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18.04.16

FSJ beim CJD - Francis' soziales Jahr

Nicht jeder hat das Glück, sein Leben selbstständig meistern zu können – neben Kindern, Älteren und Kranken brauchen auch Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen Hilfe bei der Bewältigung ihres Alltags. Diese finden sie zum Beispiel beim Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) in Erfurt, wo Francis ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert und dabei nicht nur die Arbeit im sozial­pädagogischen Bereich, sondern auch sich selbst ein bisschen besser kennenlernt.


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Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Als Francis nach dem Abitur vor der Frage „Und nun?“ stand, wusste sie zwar schon, dass sie in den sozialen Bereich gehen wollte, aber noch nicht, ob es ein Studium in Richtung Heilpädagogik oder soziale Arbeit werden sollte. „Ich habe mich bei den Unis informiert und erfahren, dass in jedem Fall Praktika Pflicht sind. Da dachte ich mir, ich kann das auch ein ganzes Jahr machen und es zur Orientierung nutzen.“ Das CJD schien Francis dabei die perfekte Einsatzstelle zu sein: „Hier wurden beide Arbeitsbereiche angeboten.“ Sie hatte sich zwar nur für ein Praktikum beworben, angeboten wurde ihr dann aber eine FSJ-­Stelle. „Das hat schon Vorteile gegenüber einem Praktikum.“ So bekommt sie nun nicht nur ein monatliches Taschengeld, sondern auch Fahrgeld, freie Verpflegung und spezielle FSJ-­Seminare. „Das CJD arbeitet bundesweit und ist sehr breit gefächert. Ich selbst bin in Erfurt in der Werkstatt und im Förderzentrum für körperlich und geistig Beeinträchtigte. Bevor ich den Vertrag hier unterschreiben durfte, musste ich zwei Tage hospitieren und erstmal gucken, ob ich mir die Arbeit hier vorstellen kann. Es war am Anfang etwas ungewohnt, hat mir aber gleich so viel Spaß gemacht, dass ich auf jeden Fall bleiben wollte.“

Die Werkstatt ist gleichzeitig Bildungs­- und Arbeitsstätte. Das heißt, die Menschen erlernen berufliche Tätigkeiten, übernehmen aber auch kleinere Arbeiten. Zum Beispiel werden hier die WiYou­-Tüten für die Messen gepackt. „Als Betreuer muss man dabei die Werkstattarbeit organisieren, also dafür sorgen, dass genügend Material bereitsteht, jeder eine Aufgabe hat, die er erfüllen kann, helfen, wenn jemand mal nicht weiter weiß, und am Ende kontrollieren, ob alles in Ordnung ist.“ Nach zwei Monaten wechselte Francis dann ins Förderzentrum. „Hier haben wir fünf Gruppen im Haus. Ich bin immer da, wo gerade Hilfe gebraucht wird, und unterstütze die Betreuer bei ihrer Arbeit. Wenn die Menschen morgens eintreffen, helfe ich denen, die sich nicht selbst ausziehen können, und bringe sie in die jeweilige Gruppe. Dort gibt es dann den Morgenkreis. Danach geht es für alle zum Frühstück und danach ins Bad. Erwachsene Menschen beim Toilettengang zu unterstützen oder zu waschen – daran muss man sich gewöhnen, inzwischen ist es für mich aber ganz normal.“ Francis ist dabei nicht allein und darf auch nicht alles. „Bei manchen Krankheitsbildern muss man bei den Gelenken zum Beispiel sehr aufpassen, die Verantwortung können nur die Fachkräfte übernehmen, ebenso bei medizinischen Notfällen, wenn Medikamente verabreicht werden müssen.“

Bis zum Mittag läuft dann die sogenannte Hauptförderzeit. „Es gibt verschiedene Förderangebote. Ich bin viel in der werkstattorientierten Gruppe, wo darauf hingearbeitet wird, dass sie mal in die Werkstatt wechseln können.“ Nach dem Mittag steht noch mal Förderzeit auf dem Plan, aber diesmal individueller. Außerdem gibt es alle zwei Wochen einen Projekttag, den Francis mitgestaltet. „Das Schöne hier ist, dass man den Tag miteinander verbringt und viel Zeit für jeden Einzelnen hat. Man sollte aber auf jeden Fall gut mit Menschen umgehen können, viel Geduld und Einfühlungsvermögen mitbringen und keine Berührungsängste haben. Ich habe hier Aufgaben übernommen, die ich mir früher nicht zugetraut hätte. Dieses FSJ war für mich genau das Richtige. Ich weiß jetzt auch, was ich studieren möchte: soziale Arbeit.“ (mü)