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01.04.13

Hauswirtschafter - Das bisschen Haushalt – macht sich von allein?

Leider nicht. Das Zimmer versinkt im ungeordneten Chaos, wegen akutem Mangel an sauberen Tassen wird aus der Kanne getrunken und die letzte Hose hängt befleckt überm Stuhl – Zeit für Hausarbeit oder einen verzweifelten Rückzug ins Hotel Mama. Nicht für Julia. Die 19-Jährige macht eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin im Reha-Zentrum Bad Frankenhausen und muss über solche „Kleinigkeiten“ eher schmunzeln.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Julia war nach ihrem Schulabschluss auf der Suche nach einem Beruf, bei dem man viel Kontakt zu Menschen hat, nicht nur in einem Büro sitzt und nicht jeder Arbeitstag gleich ist. „Ich habe ein bisschen recherchiert und bin auf die Ausbildung zum Hauswirtschafter im Reha-Zentrum Bad Frankenhausen gestoßen.“ Das passte irgendwie, denn anders als viele denken, steckt hinter diesem Beruf viel mehr, als „nur“ Putzen. „Gerade in so einer Klinik wie hier gibt es sehr viele abwechslungsreiche Arbeitsbereiche. Die Küche und der Service sind zum Beispiel genauso wichtig, wie das Reinigen der Zimmer auf den Stationen. Letzteres sei dabei übrigens eine der Sachen, die Julia besonders viel Spaß mache. „Klar, das klingt erstmal nicht so toll, wenn ich sage, dass ich gern die Zimmer reinige, aber mir macht das wirklich auch Spaß. Ich sehe immer sofort, was ich geleistet habe und schließlich freuen sich auch die Patienten, wenn sie in ein sauberes Zimmer kommen.“ Außerdem ist das eine Arbeit, die die angehenden Hauswirtschafter auch schnell selbstständig machen dürfen. In der Küche zum Beispiel ist das schon was anderes. Wenn da das Fleisch anbrennt oder die Suppe ungenießbar versalzen wird, bleiben 200 Patienten hungrig. „Ich lerne zwar auch Kochen und Backen, aber hier sind meine Aufgaben eher, dem Koch zuzuarbeiten, Salate anzurichten oder auch Platten für Frühstück und Abendbrot vorzubereiten.“ Auch müssen die Patienten dank Julia nicht mit den Fingern essen oder selbst vor der Küche anstehen: „Ich decke auch die Tische mit ein oder serviere die Gerichte.“
Oft sei die Ausbildung zum Hauswirtschafter nur schulisch, erklärt Julia, „hier ist das schon etwas anderes, denn man ist vollständig in die Arbeitsprozesse integriert.“ Das heißt zwar auch mehr Verantwortung, ist aber auch ein Vorteil, denn man lernt eben auch gleich das „echte“ Berufsleben kennen. Und das kann schon sehr anstrengend sein. Ein Bett machen ist nicht das Problem, aber wenn man mal eine Schicht lang nichts anderes macht und es dann schnell auch mal zwanzig Betten sind, möchte man sich eigentlich nur noch selbst in eines hineinlegen.


Auch die Theorie sei nicht zu unterschätzen. „Jeder denkt, Wäsche waschen zum Beispiel ist nicht schwer, aber wenn man es professionell macht, ist das eben noch einmal was anderes. Es gibt sehr strenge Hygienevorschriften, die muss ich alle kennen und natürlich auch anwenden.“ Das lernt Julia zum Teil direkt im Haus und auch in der Berufsschule in Artern. Dort gibt es verschiedene Lernfelder, die befassen sich unter anderem eben mit Hygiene, Wäschepflege, der Arbeit in der Küche oder auch mit Wirtschaft, Einkauf und Warenlagerung. „Das ist schon sehr viel Lernstoff, heißt aber auch, dass ich in vielen verschiedenen Bereichen ausgebildet werde und so später auch sehr flexibel einsetzbar bin.“


Ihre späteren Arbeitsplätze könnten zum Beispiel Kliniken, Wohn- und Betreuungseinrichtungen für Kinder, Senioren oder Menschen mit Behinderung, Jugendherbergen, Hotels, Ferienanlagen aber auch landwirtschaftliche Betriebe oder Privathaushalte sein. „In der Hauswirtschaft geht es darum, sich um Menschen zu kümmern und sie zu versorgen. Das mache ich sehr gern und die Arbeit wird mir, egal wo ich später arbeite, sicher nicht ausgehen.“ (mü)