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02.03.20

Hörakustiker - Der Hörhelfer

„Hä, wie bitte?“ Wie wichtig ein gutes Hörvermögen ist, merkt man immer erst, wenn es nicht mehr richtig funktioniert – man den Gegenüber nicht mehr versteht, sich die Nachbarn beschweren, weil der Fernseher zu laut ist, oder man denkt, der Lautsprecher vom Handy sei defekt. Und dann steht man früher oder später in einem Laden für Hörgeräte, um sich mit so einer Hörhilfe ausstatten zu lassen. Da jeder andere Beschwerden und ganz eigene Bedürfnisse hat, sind an dieser Stelle Fachleute gefragt – die Hörakustiker, wie Silas (21), der in wenigen Monaten seine Ausbildung im Prooptik Hörzentrum beenden wird.


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Foto: Manuela Müller

Silas hat selbst keine Probleme mit dem Hören – was für einen Hörakustiker allerdings gar nicht so ungewöhnlich wäre, da viele erst über das Tragen eines Hörgerätes auf diesen Beruf aufmerksam werden. „Ich hingegen bin durch meine Ausbildung als Augenoptiker darauf gekommen, denn ich bin in einem Unternehmen, das beide Bereiche abdeckt, was heute immer häufiger der Fall ist.“ Mit einer weiteren Ausbildung wollte er mehr Abwechslung in seinen Arbeitsalltag bringen und sich fachlich breiter aufstellen.

Zu Silas kommen Menschen, die nicht mehr richtig hören. „Sie kommen mit einer Verordnung vom Facharzt. Nach einem ersten Gespräch geht es zum Hörtest. Ich habe verschiedene Geräte, mit denen ich das aktuelle Hörvermögen des Kunden erfasse und feststelle, ob ein Hörgerät gebraucht wird. Dann geht es weiter mit der Beratung. Wir klären, was möchte der Kunde, was braucht er, welche Möglichkeiten gibt es und welches Gerät ist das Richtige. Ich stelle das Gerät ein und der Kunde hat erstmal Zeit, es zu Hause zu testen. Er kommt dann zur Auswertung wieder. Ist er zufrieden, gibt es nochmal eine abschließende Messung und ich kümmere ich mich anschließend um die Abrechnung mit der Krankenkasse. Wenn nicht, suchen wir nach einem anderen Gerät – solange, bis wir das passende gefunden haben. Und natürlich bin ich weiter für den Kunden da, wenn er Probleme hat oder das Gerät gewartet oder gereinigt werden muss.“

Die Hörgeräte selbst werden vom Hersteller geliefert. „Früher hieß der Beruf Hörgerätakustiker, weil man noch mehr selbst am Gerät gearbeitet hat, selbst gelötet und Reparaturen vorgenommen hat. Heute ist das alles viel moderner. Da steckt zum Teil mehr Technik drin als in einem Smartphone, obwohl ein Hörgerät viel kleiner ist. Die Einstellung erfolgt über den Computer. Beim Anfertigen der Ohrteile, die später direkt im Ohr des Kunden getragen werden, ist etwas mehr handwerkliches Geschick gefragt. Den Abdruck muss ich selbst nehmen. Während der Ausbildung lerne ich auch, wie das Stück von Hand gefräst wird. In der Regel wird der Abdruck aber ins Labor geschickt und ich bekomme ein fertiges Ohrstück zurück.“

Das Fachwissen, welches Silas für seine Arbeit braucht, lernt er in der Berufsschule. Dort stehen unter anderem Anatomie und Pathologie, Hörgerätetechnik- und ­einstellung, Audiologie, audiologische Beratung, Psychologie, Buchhaltung, Abrechnung mit den Krankenkassen und auch Qualitätskontrolle auf dem Lehrplan.

Das Schöne an diesem Beruf sei die Kombination von Handwerk, Arbeit mit und am Menschen und moderner Technik. „Wichtig ist, nicht nur Interesse an der Hörakustik sondern auch Freude am Umgang mit Menschen zu haben. Mir macht es besonders viel Spaß, einem Kunden die Technik näher zu bringen und dann natürlich mitzuerleben, wie glücklich ein Kunde ist, wenn er ein Stück Lebensqualität zurückbekommt und plötzlich wieder die Stimme seiner Angehörigen hört.“ (mü)