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10.02.14

Gesundheits- und Krankenpflegehelfer - Station statt Schreibtisch

Einen sicheren Job aufgeben und in einer völlig anderen Branche noch einmal den Neustart wagen? Ute hat sich das getraut. Sie wechselte von der festangestellten Mediendesignerin zur angehenden Gesundheits- und Krankenpflegehelferin und tauschte damit den Schreibtischstuhl gegen ein paar „gute Schuhe“, in denen sie jetzt täglich im Universitätsklinikum Jena unterwegs ist.


Foto: Universitätsklinikum Jena

„Ich habe für mich als Mediendesignerin keine Perspektive mehr gesehen und ich wollte etwas, was mir für die Zukunft mehr Sicherheit bietet“, begründet Ute den Schritt zurück in die Ausbildung. „Die Arbeit in der Gesundheits- und Krankenpflege hatte mich auch schon früher interessiert und schien mir jetzt eine gute Alternative.“ Ute hatte nach der Schule schon einmal ein Praktikum in diesem Bereich absolviert und wusste also schon ein bisschen, was auf sie zukommen würde.
Die Arbeit als Gesundheits- und Krankenpflegehelfer beinhaltet die Grundpflege der Patienten. Das heißt, Ute wäscht die Patienten, hilft ihnen beim Anziehen, reicht ihnen das Essen und unterstützt die Pflegefachkräfte. „Ich darf auch den Blutzuckerspiegel messen, Medikamente verabreichen, die schon rausgesucht worden sind und subkutane Spritzen geben, wie zur Thromboseprophylaxe oder Insulinspritzen.“ Außerdem übernimmt sie anfallende Aufgaben auf der Station. Wie Betten machen, Schmutzwäsche einsammeln oder in der Küche helfen. „Man ist eben immer dort, wo gerade Hilfe gebraucht wird.“ Man müsse für die Arbeit auf Station zwar schon körperlich fit und gut zu Fuß sein; dank moderner Technik, mit der man zum Beispiel die Betten auf eine bequeme Arbeitshöhe hochfahren könne, sei es heute aber nicht mehr so anstrengend wie noch vor 20 Jahren. „Ich habe mir gleich zu Beginn gute Schuhe gekauft und noch nie Rückenschmerzen gehabt.“ Am liebsten arbeitet Ute mit den Patienten. „Als Azubi hat man da auch noch ein bisschen mehr Zeit und kann mehr auf ihre Bedürfnisse eingehen, ihnen einfach mal zuhören und manchmal allein damit schon helfen. Dadurch bekommt man selbst auch unheimlich viel zurück.“
Natürlich gibt es in einem Krankenhaus aber nicht nur gutgelaunte Patienten. „Man muss gern mit Menschen arbeiten, muss auf sie eingehen können, darf aber auch nicht alles an sich heran lassen“, weiß Ute. Wichtig sei, bei der Arbeit auch in stressigen Momenten konzentriert zu sein und nach der Arbeit abzuschalten. Für sie klappt das bis jetzt richtig gut, allerdings hatte sie auch noch keine wirklich schlimme Situation, wie einen Sterbefall in ihrer Schicht. „Angst davor habe ich aber nicht, in der Regel hat man auch auf Station immer jemanden, der einem zur Seite steht und mit dem man reden kann. Außerdem gibt es auch in der Berufsschule Seminare dazu.“ Hauptsächlich geht es in der Theorie um Anatomie, Physiologie und Krankheitsbilder.
Die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpflegehelfer dauert nur ein Jahr. Da ist das schon ein recht sportliches Programm. Zwar geht man dabei nicht ganz so in die Tiefe, wie zum Beispiel in der dreijährigen Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, und hat eher einen makroskopischen Überblick, aber es ist eben auch nicht viel Zeit. Man schreibt von Anfang an Leistungskontrollen und hat bis zu den Prüfungen kaum Zeit, Versäumtes nachzuholen.“ Den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolviert Ute auf verschiedenen Stationen und in ambulanten Einrichtungen. „Ich war zu Beginn vier Monate in der Kardiologie, dann einen Monat in der Geriatrie und bin jetzt im ambulanten Dienst.“ Zum Abschluss wartet noch die Chirurgie der gynäkologischen Station. „Jeder Bereich hat dabei seine Besonderheiten. Bis jetzt gab es noch nichts, was ich langweilig fand oder was mir keinen Spaß gemacht hat.“ Deshalb steht für Ute jetzt schon fest, dass sie ab September in die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger wechseln wird. „Ich hoffe, dort gleich in das zweite Lehrjahr einsteigen zu können.“ (mü)