Abo-Service nutzen
< Humangeografie (FSU Jena)
20.04.18

Kaufleute für Dialogmarketing - Ein Ohr für den Kunden

„Mein Ziel war immer ein kaufmännischer Beruf – durch die vielen Praktika während der Schulzeit hatte ich gemerkt, dass mir das einfach liegt. Allerdings war mir wichtig, viel mit Kunden zu tun zu haben und nicht nur allein mit Zahlen in einem Büro zu sitzen“, erzählt Sebastian (19). Bei der Suche nach einem Ausbildungsunternehmen sei er auf die Deutsche Telekom gekommen, die unter anderem Kaufleute für Dialogmarketing ausbildet. „Ich kannte diesen Beruf noch nicht, hab mich aber da ein bisschen reingelesen und dann beworben.“ Sebastian bekam die Stelle und steht nun kurz vor den Abschlussprüfungen.


Ausbildung, Thüringen, Marketing, Dialogmarketing, Kaufleute

Foto: Manuela Müller

Dialogmarketing - das Wichtigste steckt schon in der Bezeichnung: Es geht um Marketing, also Werbung, und um den Dialog, das heißt, das Miteinander ­ reden. Mitarbeiter des Unternehmens sprechen direkt mit den Kunden. "Ich telefoniere sozusagen hauptberuflich. Und zwar in zwei Bereichen: Im In-bound­-Bereich rufen die Kunden selbst an, weil sie zum Beispiel Fragen zu ihrem Vertrag oder zum Tarif haben oder ein technisches Problem melden wollen. Im Out-bound­-Bereich, der sogenannten Akquise, rufe ich die Kunden an. Da geht es dann um den Verkauf, also Dinge wie Vertragsverlängerungen, neue Produkte und Angebote."

Während der dreijährigen Ausbildung durchläuft Sebastian beide Bereiche. Angefangen hat er im In-bound. "Bevor ich selbst telefonieren durfte, bekam ich eine Einweisung in das System. Dann gab es Schulungen zur Gesprächsführung. Außerdem hatte ich einen Paten, dem ich erstmal nur zuhörte." Nach eineinhalb Monaten durfte Sebastian dann selbst Anrufe entgegennehmen, sein Pate war aber als Unterstützung immer noch dabei. "Am Anfang hat es schon etwas Überwindung gekostet. Ich bin aber schnell reingekommen. Ich spreche gern mit Leuten und es hat gleich richtig Spaß gemacht."

Im Out-bound-­Bereich wird zwar auch telefoniert, allerdings ist es dann Sebastian, der die Kunden anruft. "Da es hier um den Verkauf geht, gibt es zur Vorbereitung auch noch einmal spezielle Schulungen dazu, wo man lernt, Verkaufsgespräche zu führen, die Kunden einzuschätzen und entsprechend zu reagieren. Jeder Kunde ist anders, manche reden mehr, manche weniger - man muss auch die Kleinigkeiten heraushören und ein Gefühl dafür entwickeln, was der Kunde will. Das war für mich die größte Herausforderung. Jetzt, nach fast drei Jahren, klappt das schon ganz gut."

In der Praxis spielen die kaufmännischen Inhalte wie Buchhaltung, Rechungswesen und Personalplanung zwar keine so große Rolle, in der theoretischen Ausbildung in der Berufsschule gehören sie zu einem kaufmännischen Beruf aber dazu. "Da geht es tatsächlich viel um Zahlen, Wirtschaft, Unternehmensführung und Buchhaltung und auch um Projektmanagement." Ein weiterer Teil der Ausbildung sind Lehrgänge im Bildungszentrum und unternehmensinterne Workshops und Schulungen.

"Was mir an meinem Beruf besonders gut gefällt, ist nach wie vor die Arbeit mit den Kunden. Ich lerne immer wieder neue Menschen kennen, führe so viele tolle, interessante Gespräche, in denen ich auch viel Persönliches über die Kunden erfahre." Das eigentliche Ziel, also die Beratung oder den Verkauf, sollte Sebastian dabei natürlich nicht aus den Augen verlieren. "Aber es geht eben auch um die Betreuung und nicht darum, so viele Gespräche wie möglich zu führen, das finde ich toll. Es gibt zwar auch Kunden, die mal schlecht gelaunt und unfreundlich sind. Doch wenn man sich auf den Kunden einlässt, kann man selbst solche Gespräche noch drehen und das motiviert mich umso mehr." Sebastian hat schon die Zusage für die Übernahme nach der Ausbildung. "Mein Ziel ist es, später noch die Weiterbildung zum Betriebswirt zu machen." (mü)