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12.12.18

Packmitteltechnologe Ganz schön packend!

Aufreißen, wegschmeißen – viel mehr erlebt eine Umverpackung meist nicht. Mit etwas Glück darf sie sich als Retoure oder Second‐Hand‐Verpackung nochmal auf den Weg machen. Meist aber landet sie gleich im Papiercontainer oder irgendwo in einem Kellerregal. Verdient hat sie das nicht, denn ohne Versandkartons und Co. wären wir gerade in der heutigen Zeit ganz schön aufgeschmissen. Wer möchte schon das neue Handy oder das antike Porzellanservice ohne schützende Verpackung geliefert bekommen? Damit Technik, Geschirr und alles andere, was noch so verschickt werden kann, heil ankommt, werden entsprechende Packmittel gebraucht. Und die kommen zum Beispiel von Ilm‐Pack aus Weimar, wo Packmitteltechnologe Alexander (30) arbeitet.


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Foto: Manuela Müller

Zwar hat jeder mehrmals täglich irgendwelche Verpackungen in der Hand, den Beruf Packmitteltechnologe kennen aber die wenigsten. Auch Alexander hörte während der Suche nach einem Ausbildungsplatz zum ersten Mal davon, wobei es damals noch Verpackungsmittelmechaniker hieß. „Der Packmitteltechnologe ist die modernisierte Version, die nicht mehr so viel mit Mechanik, dafür aber mehr mit Laborarbeit zu tun hat. Es geht aber nach wie vor um die Herstellung von Verpackungen aus verschiedenen Materialien, nur spielt die Qualitätskontrolle heute eine größere Rolle. Ich fand das aber schon damals sehr interessant und habe die Entscheidung für diesen Beruf auch bis heute nicht bereut.“

Ob Kunststofftüte, Glasflasche, oder Metalldose – Packmittel gibt es in den verschiedensten Formen und Materialien. Die grundsätzlichen Tätigkeiten sind aber in jedem Bereich das Entwerfen von Verpackungen, das Einrichten und Bedienen von Produktionsmaschinen, das Bestücken mit Rohmaterial, das Steuern und Überwachen des Produktionsprozesses, die Veredelung und Qualitätskontrolle. Nur die Maschinen unterscheiden sich je nach Werkstoff. Ilm‐Pack hat sich auf Versandverpackungen aus Wellpappe spezialisiert. „Wir bekommen hier als Ausgangsmaterial Rohbögen aus Wellpappe in verschiedenen Größen und Stärken. Mit den Maschinen schneiden wir diese Bögen zurecht, schlitzen, falten und kleben sie, stanzen Einsparungen aus und können nach Bedarf auch Drucke aufbringen.“ Die fertigen Verpackungen, können sehr klein sein, wie etwa für ein Maßband von wenigen Zentimetern Durchmesser, oder richtig groß, wie die Versandverpackungen für Leiteraufzüge. Für letztere sind die Rohbögen sechs Meter lang und fast zwei Meter breit und die Palette mit den Bögen dementsprechend schwer. Deshalb gehört der Staplerschein für die Packmitteltechnologen hier zur Grundausstattung. Sie suchen sich das zum jeweiligen Auftrag passende Material im Lager raus und transportieren es zu den Maschinen, wo es dann entweder automatisch eingezogen oder auch von Hand eingelegt wird.

Doch bevor eine Maschine loslegen kann, muss natürlich erst einmal klar sein, wie die Verpackung am Ende aussehen soll. Auch das ist die Aufgabe der Packmitteltechnologen. „Wir schauen, um welche Ware es geht, wie groß sie genau ist und welchen Ansprüchen die Verpackung genügen muss. Ob zum Beispiel noch ein „Innenleben“ gebraucht wird, welche Stärke das Rohmaterial haben muss, ob etwas verklebt oder geheftet werden soll und ob noch etwas aufgedruckt werden soll. Dann suchen wir entweder aus dem DIN‐Katalog eine passende Vorlage raus oder entwerfen eine komplett neue.“ Dabei wird zwar mit dem Computer gearbeitet, ohne ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen und logisches Denken kommt ein Packmitteltechnologe aber nicht weit. „Manchmal rufen auch Kunden an, die etwas ganz Spezielles haben wollen oder eine vorhandene Verpackung muss optimiert werden. Gerade dieses Tüfteln und Rumprobieren ist etwas, was mir besonders viel Spaß macht.“

Im Gegensatz dazu könne die Arbeit an den Maschinen schon auch mal etwas eintönig werden. An sich ist die Technik schon sehr spannend. Aber gerade, wenn es um die Produktion größerer Stückzahlen geht, das können schon mal bis zu 20.000 Kartons sein, kann es auch ein bisschen langweilig werden.“ Allerdings muss Alexander auch bei den weniger abwechslungsreichen Aufträgen immer konzentriert bei der Sache sein. „Zum einen soll die Produktion reibungslos laufen. Man muss die Maschine immer wieder befüllen und zwischendurch Stichproben nehmen, um zu prüfen, ob alles noch exakt arbeitet und falls nicht, nachjustieren. Zum anderen spielt die Arbeitssicherheit eine sehr große Rolle. Jede Maschine hat dafür eigene Sicherheitvorgaben. Es gibt viele freidrehende Maschinenteile, bei denen man besonders aufpassen muss. Das lernt man alles schon in der Ausbildung.“ Diese dauert drei Jahre. Im Unternehmen durchlaufen die Auszubildenden die verschiedenen Produktionsbereiche. „Es ist wichtig, den Aufbau einer Verpackung zu verstehen. Deshalb beginnt man in der manuellen Fertigung. Hier werden die Teile von Hand aufgezeichnet, zugeschnitten und zusammengebaut. Erst dann geht es nach und nach an die Maschinen. Jede einzelne wird genauer unter die Lupe genommen und erklärt, sodass man später auch überall einsetzbar ist. Außerdem geht’s auch ins Warenlager, in die Verpackung, den Versand und in die Produktentwicklung.“

Der theoretische Teil der Ausbildung findet in der Berufsschule in Altenburg statt. „Dort geht es hauptsächlich um Physik und Chemie, Berechnungen, Handfertigung, Laborarbeit sowie Werkstoff‐ und Maschinenkunde, und zwar nicht nur für den eigenen Werkstoff, sondern für alle Packmittel, die es gibt. Das ist schon eine ganze Menge und mehr, als ich zu Beginn der Ausbildung dachte.“ Alexander hat aber nicht nur seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, sondern auch schon selbst den Ausbilderschein in der Tasche. „Man kann auch noch die Weiterbildung zum Techniker anschließen oder den Meister machen und sich mehr mit der Instandhaltung der Maschinen beziehungsweise der Produktionsplanung beschäftigen. Grundsätzlich braucht man sich als Packmitteltechnologe keine Sorgen um einen Arbeitsplatz zu machen. Der Versandhandel wächst und damit auch der Bedarf an Packmitteln. Außerdem werden immer neue Herausforderungen an die Packmittelindustrie gestellt. Zum Beispiel jetzt mit den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Wir stellen zu einhundert Prozent recycelbare Verpackungen her, auch jeder Schnipsel, der nach Zuschnitt übrig bleibt, wird recycelt. Das ist ein Bereich, der mich persönlich sehr interessiert und auch in Zukunft ein spannendes Thema bleiben wird.“ (mü)