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01.07.13

Maler und Lackierer - Baustellen-Picasso

Nein, Patrick steht nicht mit Tuschekasten und einem Künstlerpinsel vor einer Staffelei und übt sich an der Guernica 2013. Seine („Lein“)-Wand ist in der Regel noch um einiges größer und auch die Farbtöpfe fassen mehrere Liter. Patrick ist Auszubildender im Beruf Maler und Lackierer und vielleicht nicht für die ganz „große“ – auf jeden Fall aber für die ganz großflächige Kunst des Farbe-an-die-Wand-Bringens zuständig.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Schon nach seinem Schulabschluss wollte Patrick Maler werden: „Das war immer mein Berufswunsch Nummer eins“, erinnert sich der heute 20-Jährige. „Ich habe mich auch darauf beworben, wurde aber leider nicht angenommen.“ Die Alternative war eine Ausbildung zum Straßenbauer. „Das lief auch gar nicht so schlecht, bis zu meinem Unfall zumindest.“ Patrick fiel daraufhin ein halbes Jahr aus und sah darin die Chance, es noch einmal als Maler zu probieren. Tatsächlich klappte es beim zweiten Anlauf. „Ich hatte früher schon mal ein Praktikum im meinem jetzigen Ausbildungsbetrieb Heinrich Schmid gemacht und wusste, was auf mich zukommen würde und was ich dafür mitbringen muss.“ Und das sei auf jeden Fall handwerkliches Geschick. „Aber man braucht auch gute Rechenkenntnisse, Gewissenhaftigkeit und Kreativität.“ Man müsse streng nach Vorgaben aber auch frei Hand und kreativ arbeiten können. Das hänge immer vom jeweiligen Auftrag ab.


Als Maler und Lackierer muss man außer anstreichen auch spachteln, lackieren, tapezieren, Fußböden versiegeln und Dämmstoffe anbringen. Außerdem gehöre zu jedem Auftrag eine Menge Vor- und Nachbereitung. „Bevor zum Beispiel eine Wand gestrichen werden kann, muss ich mir den Untergrund genau ansehen, alles vermessen, ausrechen, wie viel Farbe ich brauche, das Material bestellen, alles abkleben, was keine Farbe abbekommen darf, Unebenheiten verspachteln, abschleifen und grundieren. Das alles zusammen kostet mehr Zeit, als das eigentliche Streichen, muss aber sein, ebenso, wie das Aufräumen danach. Und das kann ganz schön stressig werden. „Wenn wir nur eine Nachtschicht Zeit haben, um einen ganzen Laden komplett umzustreichen zum Beispiel.“ Manchmal wird aber auch länger auf einer Baustelle gearbeitet, wie im Moment hier bei Apolda. „Wir streichen den Sockel einer Tierfuttermittelfabrik, da kommen einige hundert Quadratmeter zusammen und da wir meist zu zweit unterwegs sind, dauert das schon ein paar Tage.“


Wenn Patrick nicht im Praxiseinsatz ist, drückt er in der Berufsschule die Schulbank. „Dort lerne ich zum Beispiel alles über die verschiedenen Materialien, Techniken und Untergründe.“ Außerdem gibt es noch überbetriebliche Lehrgänge, in denen man einzelne Sachen übt, wie Schablonieren, Vergrößern, Spachteln oder besondere Dekorationstechniken. „Manchmal sind da echt tolle Ideen dabei, die ich dann auch zuhause ausprobiere, um mein eigenes Zimmer zu verschönern. Schließlich hat nicht jeder professionell Konfetti an der Wand. In der Fachsprache ist das übrigens die sogenannte Flocktechnik. Mit der haben wir auch die Flure bei Carl Zeiss in Jena verschönert.“


Der Beruf bringe jede Menge Abwechslung. Schon deshalb, weil man immer woanders sei und jedes mal wieder neue Leute und Orte kennenlerne. „Aber es ist auch körperlich anstrengend, ähnlich wie damals beim Straßenbau. Schweres Material schleppen, oder tagelang über Kopf an einer Decke arbeiten, da ist körperliche Fitness wichtig. Andererseits ist es auch ein gutes Training, und so ein ‚ruhiger’ Bürojob, das wäre auch nichts für mich.“ Wie Patrick sich seine Zukunft ausmalt? „Ich möchte erstmal als Geselle Berufserfahrung sammeln und dann zum Vorarbeiter, Arbeitsgruppenleiter oder auch Meister aufsteigen.“ (mü)