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24.07.20

Labor-Allrounder

Das große Thema während der Pandemie? Das sind die Ansteckungszahlen. Täglich werden tausende Coronatests ausgewertet. Und zwar unter anderem von Biologisch-Technischen Assistenten – wenn sie einer entsprechenden Einrichtung arbeiten. Sie haben aber noch viele andere Einsatzgebiete, zum Beispiel in Pharmaindustrie, Lebensmittelindustrie, Forschung und Entwicklung, Landes- und Bundesbehörden.


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Foto: Manuela Müller

Die Ausbildung zum Biologisch-Technischen Assistenten dauert zwei Jahre und kann an staatlichen Berufsfachschulen sowie an privaten Einrichtungen erfolgen; in Erfurt zum Beispiel beim Bildungswerk für  Gesundheitsberufe. Dabei findet neben der Theorie bis auf ein externes vierwöchiges Praktikum auch die gesamte praktische Ausbildung an der Schule statt.

Los geht es mit den Grundlagen in Biologie, Chemie und Mathe. Letzteres wird vor allem für  Berechnungen und Umrechnungen von Maßeinheiten benötigt. In Biologie steht neben Zytologie, also der Wissenschaft der Zelle, auch der Einstieg in die Mikroskopie auf dem Lehrplan. Da geht es zum einen um die mikroskopische Technik. Die ist nicht vergleichbar mit den kleinen Mikroskopen aus dem Schulunterricht und verlangt schon technisches Verständnis. Zum anderen müssen die angehenden BTAs auch die Präparate, die unters Mikroskop kommen, selbst herstellen können. Das heißt, Proben nach Vorgabe entnehmen, sie zu Frisch- oder Dauerpräparaten verarbeiten und sie einfärben. Und schließlich kommt das eigentliche Auswerten dazu. Das kann am Anfang auch erstmal nur das Auszahlen von Zellbestandteilen sein. Im Laufe der  Ausbildung werden die Geräte größer und komplexer und die Proben immer kleiner. Im späteren Berufsalltag sitzen BTAs an riesigen Mikroskopen, die auch mal mehrere hunderttausend Euro wert sind und eben nicht nur Zwiebelzellen sichtbar machen, sondern auch winzige DNA-Spuren.

Auch in der Chemie wird erstmal an das Schulwissen angeknüpft. Herstellen und Trennen von Mischungen und Lösungen zum Beispiel. Dann lernen die Schüler, mit modernsten Analyseverfahren und -geräten zu arbeiten. Wer jetzt aber meint, das Mitdenken kann er sich da ja sparen, ist auf dem Holzweg: Die Biologisch-Technischen Assistenten tragen eine große Verantwortung und müssen nicht nur absolut genau arbeiten und die Geräte überwachen, sondern auch Fehler erkennen. Die Menschen verlassen sich auf die Ergebnisse und die können – wie gerade jetzt überall zu sehen ist – großen Einfluss haben. Deshalb darf auch in stressigeren Zeiten mit erhöhten Arbeitsaufkommen die Konzentration nicht nachlassen.

Grundsätzlich sollte man die Ausbildung nicht unterschätzen. So vielfältig wie das spätere Arbeitsfeld so breit gefächert sind auch die Inhalte: Chemie, Biologie, Mikrobiologie, Biotechnologie, Immunologie, Gentechnologie, Botanik, Zoologie, Technische Physik, Mathematik und Informatik – wer ein Naturwissenschaftsfan ist und sich interdisziplinär betätigen möchte, kommt hier voll auf seine Kosten.

Ausgebildete BTAs arbeiten vor allem in Laboren. Sie bereiten Untersuchungen und Experimente vor, führen sie durch und werten sie aus. Eine Weiterbildung kann durch ein Studium in Biotechnologie, Pharmabiotechnologie oder einer anderen Naturwissenschaftlichen Ingenieursrichtung erfolgen. Wer die Schule ohne Hochschulreife abgeschlossen hat, kann durch eine Verlängerung der Ausbildung um ein halbjähriges Praktikum und das Bestehen zusätzlicher Prüfungen die Fachhochschulreife erlangen und sich für ein Studium qualifizieren. (mü)