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< Medieninformatik (Uni Weimar)
01.11.14

FSJ Kultur - Auf Buchfühlung mit dem Berufsleben

Wer nach dem Schulabschluss noch nicht genau weiß, wie es weiter gehen soll, der kann sich natürlich zuhause auf die Couch setzen und darauf warten, dass der Traumberuf an der Tür klingelt – oder er macht es wie die 18jährige Vivien aus Erfurt. Sie wusste zwar schon nach dem Abi, dass sie studieren möchte, nur was genau, da war sie sich noch nicht sicher. Bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr im Bereich Kultur geht sie im Literaturverein Erfurter Herbstlese e.V. für ein Jahr auf Tuchfühlung mit dem Berufsleben.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Die Erfurter Herbstlese kannte Vivien als Bücherfan schon seit einigen Jahren. Sie hatte selbst schon einige der Veranstaltungen besucht. Die Karten dafür hat sie sich immer in der Erfurter Geschäftsstelle gekauft. Und genau dort erfuhr Vivien auch, eher durch Zufall – von der FSJStelle, die der Literaturverein anbietet. „Ich dachte, das könnte etwas für mich sein. Darum habe mich dann im Internet noch ein bisschen genauer informiert, eine Bewerbung abgeschickt und die Zusage bekommen.“
Seit September ist Vivien nun freiwillig im Einsatz. Da genau zu dieser Zeit auch der Kartenvorverkauf für die kommende Herbstveranstaltungsreihe begann, hatte sie dabei gleich zu Beginn alle Hände voll zu tun. „In der Geschäftsstelle ist man hauptsächlich für die Kunden zuständig, da war gerade in den ersten zwei Wochen richtig viel los. Aber es hat vom ersten Tag an Spaß gemacht. Ich habe telefonische Anfragen angenommen, E-Mails bearbeitet und Karten verkauft. Dafür haben wir hier ein spezielles Ticketsystem, mit dem wir die Eintrittskarten selbst ausdrucken.“
Inzwischen ist ein Großteil der Karten verkauft und es kommen nicht mehr so viele Kunden. Das heißt aber nicht, dass sich Vivien langweilt. Im Gegenteil. „Jetzt wird es eigentlich erst richtig spannend. Denn ich werde mehr an der Organisation beteiligt, muss zum Beispiel mit den Agenturen sprechen, Interviewanfragen abstimmen und die Autoren kontaktieren, um zu klären, wann sie ankommen, ob sie abgeholt werden möchten oder ähnliches. Das macht mir als Bücherfan natürlich ganz besonders viel Spaß.“
Außerdem ist sie dann auch bei den Veranstaltungen selbst dabei. Sie steht dann an der Abendkasse oder am Einlass und ist Ansprechpartnerin für die Kunden und Autoren. Dass ich dabei von den Lesungen auch immer was mitbekomme, ist super“, findet Vivien, die es dafür gern in Kauf nimmt, trotz der eigentlichen Arbeitszeit von neun bis 17 Uhr oft auch abends oder am Wochenende arbeiten zu müssen. „Man hatte im Vorfeld gefragt, ob ich dazu bereit wäre und ich empfinde das auch nicht als Nachteil. Zum einen, weil ich wahnsinnig viel Spaß dabei habe, und zum anderen, weil es dafür auch einen Zeitausgleich gibt und ich in der Woche mal frei machen kann.“
Wie alle FSJler besucht auch Vivien über das gesamte Jahr verteilt Seminare. „Es gab schon gleich am Anfang eine Einführung. Da ging es vor allem um Organisatorisches und um den Träger des FSJ. Ich fand es toll, so viele andere Freiwillige zu treffen und freue mich schon auf die nächsten Seminare.“
Auch wenn sie erst seit einigen Wochen dabei ist, weiß Viven jetzt schon: „Nach der Schule nicht gleich ein Studium anzufangen, ohne zu wissen, was ich überhaupt will, sondern mir noch ein Jahr Zeit zu geben, war genau der richtige Weg. Ich habe so die Möglichkeit, mich ein bisschen zu orientieren und zu gucken, ob der Bereich Kulturmanagement vielleicht etwas für mich ist. Außerdem bringt mich so ein Jahr sicher auch in der persönlichen Entwicklung voran. Ich denke, man wird selbstständiger, selbstsicherer und sammelt einfach viele Erfahrungen, die einem später nicht nur im Berufsleben noch nützen können.“ (mü)