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24.04.17

Keramiker - Töpfer-Tradition

Mit den eigenen Händen aus einem Klumpen eine Vase formen, sieht doch gar nicht so schwer aus – gut, wird vielleicht beim ersten Mal nicht ganz gerade, aber das kriegt man hin, oder? Nun, eigentlich eher nicht. Denn bis man aus Ton auch nur so etwas Ähnliches wie ein vernünftiges Gefäß auf die Töpferscheibe zaubern kann, braucht es jede Menge Übung. Wenn man es dann aber kann, hat man sich ein kleines Stück von einem echten Traditionsberuf erarbeitet, so wie Katrina, die einen der seltenen Ausbildungsplätze in einer Töpferwerkstatt bekommen hat.


Ausbildung, Thüringen, Erfurt, Töpfer, Keramiker

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Mit dem Abi in eine Handwerkerlehre? Nicht unbedingt der klassische Weg – auch die 22­jährige Katrina hatte sich erstmal ans Studium gewagt und sich für Philosophie und Lehr­, Lern­ und Trainingspsychologie entschieden. „Es stellte sich aber schnell raus, dass das doch nicht so das Richtige für mich ist. Ich habe nach Alternativen gesucht, auch erstmal wieder nur nach anderen Studiengängen. Darauf lag in der Berufsorientierung bei mir am Gymnasium immer der Fokus. Ich wollte aber dann doch wissen, welche Möglichkeiten ich noch habe.“ Katrina recherchierte auf eigene Faust. „Ich habe mir alles angeschaut, von Hebamme über Programmierer bis hin zu den traditionellen Handwerksberufen wie beispielsweise Töpfer. Gerade der klang so interessant, dass ich mich gleich um ein Praktikum gekümmert hab. Danach konnte ich aufhören, zu suchen. Ich wusste: ,Ich will Töpfer werden‘.“ Überzeugt hatte sie ausgerechnet ein kleiner Misserfolg beim ersten Mal an der Töpferscheibe. „Mir ist der Ton weggeflogen und ich habe gemerkt, das ist gar nicht so einfach, das ist eine Herausforderung. Man lernt hier eine Fähigkeit, die bleibt. Das hat mir gefallen. Und der Beruf zielt darauf ab, dass man selbst etwas herstellen kann. Man ist nicht nur ein kleines Glied in einer Produktionskette und kann unabhängig von anderen überall auf der Welt arbeiten, wo es Lehm gibt.“

Allerdings war es für Katrina gar nicht so einfach, auch eine Lehrstelle zu finden. Es gibt nur noch wenige Töpfer, die ausbilden – geklappt hat es dann ganz kurzfristig in der Möbisburger Töpfermühle in der Nähe von Erfurt. Die Ausbildung zur Keramikerin, wie der Ausbildungsberuf offiziell heißt, dauert drei Jahre. In der Werkstatt geht es am Anfang erstmal darum, ein Gefühl für den Werkstoff Ton und die Werkzeuge zu bekommen. „Der Meister zeigt mir, wie eine bestimmte Form gearbeitet wird, und ich mache es nach. Dass mir dabei dann ganz genau auf die Finger geschaut wird, daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Außerdem kommt man gerade am Anfang schnell an seine eigenen Frustgrenzen, wenn etwas einfach nicht klappen will. Umso schöner ist aber das Gefühl, wenn es dann doch endlich so aussieht, wie es aussehen soll. Außerdem finde ich das menschliche Miteinander im Handwerk sehr spannend. Der Umgangston kann zwar schon mal rauer wirken, aber es ist trotzdem ein enges, fast familiäres Verhältnis untereinander. Das Fachwissen ist wie ein Schatz, der von Generation zu Generation weitergegeben wird und es ist schön, ein Teil davon zu sein.“

Trotz aller Tradition geht es auch für Katrina natürlich nicht ohne Berufsschule. Weil es für Töpfer nicht so viele gibt, fährt sie mehrmals im Jahr für je zwei bis vier Wochen nach Landshut. „Meine Berufsschule ist sehr auf das künstlerische Handwerk ausgelegt. Wichtig ist neben Chemie und Werkstoffkunde deshalb beispielsweise auch Malen. Ich habe ein riesengroßes Interesse an der Kunst und mag die Kombination sehr. Man muss auch nicht unbedingt ein Picasso sein, es geht eher darum, die verschiedene Maltechniken zu lernen und zu wissen, wie man bestimmte Effekte erzielt.“

Bis sie das Gelernte umsetzen kann, muss sie jedoch erstmal die grundlegenden Techniken der Töpferei beherrschen. „Hier in der Werkstatt können wir alles selbst machen, also töpfern, brennen, glasieren und verzieren – aber man lernt immer eins nach dem anderen. Ich bin noch im ersten Lehrjahr und muss sehr viel an der Töpferscheibe üben, um die Formen wirklich gut umsetzen zu können. Das geht manchmal schon ganz gut, und manchmal gar nicht. Der Ton merkt, wenn man nicht gut drauf ist, und dann wird’s nichts.“ Den verunglückten Ton muss Katrina selbst neu aufbereiten. „Zum Wegschmeißen ist der viel zu schade. Damit man ihn wiederverwenden kann, muss die Luft rausgeschlagen werden. Das machen wir hier von Hand. Das ist wirklich anstrengend und die einzige Sache, die mir keinen Spaß macht. Aber ich habe auf jeden Fall schon mehr Muskeln als zu Beginn meiner Ausbildung.“ Die braucht Katrina dann nicht nur zum Tonschlagen, sondern auch zum Tragen. „Wir sind viel auf Märkten unterwegs, da muss jede Menge verladen, aufgebaut und eingeräumt werden.“

Die Töpferei ist eines der ältesten Handwerke, ganz ohne moderne Technik wird aber auch hier nicht gearbeitet. Die Brennöfen zum Beispiel sind zum größten Teil computergesteuert. „Die zu bedienen, lerne ich auch noch. Grundsätzlich lernt man in diesem Beruf nie aus. Auch die Meister finden immer wieder neue Herausforderungen.“ (mü)