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< Agrarwirtschaft (Überblick)
04.07.18

Landwirt- Ein weites (Aufgaben-)Feld

Auf dem Mähdrescher durch die Dämmerung des Sommertages, ringsherum nur Felder und Natur – klingt fast zu schön um wahr zu sein. Ist es aber. Allerdings ist das auch nur ein Ausschnitt aus der Arbeit eines Landwirtes. Dazu gehört nämlich neben der Arbeit auf dem Feld auch die im Stall und in der Werkstatt. Außerdem kann der Arbeitstag durchaus etwas länger werden, das Wetter auch mal ungemütlich und man macht sich natürlich öfter mal die Hände schmutzig. Warum Landwirt trotzdem zum Traumberuf taugt, weiß Azubi Valentin von der Agrarprodukte Schwabhausen e.G. bei Gotha.


Landwirt,Grüne Berufe, Ausbildung,Thüringen

Foto:Manuela Müller

Aufgaben: Landwirte erzeugen land-­ und tierwirtschaftliche Produkte.

Dauer: 3 Jahre

Voraussetzungen: Landwirte sollten körperlich fit und handwerklich geschickt sein, sich für die Natur interessieren und auch gern mit moderner Technik arbeiten. Außerdem wichtig sind selbstständige und verantwortungsbewusste Arbeitsweise und die Bereitschaft zu Überstunden und Wochenendarbeit.

Chancen: Landwirte können sich neben der Weiterbildung zum Techniker oder Meister auch durch die Prüfung zum Fachwirt oder ein Studium im Bereich Agrarwirtschaft für Leitungsaufgaben qualifizieren. 

 

Der Vater Landwirt, die Brüder Landwirte – und auch für Valentin gab es nur eine Wahl: „Ich habe das von Klein auf mitbekommen und auch als Schüler schon in der Landwirtschaft mitgearbeitet – ich wollte nie etwas anderes werden als Tier-­ oder Landwirt.“ Während der Tierwirt in der Regel aber nur mit Tieren arbeitet, deckt der Landwirt beide Bereiche ab. Das heißt, Valentin hat nun sowohl mit Ackerbau als auch mit Tierhaltung zu tun. „Gerade in den Zeiten, in denen es auf dem Feld wetterbedingt nicht viel zu tun gibt, bin ich im Stall, zum Beispiel bei den Schafen, helfe beim Füttern, Ausmisten und Treiben.“

Die Ausbildung zum Landwirt dauert normalerweise drei Jahre, Valentin konnte durch sein Abitur das erste Jahr überspringen und ist gleich ins zweite eingestiegen. Die Inhalte des Berufsschulunterrichtes des ersten Jahres musste er selbstständig nachholen. „Für mich war das kein Problem. Hauptsächlich geht es in der Theorie um Pflanzenbau, Landtechnik und Tierhaltung. Auch ohne Abi ist das gut machbar.“ Neben Interesse an den Naturwissen ­ schaften sei dabei wichtig, ein bisschen rechnen und logisch denken zu können. Die Praxis erlernt Valentin im Unternehmen und in zusätzlichen überbetrieblichen Lehrgängen im Bildungszentrum in Schwerstedt. „Da geht es gezielt um jeweils ein Thema, wie beispielsweise Holz-­ oder Metallbearbeitung, Bodenbearbeitung oder einzelne Maschinen, wie den Mähdrescher.“ Im Unternehmen gibt es verschiedene Arbeitsbereiche. „Wo genau man wann eingesetzt wird, hängt davon ab, ob man schon den Führerschein hat. Wenn nicht, ist man erstmal mehr im Stall und auf dem Hof, im Getreidelager oder in der Werkstatt.“ Valentin kann schon selbst fahren und ist viel auf den Feldern unterwegs. „Wir bewirtschaften hier 4.000 Hektar und bauen zum Beispiel Weizen, Gerste, Raps und Futterpflanzen an. Wir bereiten die Felder vor, säen aus, düngen und fahren die Ernte ein. Wir arbeiten dabei mit modernen Maschinen, wie GPS ­gesteuerten Mähdreschern, das erleichtert die Arbeit – aber es gibt auch immer noch körperlich anstrengende Aufgaben, wie das Saubermachen der Getreidereinigungsanlage oder das Abblasen der Maschinen. Das sind auch nicht unbedingt meine Lieblingsaufgaben, weil es auch sehr staubig ist. Aber das gehört eben dazu, genauso wie das Instand ­ halten der Gebäude und Betriebsflächen.“ Eigentlich hat Valentin geregelte Arbeitszeiten, aber je nach Bedarf geht es da schon mal länger, in der Erntezeit auch bis Mitternacht. „Während die Meisten im Sommer länger Urlaub machen, ist da bei uns Hochsaison. Wir gleichen dann im Winter aus. Das stört mich aber nicht. Ich wusste ja, worauf ich mich einlasse, und es macht mir Spaß. Ich genieße es, in der Natur zu sein, die frische Luft, die Weite und wenn ich sehe, wie sich die Natur im Jahresverlauf verändert, wie die Pflanzen wachsen und Früchte tragen, das ist immer schön. Ich bin aber auch genauso gern im Stall bei den Lämmern oder arbeite an den großen Maschinen.“

Trotzdem führen Valentins Pläne für die Zukunft erstmal wieder weg von der praktischen Arbeit auf dem Feld und im Stall, denn er möchte nach der Ausbildung studieren – bleibt der Landwirtschaft aber treu. „Ich würde mich gern in Richtung Agrarmanagement- oder ­wissenschaft weiterbilden und später in der Betriebs­- oder Bereichsleitung arbeiten.“ (mü)