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01.04.14

Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik - Die Gabelstaplerreparateurin

Es rattert noch kurz, dann riecht es verbrannt, dann ist Schluss. Der Gabelstaplermotor quittiert den Dienst. Der Gabelstaplerfahrer bricht in Tränen aus. Soll er jetzt etwa die tonnenschwere Ladung selber tragen? Nein, natürlich nicht, er braucht nur jemanden, der weiß, wie man Gabelstapler repariert. Vanessa, kannst du kurz helfen?


Foto: LINDIG Fördertechnik

Vanessa ist im ersten Lehrjahr ihrer Ausbildung beim Eisenacher Unternehmen LINDIG Fördertechnik und klärt gleich mal auf: „Als Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik repariert man zwar Gabelstapler, aber nicht nur, auch Lagertechnikgeräte und Arbeitsbühnen gehören dazu. Man lernt in den drei Lehrjahren, wie man diese Geräte wartet, instand hält und, wenn nötig, repariert.“ Das klingt nach einem Traumberuf für jeden, nun ja, Jungen. „Ja, irgendwie ist das wohl eher ein Männerberuf“, sagt Vanessa, warum, wisse sie aber eigentlich nicht. „Ich bin hier das einzige Mädchen, aber das macht mir nichts aus, im Gegenteil, ich find das ganz lustig und komme super klar.“ Sie habe als Kind schon große Landmaschinen kennengelernt und sehr interessant gefunden. „Über die Zeit hat sich das dann so entwickelt, dass ich nach der Schule auch einen Beruf in dieser Richtung lernen wollte.“ Vanessa recherchierte und stieß unter anderem auf den Beruf Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik. Beworben hatte sie sich dann zwar zusätzlich auch als KFZ-Mechatronikerin, „aber im Nachhinein bin ich froh, dass ich hier gelandet bin. So ein Gabelstapler ist eben nicht so alltäglich wie ein normaler PKW.“
Vanessas Arbeitstag beginnt morgens mit der Besprechung in der Werkstatt. Dort werden die Aufträge verteilt. Als Azubi arbeitet man immer mit einem Gesellen zusammen. „Gerade am Anfang kann man selbst ja noch nicht so viel machen und guckt erstmal zu oder hilft den Fachkräften.“ Wichtig sei dabei, eine gute Auffassungsgabe. Vanessa darf kleine Sachen schon selbstständig erledigen, wie zum Beispiel einen Arbeitsscheinwerfer anbringen oder Leuchtmittel wechseln. „Das macht schon auch Spaß, aber Zündkerzen bei einem Treibgasstapler zu wechseln oder einen Motor ganz auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen, ist nochmal was anderes, darauf freue ich mich jetzt schon.“ Nur sollte man auch bei den kleineren Sachen nicht unterschätzen, wie anstrengend die Arbeit in einer Werkstatt sein kann. „Gerade am Anfang war ich nach Feierabend immer komplett erledigt. Es ist eben was anderes, als acht Stunden in der Schule zu sitzen.“ Aber daran gewöhne man sich mit der Zeit. Außerdem kann man sich von den Gesellen auch immer ein paar Kniffe abgucken, die die Arbeit erleichtern, wenn sich eine widerspenstige Schraube zum Beispiel nicht lösen lässt.
Zwei linke Hände sollte man in diesem Beruf natürlich nicht haben. Den Rest bekommt man schon hin, wenn man sich dafür interessiert. In der Berufsschule sei das leider nicht immer ganz so leicht. „Ich bin eher praktisch veranlagt und Lernen fällt mir nicht so leicht, vor allem, wenn es um Physik geht. Und die ist in der Theorie leider sehr wichtig.“ Ansonsten habe man in den Lernfeldern alles, was mit Kraftfahrzeugtechnik und Elektronik zu tun hat. Zur Ausbildung gehören außerdem verschiedene Lehrgänge und zum Beispiel auch der Staplerschein, den Vanessa schon gemacht hat. „Ich darf zwar noch nicht draußen auf der Straße fahren – einen PKW-Führerschein hab ich nämlich noch nicht – aber immerhin schon die Stapler auf dem Werksgelände.“
Wie es nach der Ausbildung mal weitergehen könnte? „Darüber habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht, ich bin ja erst seit ein paar Monaten dabei. Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass es mir gefällt und ich mir vorstellen kann, auch später hier zu arbeiten.“ (mü)