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< BWL Studienrichtung Handel (DHGE Gera)
13.04.15

Industriekaufleute - Alle Tassen im Schrank?

OK, das ist eigentlich keine sehr charmante Frage, es sei denn, sie ist ganz wörtlich gemeint und es geht tatsächlich um das Porzellan im Küchenschrank oder der Vitrine. Wenn das nämlich ausgeht, hilft ein Anruf bei der Kahla/Thüringen Porzellan GmbH. Wenn es dabei dann um einen größeren Auftrag, also zum Beispiel um die Bestellung von Werbegeschenktassen oder Firmeninventar geht, ist das ein Fall für Andrea. Die 25­Jährige, die im Unternehmen als Industriekauffrau ausgebildet wird, bearbeitet dort zurzeit in der Werbeartikelabteilung „Artvertising“ genau diese Art von Anfragen und sorgt dafür, dass die Kunden all die Tassen – oder andere Porzellanprodukte – im Schrank haben, die sie brauchen.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Wer mit 25 Jahren im ersten Lehrjahr ist, hat in der Regel schon den ein oder anderen Schritt auf dem Ausbildungsweg hinter sich. Andrea hatte zunächst Geschichte, Politik­ und Wirtschaftswissenschaften studiert „und erfolgreich abgebrochen“, wie sie selbst sagt. Die wirtschaftlichen Inhalte lagen ihr, nur praktischer als ein Studium sollte es sein. „Also habe ich mich noch mal neu umgesehen. Den Beruf Industriekauffrau kannte ich durch verschiedene Praktika. Mir gefiel, dass das zwar im kaufmännischen Bereich, aber dennoch sehr vielfältig ist.“ Als Industriekauffrau könnte Andrea in allen Industriebranchen arbeiten. „Es ist egal, ob das Unternehmen Beton herstellt, medizinische Geräte oder eben Porzellan. Wenn man sich dabei für einen Bereich entscheidet, der einen selbst interessiert, macht es natürlich gleich noch mehr Spaß. Ich hatte schon immer einen Faible für Porzellan, auch wenn mir das früher gar nicht so bewusst war und habe einfach auch selbst Interesse an den Produkten, die wir hier herstellen.“

Andrea lernt während ihrer Ausbildung alle Abteilungen des Unternehmens kennen. „Wir aus dem kaufmännischen Bereich machen zum Beispiel auch die Werksführungen für die Besucher. So wissen wir genau, was wo und wie abläuft und haben einen direkten Einblick in die Produktion.“ Der größte Teil der Arbeit der Industriekaufleute findet dann aber doch ganz klassisch im Büro statt. In jeder Abteilung gibt es dazu verschiedene Aufgaben. Im Artvertising, wo Andrea zurzeit ist, werden unter anderem die eingehenden Aufträge der Werbekunden bearbeitet. „Ich höre mir immer erstmal an, was der Kunde möchte und wie wir das umsetzen können. Dann erstelle ich Angebote und verschicke gegebenenfalls Muster. Bei diesen Bestellungen geht es nicht um ein oder zwei Tassen, sondern um größere Bestellungen. Dafür werden zum Teil auch ganz neue Designs und Dekore kreiert. Wir arbeiten deshalb viel direkt mit den Produktentwicklern zusammen.“ Als Auszubildende lässt Andrea die fertigen Angebote immer noch mal kontrollieren. „Bei kleineren Aufträgen kann ich aber schon allein entscheiden. Das Schöne dabei ist, dass nicht ein Auftrag wie der andere ist, weil man immer mal ein bisschen rumtüfteln muss, bis alles passt. Das macht dann aber umso mehr Spaß.“

In der Berufsschule lernt Andrea alles, was sie an theoretischem Wissen braucht. „Momentan haben wir viel Rechnungswesen, Kalkulation und Produktwirtschaft. In der Berufsschule wird nicht nach den Branchen unterschieden, da lernen alle Industriekaufleute zusammen.“ Andrea hat aufgrund ihrer Vorkenntnisse aus dem Studium keine Probleme, beim Stoff mitzukommen. „Manche haben da schon ein bisschen zu tun, wichtig ist auf jeden Fall, dass man in Mathe gut ist und sich für wirtschaftliche Inhalte interessiert.“ In der Praxis kommt es dann nicht nur darauf an, die Theorie umzusetzen, sondern sich im Arbeitsalltag zurechtzufinden. „Man muss sich in die Computerprogramme einarbeiten, Arbeitsabläufe verstehen und sich an die Arbeit mit Kunden gewöhnen. Das klappt bei mir bisher sehr gut.“ Andreas Ausbildung dauert insgesamt drei Jahre. Sie könnte sich vorstellen, danach doch noch einmal ein betriebswirtschaftliches Studium anzufangen. „Dann aber nur berufsbegleitend. Mir macht die Arbeit hier so viel Spaß, dass ich auf jeden Fall weitermachen möchte.“ (mü)