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01.07.14

Immobilienkaufleute - Ein "echtes" Makler-Mädchen

Wenn die Darsteller der Pseudo-Doku-Soap „mieten, kaufen, wohnen“ im täglichen Vorabendprogramm Immobilien unters Volk bringen, sieht deren Arbeit doch recht „easy“ aus. Hier den Interessenten eine Wohnung präsentieren, sie dort durch ein Haus führen und spätestens nach der dritten Besichtigung gibt’s den Vertragsabschluss mit einer dicken Provision. Ob so auch Lisas Arbeitstag aussieht? Sie ist 22 Jahre alt und als Auszubildende Immobilienkauffrau auf dem „echten“ Immobilienmarkt unterwegs.


Foto: Engel & Völkers

Lisa ist im zweiten Ausbildungsjahr beim Immobilienbüro Engel & Völkers in Jena. Sie hatte sich nach der Schule zunächst für die Lehre zur Hotelfachfrau entschieden, aber bald gemerkt, dass das doch nicht das Richtige für sie war. „Ich denke, Arbeit sollte mehr als nur eine Pflicht sein, sondern auch Spaß machen. So war es damals aber nicht, deshalb habe ich mich nach einer Alternative umgesehen. Da mich Immobilien schon länger interessiert hatten, bin ich dann auf die Immobilienkauffrau gekommen.“ Um sich beim zweiten Anlauf sicher zu sein, entschied Lisa, erstmal ein längeres Praktikum bei Engel & Völkers zu machen. „Das hat mir gut gefallen, also habe ich dort auch im Anschluss die dreijährige Ausbildung angefangen.
Da Lisa in einem reinen Immobilienbüro arbeitet, gehören zu ihren Aufgaben tatsächlich das Präsentieren und Veräußern, also Verkaufen, von Wohnungen und Häusern – so wie bei den TV-Maklern. „Aber das ist eigentlich der kleinste Teil“, erklärt sie: „Im Fernsehen wird nicht gezeigt, wie viel Arbeit dahinter steckt, ein Objekt überhaupt zu bekommen, das man dann vermieten oder verkaufen kann. So muss man im Vorfeld zum Beispiel viel mit Behörden sprechen, sich um benötigte Unterlagen kümmern und Sachverhalte für die Eigentümer klären.“ Außerdem wertet Lisa Immobilien ein, das heißt, sie ermittelt den Marktwert, stimmt Marketingkonzepte ab, schreibt Exposés und erstellt Präsentationen zu den Objekten, bereitet Notarverträge vor und führt Verhandlungen zwischen Käufer und Verkäufer. „Diese Ausbildung kann aber auch bei einer Verwaltung oder Genossenschaft absolviert werden, da stehen dann andere Aufgaben an, wie beispielsweise Eigentümerversammlungen organisieren und leiten, Immobilien verwalten, Betriebskostenabrechnungen erstellen oder Bauprojekte leiten.“ Die Aufgaben in diesem Beruf seien einfach sehr weit gefächert. Lisa könnte sich allerdings nicht vorstellen, in die Verwaltung zu gehen, „dafür bin ich zu gern unterwegs. Als Makler immerhin fast 70 Prozent meiner Arbeitszeit. Da ich schon fast drei Jahre hier bin, kann ich auch schon selbstständig arbeiten und Besichtigungen allein durchführen.“
Natürlich ist aber trotzdem immer jemand in der Nähe, wenn Lisa mal eine Frage hat oder nicht weiter kommt. Das kann bei dem sehr umfangreichen Fachwissen, das man als Makler haben muss, schon ab und zu mal vorkommen. Der Theorieunterricht in der Berufsschule – der blockweise für zwei Wochen alle drei bis sechs Monate in Gera stattfindet – ist stark kaufmännisch geprägt. Neben Buchhaltung stehen berufsbezogene Inhalte wie Baukonstruktion, Bauprojektmanagement, Mietrecht, Verwaltung von Wohneigentum, Veräußerung von Wohneigentum und Finanzierung im Mittelpunkt. „Das ist wirklich ganz schön viel, selbst nach meinem Praktikum hätte ich das nicht erwartet“, so Lisa. Andererseits könne sie vieles von dem, was sie eigentlich für den Beruf lernt, auch im Privaten anwenden. „Jeder wohnt schließlich irgendwo. Ich kann zum Beispiel selbst überprüfen, ob meine Nebenkostenabrechnung stimmt.“
Was Lisa an ihrem Beruf sonst noch besonders gut gefällt? „Man hat sehr viel Abwechslung, jeden Tag mit anderen Menschen zu tun und kann ihnen helfen, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Das macht einfach wahnsinnig viel Spaß. Außerdem lernt man nie aus. Die Gesetzgebung ändert sich oft und man muss immer auf dem aktuellsten Stand sein.“ (mü)