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01.11.14

Friseur - Gut abgeschnitten

Die Ausbildung im Friseurhandwerk dauert in der Regel drei Jahre. Wer allerdings, wie der 24jährige Christian aus Gotha, nicht nur praktisch mit der Schere in der Hand gut abschneidet, sondern auch in der theoretischen Ausbildung, der kann neben den Kundenhaaren auch gleich seine Ausbildung verkürzen. Bei Christian zumindest lief es in der Lehre so gut, dass er nach zweieinhalb Jahren seinen Abschluss machen und im Anschluss daran auch gleich einen Arbeitsvertrag unterschreiben konnte. Dabei war der Friseurberuf gar nicht seine erste Wahl.


Foto: Manuela Müller/WiYou.de

Nach der Schule entschied sich Christian zunächst für eine Ausbildung im sportlichen Bereich. „Das war ganz okay, aber noch nicht so richtig die Erfüllung. Ich war damals schon Stammkunde im Gothaer Salon ‚Die Lobby Kublick & Frisöre‘ und habe die Leute da mit der Zeit immer besser kennengelernt. Irgendwann habe ich dann angefangen, ihre Projekte, wie Fotoshootings oder Wettbewerbe, mit zu betreuen und auch privat Makeups zu machen.“ Wie sich herausstellte, hatte Christian da nicht nur ein gutes Händchen, sondern auch so viel Spaß, dass er sich für einen beruflichen Neustart entschied. „Wer Makeup machen will, sollte auch Haare machen können, das gehört einfach zusammen und da war die Friseurausbildung das passende Komplettpaket.“ Ganz leicht fiel ihm dieser Schritt dennoch nicht. „Das war ein ziemlicher Kontrast zu meinem ursprünglichen Beruf, ich musste schon Abstriche beim Lohn und bei den Arbeitszeiten machen, aber letztlich war mir die Freude am Beruf einfach wichtiger.“
Als Friseurazubi hatte Christian dann zwar von Anfang an mit Kunden zu tun, an deren Köpfe durfte er aber noch nicht. Die ersten Aufgaben waren im Service die Kunden empfangen, Termine vergeben, und ans Telefon gehen. „Viele unterschätzen den Friseur als Dienstleister. Man muss gut mit Menschen umgehen können, sich auf jeden Einzelnen einlassen können und auch mit schwierigeren Situationen, beispielsweise einem nicht so zufriedenen Kunden, zurechtkommen.“ Wer sich im Service gut anstellt, kann nach und nach mehr Aufgaben übernehmen und zum Beispiel Haare waschen oder Farben auftragen. Das wird vorher allerdings an Puppenköpfen geübt, genauso wie das Schneiden. Außerdem müssen schon mal Freunde und Verwandte der angehenden Friseure den Kopf herhalten, „denn besser wird man nur durch praktische Übung“, weiß Christian, „in einem Buch zu blättern, reicht nicht.“ Unterschätzen sollte man die Theorie deshalb aber auf keinen Fall. Ganz wichtig sind Chemie und Mathe. Man muss wissen, welche Chemikalien im Haar was bewirken und Mischverhältnisse berechnen können. Außerdem stehen auch Gesundheits- und Farblehre auf dem Lehrplan. Christian findet: „Vieles kann man lernen, ein bisschen Grundgeschmack für Farben, Formen und Proportionen sollte man aber schon mitbringen. Ebenso wie handwerkliches Geschick und körperliche Belastbarkeit. Den ganzen Tag auf den Beinen zu sein, kann anstrengend sein.“
Zum Friseurberuf gehören nicht nur Waschen, Schneiden, Föhnen und Färben. Wer zur Prüfung zugelassen werden möchte, muss verschiedene überbetriebliche Lehrgänge absolviert haben, wie zum Beispiel dekorative und medizinische Kosmetik, Gesichtsbehandlungen und Gesichtsmassagen. Stetig weiterbilden sollte man sich dann auch als fertig ausgebildeter Friseur. „Ich muss immer up to date sein, die neuesten Trends kennen und sie natürlich auch umsetzen können. Deshalb besucht man auch später immer wieder Lehrgänge.“
Für Christian ist das aber eher ein Vergnügen als eine Pflicht. Er ist mit seinem jetzigen Beruf so glücklich, dass er auch noch gern einen Teil seiner Freizeit opfert, um für Wettbewerbe und Ausstellungen zu trainieren. „Ich bin froh, dass ich mich damals für die zweite Ausbildung entschieden habe. Das ist einfach ein Traumberuf.“ (mü)