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23.01.20

Freiwilliges Soziales Jahr - So ein Theater

So ein Theater ist einfach ein besonderer Arbeitsplatz – einer, von dem ein gewisses Flair ausgeht. So zumindest in der Vorstellung. Ob diese aber auch der Realität standhält? Genau das möchte die 18‐jährige Hanna aus Erfurt gerade herausfinden. Sie hat vor ein paar Wochen ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Kultur im Theater Erfurt begonnen.


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Foto: Manuela Müller

Hanna würde gern studieren, weiß aber noch nicht genau, welcher Studiengang der richtige ist. „Außerdem wollte ich nach dem vielen Lernen fürs Abi erstmal eher etwas Praktisches machen. Ich finde, ein FSJ ist dafür eine tolle Möglichkeit. Vor allem, da man es nicht nur im pflegerisch‐sozialen Bereich absolvieren kann, sondern zum Beispiel auch im Bereich Kultur. Dafür interessiere ich mich mehr. Besonders fürs Theater. Da war ich mit der Schule oft. Dabei fand ich die Arbeit im Hintergrund immer spannender, als das, was dann auf der Bühne stattfand.“

Hanna bewarb sich nicht nur an verschiedenen Theatern, sondern dort auch für verschiedene Bereiche. „In Erfurt waren das Maske, Requisite und Ausstattung.“ Gelandet ist sie nun allerdings im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. „Das hat sich dann so ergeben. Anfangs habe ich mich schon etwas verloren gefühlt, da war hier im Haus auch gerade sehr viel los und es war für alle stressig. Inzwischen habe ich mich aber sehr gut eingelebt – auch in diesen Arbeitsbereich. Und es ist wirklich eine besondere Atmosphäre – mit besonderen Aufgaben. Ich war zum Beispiel schon beim Tag der offenen Tür als eine Figur (rebellisches Wildschwein aus dem Musical ‚Grimm!‘) verkleidet und habe in der Stadt dafür geworben.“ Natürlich gibt es aber auch im Theater die „normaleren“ Aufgaben. Hanna bearbeitet E‐Mails, kümmert sich um die Social‐Media‐Kanäle, hilft im Marketing und arbeitet am Theatermagazin mit. „Es wird immer geguckt, was ich schon kann und mir zutraue. Und natürlich ist auch immer jemand aus dem Team in der Nähe, der mir hilft, wenn ich nicht weiterkomme.“ Dass sie auch immer mal abends oder am Wochenende arbeiten muss, stört Hanna nicht. „Ich wusste ja, dass das so sein würde und es macht ja auch Spaß. Ich habe hier eine 40 Stunden Woche, nur eben nicht immer von neun bis 17 Uhr. Und es gehört dazu, dass ich regelmäßig die Proben der Stücke besuche, damit ich weiß, was ich vermarkte. Das Gesamtpaket bringt wirklich viel Abwechslung und gefällt mir bisher sehr.“

Hannas Freiwilliges soziales Jahr läuft über die Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung Thüringen e.V. Darüber werden zusätzliche Seminare zu verschiedenen Themen angeboten, viermal im Jahr je eine Woche. Außerdem zahlt die Organisation ein Taschengeld. „Das ist mit 300 Euro im Monat leider nicht sehr hoch und eigentlich das Einzige, was ich an dem FSJ nicht so gut finde. Naja, neben der Tatsache, dass viele sagen, es wäre nur Zeitschinden. Das finde ich nicht. Ich denke, so ein FSJ hilft bei der Berufswahl. Für mich zum Beispiel wäre Marketing früher nicht infrage gekommen, aber jetzt, nachdem ich einen Einblick darin habe – besonders die psychologischen Aspekte finde ich spannend – könnte ich mir auch ein Studium in diesem Bereich vorstellen. Und man entwickelt sich persönlich weiter. Auch, wenn es einem am Anfang erstmal schwerfällt, irgendwann bekommt man bei den Aufgaben Routine und wird selbstbewusster.“ Hanna hofft, in den nächsten Monaten noch so viel wie möglich ausprobieren zu können – und vielleicht doch auch noch die anderen Bereiche, wie zum Beispiel die Maske, kennenzulernen. (mü)