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04.09.17

Geomatiker - Kein bisschen vermessen

Na, mal wieder die Orientierung verloren? Gut, dass du nur dein Smartphone zücken musst um dir per Karten-App wieder einen Überblick zu verschaffen. Das Ganze geht natürlich auch noch etwas traditioneller mit einer Straßenkarte – doch egal ob digital oder analog – die Grundlage ist immer die Arbeit der Geomatiker. Denn die sammeln Geodaten und bereiten sie so auf, dass du mit ihnen etwas anfangen beziehungsweise wieder auf den richtigen Weg finden kannst. Wie man Geomatiker wird und wie genau deren Arbeit aussieht? Das erzählen Linda (22) und Johannes (22), die beide eine Ausbildung beim Landesamt für Vermessung und Geoinformation (TLVermGeo) in Erfurt machen.


Ausbildung, Geomatiker, Thüringen, Erfurt

Fotos: Manuela Müller/WiYou.de

Linda und Johannes hatten sich nach dem Abitur beide zunächst für ein Studium entschieden. „Der Bachelorstudiengang Geografie war irgendwie nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Ich wollte etwas, das besser zu meinen Interessen passt“, erzählt Johannes. Linda hatte es mit Geowissenschaften probiert, „da war aber sehr viel Chemie dabei, das lag mir einfach nicht. Außerdem wollte ich dann doch erstmal eine duale Ausbildung machen, wo ich mehr Bezug zur Praxis habe.“ Beide wagten einen Neustart, diesmal mit einer dualen Berufsausbildung im öffentlichen Dienst als Geomatiker beim TLVermGeo. „Hier habe ich alles das, was mich interessiert und kann auch gleich richtig arbeiten, das war auf jeden Fall eine gute Entscheidung“, findet Johannes. „Und ich habe immer noch mit Geologie zu tun, aber nur mit den Bereichen, die mich auch wirklich interessieren“, so Linda.

Den Beruf des Geomatikers gibt es in dieser Form erst seit 2010. Er verbindet die Arbeitsbereiche der Kartografie, der Vermessungstechnik, der Fotogrammetrie und der Fernerkundung. Linda und Johannes sind gerade in das letzte der insgesamt drei Lehrjahre gewechselt und haben inzwischen die verschiedenen Aufgaben der Geomatiker kennengelernt. „Im Großen und Ganzen sind das die Erhebung, Weiterverarbeitung, Visualisierung, die Vermarktung von Geodaten und die Beratung von Kunden. Die Ausbildung findet im ersten Jahr zum Großteil am Standort Gotha statt. Da geht es erstmal viel um Grundlagen und Datenerfassung. Dazu waren wir dann selbst viel draußen unterwegs und haben selbst Geodaten gesammelt, also zum Beispiel ein vorher bestimmtes Areal vermessen. Wir haben gelernt, wie man diese Daten verwaltet, bearbeitet und mit entsprechenden Computerprogrammen so aufbereitet, dass am Ende eine Karte entsteht, wie man sie dann zum Beispiel über eine App laden kann.“

Im Berufsschulunterricht, der in Blöcken ebenfalls in Gotha stattfindet, gibt es die theoretischen Grundlagen dazu. Da stehen Mathe, Geometrie, Kartografie und Informatik im Mittelpunkt. „Mit der klassischen Geografie aus der Schule hat man dabei nicht viel zu tun. Man behandelt zwar auch nochmal den Aufbau der Erde. Aber Winkelfunktionen und Koordinatensysteme sind wichtiger als die Namen der Hauptstädte oder Klimazonen. Wichtig ist jedoch, sich gut auf Karten orientieren zu können“, erklärt Johannes.

Im zweiten und dritten Lehrjahr findet die praktische Ausbildung am Stammsitz in Erfurt statt. Auch hier durchlaufen die Auszubildenden die unterschiedlichen Bereiche, zum Beispiel den Katasterbereich Erfurt, wo es um Liegenschaften, also Flurstücke und Gebäude geht. Alternativ findet die Ausbildung im dritten Lehrjahr in einem Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung statt. „Während der Ausbildung schnuppert man erstmal in alle Bereiche rein. Für das dritte Lehrjahr wurden wir jetzt auf- und einer Abteilung fest zugeteilt und arbeiten schon relativ selbstständig.“

Die hauptsächliche Arbeit der Geomatiker findet am Computer statt. Man geht zwar während der Ausbildung selbst oft raus zum Vermessen, aber später im Beruf dann nicht mehr so viel. „Das sollte man vorher wissen, denn den ganzen Tag auf den Bildschirm zu gucken, gerade wenn es um Detailarbeit geht, kann ganz schön anstrengend sein. Dafür ist es aber auch wahnsinnig interessant. Dank der fortschreitenden Technik können wir zum Beispiel auch anhand von Luftbildern Daten erheben und mit speziellen Brillen und Bildschirmen mit Spiegeln in 3D arbeiten“, erklärt Linda. Sie konnte das zweite Lehrjahr als Jahrgangsbeste abschließen und ist froh, sich gegen das Studium und für diese Ausbildung entschieden zu haben. „Ich habe viele spannende Tätigkeiten und immer wieder neue Aufgaben, ob Sonderkarten erstellen oder auch Recherchen für den Vertrieb, es gibt nichts, was ich hier nicht mag.“

Und auch Johannes ist zufrieden. Er findet die Arbeit im Bereich Kataster besonders spannend. „Ortschaften vermessen zum Beispiel macht mir sehr viel Spaß. Wir haben letzte Woche einen Turm bei Bad Berka vermessen und wollen jetzt die genaue Höhe bestimmen. Dazu mache ich gerade die Berechnungen. Ich würde auch gern nach der Ausbildung hier in dieser Abteilung bleiben. Könnte mir aber schon auch vorstellen, doch noch mal zu studieren, dann aber eher dual. Hier beim TLVerGeo wird demnächst so ein Studium angeboten, das würde mich interessieren.“ (mü)