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01.04.14

Graveur - Stichelei am Arbeitsplatz

Wenn die 24jährige Maria und ihre Kolleginnen im Staatlichen Berufsbildungszentrum Suhl/Zella-Mehlis anfangen zu sticheln, dann nicht, weil sie sich gegenseitig ärgern wollen, sondern weil es zu ihrer Arbeit gehört. Sie sticheln sich dabei natürlich auch nicht gegenseitig, sondern als angehende Graveurinnen unter anderem Jagdszenen auf Schmuckwaffen. Und lernen dabei einen Beruf, der bei vielen schon in Vergessenheit geraten ist.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Auch Maria wusste bis vor zwei Jahren gar nicht, dass es den Beruf Graveur noch gibt. „Ich habe zufällig in einer Zeitung darüber gelesen. Ich hatte zwar studiert, aber mich da nicht richtig wohlgefühlt und war auf der Suche nach einer Ausbildung.“ Eigentlich sollte es mehr in die schreiberische Richtung gehen, aber auch das Zeichnen lag Maria schon seit ihrer Kindheit. „Graveur schien mir jedenfalls das Richtige zu sein, und ich habe mich ganz spontan in der Schule in Suhl beworben. Denn wir Graveure in Suhl werden schulisch ausgebildet. Das heißt, wir haben kein Unternehmen als Ausbildungsbetrieb.“ Maria hat dazu theoretischen Unterricht im Block von je sechs bis acht Wochen an der Staatlichen Berufsschule in Arnstadt, fachpraktischen Unterricht in Suhl und dazu 14 Wochen Betriebspraktikum.
„Das Gravieren ist ein traditionelles Handwerk, das wir hier von Grund auf lernen“, erklärt sie. „Unsere Werkzeuge sind hauptsächlich Hammer und Stichel, mit denen wir Schrift, Ornamente oder auch richtige Bilder in verschiedene Oberflächen gravieren.“ In den meisten Fällen sind diese Oberflächen aus Metall, manchmal aber auch aus Kunststoff. Bei Maria geht es speziell um das Verzieren von Waffen. Graveure bearbeiten aber zum Beispiel auch Prägewerkzeuge für Münzen, Messer, Türschilder und Schmuck. Die grundlegende Arbeit dabei sei aber immer dieselbe. „Man muss erstmal die Oberfläche reinigen. Sie darf auch keine Kratzer oder Roststellen mehr haben, deshalb wird sie, wenn nötig, auch noch geschliffen und poliert; und zwar von Hand. Das geht zwar auch mit Maschinen, aber in der Ausbildung lernen wir die Grundtechniken ohne Hilfsmittel. Als nächstes werden dann die Motive übertragen. Dafür benutze ich Vorlagen oder zeichne selbst etwas vor.“ Graviert wird dann mit Hammer und Stichel. „Die Techniken kann man lernen, das Zeichnen im Grunde auch, aber ein bisschen Talent sollte man schon mitbringen“, sagt Maria. Sie selbst graviert am liebsten Tiere und Jagdszenen: „Das gelingt mir auch am Besten. Was nicht heißt, dass ich nicht auch üben muss.“ Gerade am Anfang brauche man viel Geduld und Zeit. Weil dafür der Unterricht nicht immer ausreicht, hat Maria auch zu Hause einen Schraubstock und opfert die eine oder andere Stunde Freizeit. „Ich arbeite gern künstlerisch, da stört mich das nicht.“ Motiv ist übrigens nicht gleich Motiv. Was auf eine Waffe kommt, hängt vom Modell ab. „Jagd war nicht unbedingt ein Thema, was mich privat sehr interessiert hat“, gibt Maria zu, „aber es gehört eben dazu und ist auch nicht wirklich ein Problem. Und schließlich kann auch ein Jagdbild am Ende richtig schön und sogar dreidimensional aussehen.“ Dazu legt Maria dann den Stichel weg und bearbeitet mit einer Zeichennadel die hellen Effekte. „Dann wird noch einmal geschliffen und poliert, bis das ‚Schmuckstück‘ fertig ist.“ In der Berufsschule lernt Maria die Techniken und Arbeitsmaterialien kennen. „Wir haben zum Beispiel Werkstoffkunde, aber auch Maschinen- und Gerätetechnik. Denn auch Graveure müssen Software auf CNC-Gravierfräsmaschinen anwenden oder einen Laser programmieren können.“ Das sei vor allem für die spätere Arbeit wichtig, „denn so ist man nicht nur im Handwerksbetrieb, sondern auch in der Industrie einsetzbar.“ Ob
letzteres für Maria eine Option ist, weiß sie noch nicht. „Ich denke, das Wichtigste in diesem Beruf ist, Erfahrung zu sammeln und besser zu werden, und das ist erstmal mein Ziel.“ (mü)