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06.06.16

Maskenbildner - Theater, Theater

... der Vorhang geht auf und da stehen sie – mit surrealen Riesennasen, monumentalen Frisuren aus dem vorletzten Jahrhundert oder blutüberströmt mit täuschend echt aussehenden Wunden – die Darsteller, die natürlich schauspielerisches Können und Gesangstalent mitbringen sollten, ohne eine gute Maske aber irgendwie auch nicht ganz so überzeugend wären. Und da kommt Nicola ins (Schau­)Spiel. Die 26­Jährige lernt Maskenbildnerin am Theater Erfurt und sorgt mit ihren Kollegen dafür, dass Macbeth, Odysseus und Co. das Publikum auch optisch begeistern.


Ausbildung, Thüringen, Erfurt, Maskenbildner, Theater

Bild: Manuela Müller/WiYou.de

Für den Traumberuf in eine andere Stadt zu ziehen, ist nichts Ungewöhnliches. Nicola hat für ihre Ausbildung zur Maskenbildnerin aber ihr Heimatland England ganz verlassen. „Ich hatte dort Psychologie studiert, das war auch gut, aber mir hat es doch nicht gereicht. Ich wollte doch eher mit den Händen arbeiten und kreativ sein, und zwar als Maskenbildnerin. In England gibt es dazuaber keine richtige Ausbildung, nur Grundlagenkurse. Die habe ich auch gemacht, aber damit eine richtige Anstellung zu bekommen, ist sehr schwer. Die Maskenbildnerausbildung in Deutschland hat international einen sehr guten Ruf, deshalb bin ich hergekommen. Erst war ich für ein Jahrespraktikum in Heidelberg, bevor ich 2014 in Erfurt als Azubi am Theater angefangen habe.“

Der Beruf Maskenbildner setzt sich eigentlich aus vier verschiedenen Berufen zusammen: Perückenmacher und Friseur, Visagist, Maskenbauer und Special Effects. „Das heißt, wir knüpfen Perücken, schminken und frisieren Darsteller, modellieren Gesichts­ und Körperteile und Masken, schminken Wunden, Blut und eben sonst noch alles, was die Darsteller brauchen.“

Woher Nicola weiß, was gebraucht wird? Wenn feststeht, welches Stück gespielt wird, haben die Maskenbildner einen Termin mit dem Ausstatter. „Der stellt dann die sogenannten Figurinen vor und wir gucken, wie wir seine Ideen umsetzen können. Manchmal haben wir schon was im Fundus, was wir weiterverwenden können, alles andere fertigen wir neu an. Dafür kommt jeder einzelne Darsteller zu uns. Wir machen Abdrücke und erstellen damit Modelle, an denen wir dann wiederum die Teile modellieren.“ Das ist wirklich ein Handwerk, bei dem man die Techniken beherrschen und Feingefühl beweisen muss – und Geduld. An einer Perücke sitzt Nicola schon mal bis zu 60 Stunden. Das ist aber nur der eine Teil der Arbeit. An den Tagen der Vorstellungen wird es richtig voll im Schminkraum. Dann bekommen die Darsteller ihre falschen Nasen und Bärte angeklebt, die Perücken aufgesetzt oder Haare frisiert und auch gleich noch das passende Makeup verpasst. „Das ist dann schon richtig stressig – und nicht immer leicht, weil auch die Darsteller im Stress sind. Dafür ist die Atmosphäre aber auch eine ganze besondere. Ich liebe das, aber man muss dafür brennen und mit absoluter Leidenschaft dabei sein. Auch, weil das kein Job ist, bei dem man nach acht Stunden pünktlich um vier einfach Feierabend macht. Wenn Vorstellung ist, kommen wir nicht vor elf oder zwölf hier raus.“

Und schließlich geht es auch für Nicola nicht ohne Berufsschule. „Dafür fahre ich regelmäßig nach Baden­Baden. Neben handwerklichen Übungen und Grundlagen geht es dort vor allem um Stilkunde und die verschiedenen Epochen. Darüber hinaus gibt es Lehrgänge zu Themen wie Airbrushing, Hautoberflächen modellieren, Wunden kleben, historisches Frisieren und HD-Schminken.“ Wer in diesem Beruf arbeitet, darf nicht erwarten, sein Leben lang in einer Stadt zu bleiben. „Man muss immer bereit sein, umzuziehen. Deshalb weiß ich auch noch nicht, wo ich nach der Ausbildung hingehen werde – fest steht nur, dass ich unbedingt weiter am Theater arbeiten möchte.“ Nun geht es für Nicola aber erstmal in die Prüfungsvorbereitung. Die füllt einen Großteil des dritten Lehrjahres. (mü)