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< Ernährungswissenschaften (Uni Jena)
13.02.17

Gesundheits- und Krankenpfleger - Schwester Hannah

Als Gesundheits-­ und Krankenpfleger arbeiten doch die, die schon als kleine Kinder wussten, dass sie sich später einmal um Kranke kümmern, andere pflegen möchten – eben die, die schon zum Kinderfasching mit Schwesterhaube und Spritze posierten – denn diesen Beruf wählt man nicht eher zufällig, oder? Nun, also bei der 25-­jährigen Hannah war es zumindest erstmal nicht geplant, als „Schwester Hannah“ im St. Nepomuk Krankenhaus in Erfurt zu landen.


Ausbildung, Thüringen, Erfurt, Gesundheits- und Krankenpfleger, Krankenhaus

Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Nach dem Abi ging es für Hannah erstmal an die Uni zum Studium: „Nur hatte ich gar kein richtiges Ziel – und wollte dann doch nicht so blind weitermachen, deshalb hab ich abgebrochen und erstmal ein FSJ eingeschoben, das ich zur Orientierung nutzen wollte. Das fand zwar in einem kulturellen Bereich statt, hat aber mein Interesse für soziale Berufe geweckt.“ Ein Freund, der als Pfleger auf einer Intensivstation arbeitet, hat Hannah dann auf den Beruf Gesundheits-­ und Krankenpfleger gebracht. „Ich habe im Eilverfahren das geforderte Praktikum abgeleistet, mich beworben und so meinen Traumberuf gefunden. Denn auch wenn ich ihn anfangs gar nicht auf dem Schirm hatte, sind mit jedem Tag des Tuns das Interesse und die Liebe dazu gewachsen. Besonders, so sagt sie, schätze sie das Gefühl, einen Sinn in ihrer Arbeit zu sehen. „Auch wenn es scheinbar banale Dinge sind. Wenn ich nach dem Dienst nach Hause gehe, weiß ich: Wegen mir hat heute jemand etwas gegessen. Und das fühlt sich einfach gut an.“

Zu Hannahs Aufgaben gehört aber natürlich nicht nur, Patienten beim Essen zu unterstützen. „Aber es beginnt schon mit der Grundpflege der Patienten, also mit waschen, anziehen und eben beim Essen unterstützen.“ Dazu kommen Dinge wie Infusionen richten, Medikamente austeilen und verabreichen, Umlagern und auch Verbände wechseln. Die Aufgaben variieren aber. „Auf der Kardiologie oder der Intensivstation, wo die Patienten bettlägerig sind, ist die Pflege viel intensiver als zum Beispiel auf der Gynäkologie, wo sie körperlich relativ fit sind und sich selbst waschen können, oder auf der Psychiatrie, wo es mehr um die Begleitung geht.“

Hannah ist bereits im dritten Jahr der dreijährigen Ausbildung. Diese findet in einer Pflegeschule und im Krankenhaus statt. „Man beginnt mit einer längeren Einführungsphase in der Schule, wo man nur kurz zum Schnuppern auf die Station geht. Dann kommt das Probehalbjahr auf einer festen Station bis zur ersten Prüfung. Die entscheidet, ob man die Ausbildung weiter machen darf. Wenn ja, wechselt man von da an immer monatlich zwischen Schule und Praxis, bis man am Ende die Prüfung zur examinierten Gesundheits-­ und Krankenpflegerin macht. Damit man möglichst viele Fachbereiche kennenlernt, kommt man dabei immer wieder auf eine neue Station. Das ist meiner Meinung nach auch eine der größten Anforderungen der Ausbildungszeit. Man muss sehr flexibel sein, sich jedes Mal in einen anderen Bereich einarbeiten und auch in ein neues Team integrieren.“

In der Theorieausbildung stehen die Pflege und die Medizin im Mittelpunkt. Hannah führt aus, was der Arzt anordnet, braucht aber trotzdem viel medizinisches Wissen. Sie ist diejenige, die den ganzen Tag direkt mit dem Patienten zu tun hat. „Ich muss genau wissen, auf was ich achten muss, sehen, wie die Patienten auf Medikamente reagieren und Rückschlüsse ziehen. Ich bin die, die den Arzt informieren muss. Dazu gehört auch, alles ganz genau zu dokumentieren. Jeder Patient bekommt eine Akte, die sogenannte Pflegekurve. Das muss sehr korrekt gemacht werden, weil so viele verschiedene Instanzen im Krankenhaus aber auch außerhalb zusammenarbeiten müssen.“

Eine weitere, für viele vielleicht die größte, Herausforderung neben dem Fachlichen ist, fremden hilfsbedürftigen Menschen sehr nah zu kommen. „Ich bin ein offener Mensch, aber am Anfang habe ich da schon ein bisschen Respekt gehabt, doch man gewöhnt sich sehr schnell daran. Wichtig ist, dass man zwar einfühlsam ist, aber die Schicksale, die einem im Beruf begegnen, nicht mit nach Hause nimmt. Auf manchen Stationen ist man menschlich besonders gefordert, wie auf der Psychiatrie zum Beispiel. Aber auch das ist etwas, was mir sehr an diesem Beruf gefällt. Das Miteinander ist für mich etwas Bereicherndes. Ich bin daher auch lieber auf den Stationen, wo die Patienten mobiler sind und es weniger um die Vollpflege geht, wie auf der Intensivstation.“

Egal, in welchem Fachbereich, Nachtschichten gehören zum Berufsalltag, auch schon während der Ausbildung. „Ein Krankenhaus macht eben nie zu. Man muss sich darauf einstellen, in Schichten und an Wochenenden zu arbeiten. Das ist für mich kein großes Problem. Auch wenn ich Nachtschichten nicht so gern mache. Da macht man regelmäßig Durchgänge bei den Patienten und ist ansonsten viel mit Vorbereiten für die Tagschichten beschäftigt.“

Hannah wird ihre Ausbildung dieses Jahr beenden. Sie hat dann verschiedene Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Sie kann sich an den Fachrichtungen orientieren, sich zum Beispiel auf Intensivpflege spezialisieren, auf einzelne Pflegehilfsmittel, sich zur Pain­-Nurse qualifizieren oder auch ein Studium anschließen, Pflegewissenschaft oder Pflegepädagogik zum Beispiel. „Ich muss auch nicht im Krankenhaus bleiben. Ich könnte als Case Manager in ein Unternehmen gehen oder zu einem Hersteller für Medizintechnik. Es gibt wirklich sehr viele Möglichkeiten.“ (mü)