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< Sonder- und Integrationspädagoge: Die will doch nur spielen
01.11.16

Heilerziehungspfleger - Ziemlich beste Freundin

Ein junger Mann bewirbt sich auf eine Stelle, die er eigentlich gar nicht möchte und wird genommen. Er wird zum persönlichen Betreuer eines anderen Mannes, der vom Hals abwärts gelähmt ist, überwindet anfängliche Schwierigkeiten im Umgang mit ihm und die beiden werden ziemlich beste Freunde – soweit zum Kinohit. Ganz so einfach ist das abseits der Leinwand zwar nicht, aber die Menschen, die sich um andere kümmern, ihnen helfen, trotz verschiedenster Beeinträchtigungen ein möglichst selbstständiges Leben zu führen, gibt es tatsächlich – nur nennt man sie nicht ziemlich beste Freunde, sondern Heilerziehungspfleger, wie Gundel aus Erfurt.


Ausbildung, Thüringen, Soziale Berufe, Heilerziehungspfleger

Bild: Manuela Müller/WiYou.de

Beim Beruf Heilerziehungspfleger denkt man oft erst einmal an Arbeit mit Kindern, in Kindertagesstätten zum Beispiel. Das gehört auch dazu, aber Heilerziehungspfleger haben ein noch viel größeres Einsatzfeld. Sie kümmern sich um Menschen aller Altersstufen, und zwar in Einrichtungen, aber auch im häuslichen Umfeld. „Ich wollte schon immer im sozialen Bereich arbeiten und möglichst viel mit Menschen zu tun haben, sie dabei unterstützen, Dinge zu erreichen, die sie schaffen möchten. Ich denke, da kann ich mich und meine Stärken am besten einbringen“, erklärt Gundel ihre Berufswahl. Sie ist im zweiten Jahr der schulischen Ausbildung an der Privaten Fachschule für Wirtschaft und Soziales in Erfurt.

Im Mittelpunkt der Theorie stehen hier die pädagogischen, psychologischen, medizinischen und soziologischen Kenntnisse. Die Ausbildung basiert auf einem interdisziplinären Modulplan, die Fachbereiche greifen ineinander über. So lernt Gundel zum Beispiel die Entwicklungsstufen des Menschen kennen, ebenso wie mögliche Beeinträchtigungen und Entwicklungsstörungen und wie man darauf reagieren kann. „Die Aufgabe der Heilerziehungspfleger ist es, mit diesem Wissen Konzepte zu erstellen und die Beeinträchtigten zu unterstützen. Wenn zum Beispiel ein Kind eine Lernschwäche hat, guckt man, ob man durch gezielte Förderung, wie Lernspiele im Kindergarten, helfen kann. In der Schule können wir als Einzelbetreuer die Kinder begleiten und beispielsweise im Unterricht den Lehrstoff noch einmal so aufbereiten, dass sie ihn verstehen, sie bei den Hausaufgaben unterstützen oder ihnen helfen, sich überhaupt im Schulgebäude zurechtzufinden. Ebenso können wir in Wohneinrichtungen für Menschen mit Unterstützungsbedarf eingesetzt werden und dort bei der Körperpflege, beim Essen oder bei der Freizeitgestaltung helfen. Wobei auch da immer der pädagogische Aspekt im Vordergrund steht. Es geht nicht darum, den Menschen etwas abzunehmen, sondern ihnen beizubringen, wie sie trotz einer Einschränkung agieren können. Das ist ein großer Unterschied zu den anderen Pflegeberufen.“

Heilerziehungspfleger können auch in Werkstätten für Menschen mit Behinderung, in Förderschulen oder Rehabilitationszentren tätig sein. „Die Arbeitsbereiche sind sehr vielfältig. Aber egal wo man später eingesetzt wird, neben Fachwissen braucht man auf jeden Fall viel Kreativität. Einmal, um sich immer wieder neue Spiel- und Fördermöglichkeiten auszudenken und dann auch, um Strategien zu entwickeln und für jeden Menschen individuelle Lösungen zu finden. Zudem muss man psychisch belastbar sein, auch von der Arbeit abschalten können und das, was man im Beruf erlebt, nicht mit nach Hause nehmen, auch wenn das grad bei der Arbeit mit Kindern manchmal nicht so einfach ist.“

Während der Ausbildung ist ein mehrwöchiges Praktikum in jedem Schuljahr Pflicht. „So kann man zum einen das Gelernte in der Praxis anwenden und zum anderen gucken, in welchem Gebiet man sich wohl fühlt. „Ich habe das erste Praktikum in einer integrativen Kindertagesstätte gemacht. Das hat mir sehr gut gefallen und ich könnte mir das für später vorstellen, aber ich möchte noch andere Bereiche kennenlernen, bevor ich mich entscheide.“ (mü)