gibt. Allerdings habe ich auch noch sehr viel zu lernen. Das Präsentieren der Entwürfe vor den Kunden zum Beispiel, das fällt mir noch nicht so leicht. Und ich würde auch gern noch mehr in Richtung Projektmanagement gehen.“ (mü)